Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hamburg
Liebe Kolleg*innen, liebe Kammermitglieder,
wenn Ihnen diese Ausgabe vorliegt, sollten die offiziellen Wahlergebnisse der gewählten Parteien und die Stimmenverteilungen bekannt sein. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses können wir lediglich spekulieren, wie sich der neue Bundestag für die 21. Legislaturperiode sowie die neue Hamburgische Bürgerschaft zusammensetzen werden. Eines steht fest: Die Wahlergebnisse werden nicht nur die politische Landschaft unseres Landes prägen, sondern auch entscheidende Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik haben können. In Zeiten, in denen die Herausforderungen im Gesundheitswesen immer komplexer werden, ist es noch einmal mehr von Bedeutung, dass wir uns mit den Positionen der Parteien und Kandidierenden auseinandersetzen und uns mit unseren Forderungen für eine bessere psychotherapeutische Versorgung an die Politik richten.
Und genau das haben wir zum Jahresauftakt getan. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, der Ärztekammer Hamburg und der apoBank haben wir die gesundheitspolitischen Sprecher*innen von Hamburgs Parteien zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Unter dem Titel „Zwischen ambulant und stationär: Wie erhalten wir eine bedarfsgerechte Versorgung in Hamburg?“ sprach Heike Peper gemeinsam mit John Afful, Vorstandsvorsitzender der KVH, und Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer, am 22. Januar 2025 mit den politischen Vertreter*innen über die Zukunft der ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung in unserer Stadt.
Neben dem Bericht über diese politische Diskussionsrunde möchten wir mit Ihnen auf weiter zurückliegende Hamburger Veranstaltungen blicken, denen wir aufgrund des ausführlichen Berichts über den 9. Psychotherapeut*innentag im PTJ 4/2024 erst mit dieser Ausgabe die verdiente Aufmerksamkeit schenken können. Lesen Sie unsere Artikel über die kammereigenen Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Post-Covid sowie Stalking, zur Allgemeinen Kammerversammlung und selbstverständlich auch über die vergangene Delegiertenversammlung.
Wir wünschen Ihnen eine abwechslungsreiche Lektüre.
Ihr Vorstand
Heike Peper (Präsidentin), Torsten Michels (Vizepräsident), Dr. Thomas Bonnekamp, Dr. Claudia Gorba und Kerstin Sude
Gemeinsame Diskussionsveranstaltung „Zwischen ambulant und stationär: Wie erhalten wir eine bedarfsgerechte Versorgung?“ am 22. Januar 2025
Wie steht es um die ambulante und stationäre Versorgung in Hamburg? Diese Frage stand im Fokus einer politischen Podiumsdiskussion, zu der die Psychotherapeutenkammer Hamburg gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), der Ärztekammer und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) im Vorfeld der Hamburgischen Bürgerschaftswahl eingeladen hatten. Vor rund 200 interessierten Besucher*innen diskutierten Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg, John Afful, Vorstandsvorsitzender der KVH, und Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, mit den Vertreter*innen von SPD, Grüne, Linke, CDU und FDP.
PTK-Präsidentin Heike Peper (vierte v. l.) mit den beiden eingeladenen Referentinnen und den gemeinsamen Gastgeber*innen
©KVH/Foto: Ralf Niemzig
Zur Einstimmung gab es Zahlen und Fakten, u. a. präsentiert mit einem anschaulichen Kurzfilm der KVH zur Leistungsstärke der ambulanten Versorgung. Wussten Sie beispielsweise, dass an einem einzigen Tag in Hamburgs ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen fast 100.000 Patient*innen versorgt werden? Und obwohl täglich 5.710 Sitzungen in psychotherapeutischen Praxen in der Hansestadt durchgeführt werden, warten dennoch viele Menschen mit psychischen Erkrankungen teilweise monatelang auf einen Therapieplatz. Kann so von einer bedarfsgerechten Versorgung gesprochen werden?
Im Vorfelde der Podiumsdiskussion präsentierten Nicole Wortmann (apoBank) und Prof. Dr. Iris Kesternich (Universität Hamburg) weitere Daten zum aktuellen Versorgungssystem und dessen Entwicklung. Auch unter volkswirtschaftlicher Perspektive zeichneten die beiden Rednerinnen jeweils ein differenziertes Bild. So zählte Prof. Dr. Iris Kesternich am Ende ihres Vortrages folgende konkrete Vorschläge für strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem auf: eine Stärkung der Rolle der Hausärzt*innen, eine bessere Integration von stationärem und ambulantem Sektor, größere organisatorische Einheiten wie Gruppenpraxen sowie das Reformieren der Notfallversorgung und von versicherungsfremden Leistungen. Diese Vorderungen gaben erwartungsgemäß Anlass für die Podiumsteilnehmer*innen, ihre Positionen zu formulieren.
Mit Claudia Loss (SPD) und Dr. Gudrun Schittek (GRÜNE) saßen gleich zwei Politikerinnen auf dem Podium, die selbst im Gesundheitssystem tätig sind und einige der vorgetragenen Kritikpunkte bestätigten. Die als Stationsleitung im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß Sand tätige Claudia Loss sagte, dass es ausreichend Kassensitze gäbe, diese aber ungleich in Hamburg verteilt seien. Die niedergelassene Gynäkologin Dr. Gudrun Schittek knüpfte an und forderte eine stärkere Steuerung der Patient*innen, beispielsweise in Form eines Primärarztmodells. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Stephan Gamm, berichtete ebenfalls von Defiziten in der Versorgung und führte die langen Wartezeiten für fachärztliche Termine an, und Deniz Çelik (Linke) nannte die aktuelle Situation nicht nur nicht bedarfsgerecht, sondern auch ungerecht. In sozial benachteiligten Stadtteilen sei die ambulante Versorgung besonders mangelhaft. Für die FDP sprach deren Landeschefin Sonja Jacobsen, die ebenfalls eine stärkere Steuerung und klar definierte Zuständigkeiten z. B. von ambulantem und stationärem Sektor forderte.
Es wurde lebhaft diskutiert. Politiker*innen und Vertreter*innen von KV und Kammern auf dem Podium.
Der Journalist Dirk Schnack führte fokussiert durch den Abend und schuf durch partielle Einbeziehung des Publikums eine lebendige Gesprächsatmosphäre. Den Schlusspunkt setzten die Veranstalter*innen und entließen die Politiker*innen mit ihren Forderungen an die Gesundheitspolitik. John Afful wünschte sich von der Politik grundsätzlich mehr Anerkennung dafür, was Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen täglich leisten, und mahnte eine stärkere Einbeziehung bei politischen Entscheidungen an. Dr. Pedram Emami gab zu bedenken, dass es einer breiteren gesellschaftlichen Diskussion darüber bedürfe, wie die Lösung von Versorgungsproblemen aussehen solle. Heike Peper betonte nochmals die Notwendigkeit einer Reform der Bedarfsplanung sowie flexiblere Behandlungsmöglickeiten für Psychotherapeut*innen. Die Bürokratie müsse abgebaut und es müsse von der Politik ein stärkerer Fokus auf die Prävention gelegt werden.
KM/HP
Bericht von der 97. Delegiertenversammlung vom 20. November 2024
Nach der Eröffnung der 97. Delegiertenversammlung (DV) begrüßte Kammerpräsidentin Heike Peper am 20. November 2024 die anwesenden Delegierten zur letzten Sitzung des Jahres im großen Konferenzraum der AlsterCity.
Geschäftsführerin Karen Walter und die Vorstandsmitglieder, aufgrund von Krankheit ausnahmsweise ohne Vizepräsident Torsten Michels.
Berichte des Vorstandes
Mit Blick auf die seit der letzten DV im September 2024 durchgeführten Veranstaltungen und Aktivitäten informierten die Vorstandsmitglieder u. a. zu den kammereigenen Fortbildungsveranstaltungen. Die Veranstaltung zum Thema „Stalking“ hatten die Psychotherapeutenkammern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein erstmalig als gemeinsames Online-Angebot durchgeführt. Auch über den 9. Hamburger Psychotherapeut*innentag, der sich am 12. Oktober 2024 dem Thema Vielfalt in der Psychotherapie gewidmet hatte, sowie über den 45. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) in Berlin wurde ausführlich informiert.
Vorstandsmitglied Kerstin Sude berichtete als Sprecherin der BPtK-Kommission „Digitale Agenda“ u. a. zum Gesundheits-Digitalagentur-Gesetz (GDAG) und zur Elektronische Patientenakte (ePA). Auch das in der letzten DV bereits intensiv diskutierte Thema der videogestützten Psychotherapie mit den damit verbundenen berufsrechtlichen Fragen wurde nochmals aufgegriffen. Heike Peper schloss den Bericht des Vorstandes mit einem Überblick über die für 2025 geplanten Veranstaltungen ab.
Gemeinsam blickten Vorstand und Delegierte am 22. November 2024 mit den geplanten Terminen auf das kommende Jahr.
Ausschüsse, Kommissionen und Arbeitskreise
An die Vorstandsberichte schlossen sich die Berichte aus den Ausschüssen, Kommissionen und Arbeitskreisen an. Die Delegierten erhielten so einen aktuellen Überblick über die bisherige und aktuelle Gremienarbeit.
Geschäftsführerin Karen Walter berichtete aus der Geschäftsstelle zur Weiterentwicklung des Internen Mitgliederbereichs (IMB) und informierte, dass die Beitragserhebung auf Grundlage der geänderten Beitragsordnung nun bereits zum zweiten Mal digital gestartet sei.
Ordnungen und Änderungsanträge
Auf der Tagesordnung stand außerdem die Beschlussvorlage über die 5. Änderungssatzung zur Entschädigungs- und Reisekostenordnung. Unter Berücksichtigung von mehreren Abstimmungen zu Änderungsanträgen, wurde die 5. Änderungssatzung der Entschädigungs- und Reisekostenordnung beschlossen und trat am 7. Januar 2025 in Kraft.
Umsetzung der Weiterbildung in Hamburg
Heike Peper gab einen Überblick zu aktuellen Aktivitäten zur Umsetzung der neuen Weiterbildung auf Landes- und Bundesebene.
Die neue Weiterbildungsordnung PP/KJP war mittlerweile von der Aufsichtsbehörde genehmigt und auf der Website der PTK Hamburg veröffentlicht worden. Dort sind auch die entsprechenden Antragsformulare hinterlegt. Zudem gebe es erste Anträge für die Anerkennung im Weiterbildungsbereich „Sozialmedizin“.
Verschiedenes
Die Delegierte Canan Baskin berichtete, dass sie vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestags- und Bürgerschaftswahlen zunehmend Sorgen und Ängste bei Menschen aus gesellschaftlich marginalisierten Gruppen wahrnehme, sie sprach die psychischen Belastungen und existentiellen Bedrohungsgefühle durch diskriminierende Erfahrungen und rassistische Angriffe an. Insofern bestehe die Bitte an den Vorstand, sich weiterhin und verstärkt für diese Themen – analog zur Arbeit des Ausschusses Diversität und Antidiskriminierung – einzusetzen. Im Namen des Vorstandes sagte Heike Peper dies ausdrücklich zu.
Heike Peper bedankte sich zum Abschluss bei allen Delegierten für die interessierte und engagierte Beteiligung und beendete die letzte Delegiertenversammlung der PTK Hamburg im Jahr 2024.
WH/KM
Rückblick auf die Allgemeine Kammerversammlung am 6. November 2024
Der Vorstand hatte am 6. November 2024 alle Mitglieder zur jährlich stattfindenen Kammerversammlung eingeladen, um über die aktuellen berufs- und gesundheitspolitischen Themen, die die Kammer im Verlauf des letzten Jahres beschäftigt hatten, und die entsprechende Gremienarbeit zu berichten. Die im Heilberufekammergesetz vorgeschriebene Versammlung fand in einem Online-Format statt.
Abwechselnd berichteten die Vorstandsmitglieder zu aktuellen Themen wie Digitalisierung, Klima, Qualitätssicherung, Notfallversorgung und Umsetzung der neuen Weiterbildung für Psychotherapeut*innen in Hamburg und standen für Fragen zur Verfügung. Außerdem wurden die neuen Ausschüsse „Diversität und Antidiskriminierung“ sowie „Psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ vorgestellt.
Geschäftsführerin Karen Walter endete mit dem Bericht der Geschäftsstelle und stellte die Neuigkeiten im Internen Mitgliederbereich (IMB) vor.
Heike Peper nutzte die Allgemeine Kammerversammlung, um ihren herzlichen Dank an alle ehrenamtlich tätigen Gremienmitglieder und die Geschäftsstelle auszusprechen.
KM/HP
Kammerübergreifende Fortbildung am 4. November 2024 zum Thema Stalking
Die Psychotherapeutenkammern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg („Nordkammern“) hatten erstmalig zu einer gemeinsamen Online-Fortbildungsveranstaltung mit dem Titel „Stalking – Umgang und Beratung“ eingeladen. Das von Hamburg federführend organisierte Webinar war der Auftakt einer kammerübergreifenden Veranstaltungsreihe.
Mehr als 660 interessierte Kolleg*innen hatten sich eingewählt, um dem Vortrag der Referentin Kristina Lühr zu folgen. Die Psychologische Psychotherapeutin, Dozentin und Supervisorin ist stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle Opferhilfe Hamburg. Fachlich versiert gab sie einen Überblick über Prävalenz, Definition und Dynamik von Stalking und beschrieb dessen mögliche psychische und soziale Folgen. Stets mit Praxisbezug sensibilisierte die Referentin für das Thema und stellte Strategien zum Umgang mit Stalking sowie zur Unterstützung Betroffener vor. Als besonders hilfreich wurden die konkreten Tipps und die Nennung weiterer Informationsmöglichkeiten rückgemeldet.
Referentin Kristina Lühr freute sich am 4. November 2024 über das große Interesse.
Torsten Michels, Vizepräsident der PTK Hamburg, war in seiner Funktion als Vorsitzender der Beschwerdekommission der Kammer kompetenter Ansprechpartner zu konkreten berufsrechtlichen Fragen – insbesondere in den Fällen, in denen Psychotherapeut*innen selbst von Grenzüberschreitungen durch Patient*innen betroffen sind.
Nach informativen 90 Minuten endete die digitale Fortbildungsveranstaltung, die über die Ländergrenzen hinweg für viel Interesse sorgte. Heike Peper dankte Kristina Lühr für ihren engagierten Vortrag und stellte wie viele der Teilnehmenden fest, dass ein Thema wie Stalking ohne Weiteres auch eine längere Veranstaltung gerechtfertigt hätte.
KM/HP
Online-Fortbildungsveranstaltung vom 25. September 2024 zu Post-COVID und ME/CFS
Kammerpräsidentin Heike Peper begrüßte am Abend des 25. September 2024 mehr als 300 Teilnehmer*innen zur digitalen Fortbildungsveranstaltung „Die Rolle der Psychotherapie in der Versorgung von Patient*innen mit Post-COVID und ME/CFS“. Als Referentin war die bundesweit gefragte Expertin Bettina Grande gewonnen worden, die als Psychologische Psychotherapeutin eine Schwerpunktpraxis für Patient*innen mit Post-Covid und ME/CFS in Heidelberg betreibt.
Bettina Grande gab einen fundierten Überblick und erhielt viel positives Feedback für ihren interessanten Vortrag.
Bettina Grande gelang es, in Kürze in das komplexe Thema einzuführen und auf anschauliche und teils beklemmende Weise aufzuzeigen, wie Patient*innen mit Post-COVID-Syndrom (PCS) und seiner schwersten Folge, der Myalgischen Enzephalomyelitis/dem Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS), sowohl körperlich als auch psychisch belastet sind.
Die Symptome von ME/CFS werden trotz der zunehmenden Zahl Betroffener immer noch häufig nicht erkannt, nicht ernst genommen oder etwa als Folgen von Depressionen, Angststörungen und anderem umgedeutet und zu Lasten der Betroffenen psychologisiert, aber auch mit anderen somatoformen Störungen verwechselt.
Mit ihrem virtuellen Vortrag hat Bettina Grande aufgezeigt, dass Psychotherapeut*innen hier einen wichtigen Beitrag bei der Verarbeitung und dem Umgang mit der Erkrankung leisten können und stellte ganz konkret die „Dos and Don`ts“ in der psychotherapeutischen Arbeit dar.
KM/HP
Ankündigungen zu Bekanntmachungen
Folgende Neufassungen bzw. Änderungssatzungen unserer Ordnungen und Satzungen sind bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe verabschiedet, in Kraft getreten und online auf der Kammerwebsite bekannt gemacht worden:
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Änderungssatzung Entschädigungs- und Reisekostenordnung (ab 07.01. 2025)
Den aktuellen Stand können Sie jederzeit online unter https://ptk-hamburg.de/aktuelles/amtliche-bekanntmachungen nachlesen.