Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hessen
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
wenn Sie diese Ausgabe lesen, werden die Weichen bereits gestellt sein. Wir werden das Ergebnis der Bundestagswahl kennen und wissen, in welche Richtung sich unser Land nun entwickeln wird. Aus meiner jetzigen Perspektive bleibe ich zuversichtlich. In der Luft liegt jede Menge Unsicherheit. Dennoch machen hunderttausende Menschen Mut, die dieser Tage auf den Straßen Deutschlands gegen Rechts und für die Demokratie demonstrieren – von der kleinen Kreisstadt bis zur Metropole.
Auch wir als Kammer haben seit der bedenklichen Entwicklung des politischen Klimas Anfang 2024 immer wieder klar Position für die Demokratie bezogen – zum einen weil wir als Psychotherapeutenkammer Hessen an die Verfassung gebunden sind und damit die freiheitlich-demokratische Grundordnung unser Handeln bestimmt, zum anderen – und diesen Punkt möchte ich insbesondere als Präsidentin der PTK Hessen hervorheben – weil „Diffamierungen, Stigmatisierungen, Diskriminierungen, Antisemitismus und Rassismus […] den gesellschaftlichen Zusammenhalt und darüber hinaus auch die psychische Unversehrtheit und Gesundheit oder sogar das Leben […] gefährden.“ So lautet ein Zitat aus der Resolution des Deutschen Psychotherapeutentags im Frühjahr 2024. Vergebens sucht man in den Programmen und im Handeln mancher Partei nach diesen Aspekten. Mit großer Enttäuschung habe ich im Wahlkampf viele Reden verfolgt, in denen die psychische Gesundheit unserer Gesellschaft eine untergeordnete oder auch gar keine Rolle spielt.
Umso mehr ist dies Anlass für uns als Vertretung des Berufsstands und auch für mich persönlich als Präsidentin, weiterhin mit voller Kraft für ein Bewusstsein zu kämpfen – in der breiten Öffentlichkeit, aber eben auch in der Politik.
Unabhängig davon, wer nun die Regierung bildet, heißt es für uns: Alles auf Anfang. Aufgrund des Ampel-Zerfalls ist die dringend notwendige Anpassung der Bedarfsplanung, vor allem auch im Kinder- und Jugendbereich, auf der Strecke geblieben. Die Freude im Herbst 2021, als das Thema im Koalitionsvertrag aufgenommen wurde, ist ziemlich genau drei Jahre später mit dem Aus der Regierung purer Enttäuschung gewichen. Zudem ist die gesetzliche Regelung zur Finanzierung der neuen Weiterbildung ausgeblieben. Das ist unglaublich bitter für unseren Nachwuchs und gefährdet darüber hinaus die zukünftige Versorgung unserer Patient*innen. Doch wir lassen uns nicht entmutigen und treten für die Interessen unseres Berufsstandes und eine bessere psychotherapeutische Versorgung weiter ein!
Herzliche Grüße
Ihre Heike Winter, Präsidentin
Bye-bye, „X“! Hello „Instagram“ und „Bluesky“!
Die Psychotherapeutenkammer Hessen steht für Vielfalt, Respekt und eine offene und respektvolle demokratische Gesellschaft. Sich klar zu diesen Werten zu positionieren, ist wichtiger denn je. Genau deshalb hat die PTK Hessen gemeinsam mit den Landeskammern, dem Bündnis Kammern in Hessen und auch im Rahmen der Delegiertenversammlung 2024 wiederholt ein starkes Zeichen für die Demokratie gesetzt und sich deutlich gegen Diskriminierung, Hass und Hetze ausgesprochen.
Eine logische Konsequenz daraus ist der Abschied von der Social-Media-Plattform „X“. Wir haben festgestellt: Deren Entwicklung in Bezug auf politische Ausrichtung und Klima ist nicht mit diesen Werten vereinbar.
Rund um die Arbeit der Kammer, Entwicklungen im Berufsstand, Veranstaltungen und vieles mehr halten wir Sie jetzt via Instagram und Bluesky auf dem Laufenden. Folgen Sie uns!
Hinweis: Hier sehen Sie unser schönes neues Design – das könnte Ihnen jetzt öfter begegnen.
Nachruf
Ehemaliges Vorstandsmitglied Robert Schmidtner verstorben
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Kollegen, Freund und Mentor, der viel zu früh von uns gegangen ist. Robert Schmidtner war ein herausragender Psychotherapeut, dessen Wirken weit über seine unmittelbare berufliche Tätigkeit hinausging. Als niedergelassener Psychotherapeut in einem von ihm gegründeten Psychotherapeutischen Versorgungszentrum hatte er sich über Jahre hinweg einen exzellenten Ruf erarbeitet. Mit großem Einsatz war er für seine Patient*innen da, die er mit Empathie, Fachkompetenz und einem unerschütterlichen Engagement in ihrer persönlichen und emotionalen Entwicklung unterstützte. Er verstand es wie kaum ein anderer, Vertrauen aufzubauen, Zuversicht zu entwickeln und Menschen auf ihrem Weg der Heilung zu begleiten.
Neben seiner Arbeit als Therapeut war er auch berufspolitisch sehr engagiert. Von 2011 an war er Delegierter der Psychotherapeutenkammer Hessen (PTK Hessen) und war hier zunächst vor allem für die Bereiche Finanzen und Sozialrecht zuständig. Von 2016 bis 2021 war er Mitglied des Kammervorstands und übernahm Ressortverantwortung für die Gebiete „Psychotherapeut*innen in Ausbildung und Neuapprobierte“, Sozialrecht, Forensik und Datenschutz. Über seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kammer hinaus war er auch in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen und in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aktiv: als Mitglied der Vertreterversammlung und als Beauftragter des Vorstandes der KV Hessen für Psychotherapie sowie als Mitglied des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie. In der KBV war er Mitglied der Vertreterversammlung und des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie.
All diese Funktionen und Aufgaben spiegeln sein Engagement, seine Expertise in der berufspolitischen Arbeit wider sowie seinen Einsatz für die Belange seiner Kolleg*innen. Durch sein Wirken trug er maßgeblich dazu bei, die berufspolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern und die Rechte der Psychotherapeut*innen zu stärken. Dabei war er nie bloß Mitläufer, sondern jemand, der mutig und mit Weitblick die berufspolitische Landschaft mitgestaltete und sich nicht scheute, seine Meinung mit einer klaren Haltung in den politischen Diskurs einzubringen.
Sein Wissen und seine Erfahrung gab er nicht nur in seiner therapeutischen Praxis weiter, sondern auch als Dozent, Supervisor und Selbsterfahrungsleiter in verschiedenen Ausbildungsinstituten. Über viele Jahre begleitete er Generationen von Auszubildenden, die ihn als fachlich versierten Lehrer und auch als Menschen sehr schätzten. Als Supervisor verstand er es meisterhaft, junge Kolleg*innen zu fördern und ihnen wichtige Impulse für ihre berufliche Entwicklung zu geben. Dabei war er ein geduldiger und einfühlsamer Begleiter, der die Vielfalt menschlicher Erfahrungen mit Respekt und Wertschätzung behandelte. Viele Kolleg*innen, die das Privileg hatten, unter seiner Anleitung zu lernen, verdanken ihm wertvolle Impulse und tiefgreifende Erkenntnisse, die sie in ihrer eigenen psychotherapeutischen Arbeit weitertragen.
Seine fachliche Kompetenz, seine Klugheit, sein Humor und sein Verantwortungsgefühl prägten nicht nur die Menschen, mit denen er direkt zusammenarbeitete, sondern auch das gesamte berufliche Umfeld. Er war ein geschätzter Kollege, auf dessen Rat und Unterstützung man zählen konnte – mit dem man leidenschaftlich streiten und herzhaft lachen konnte. Seine authentische Art und sein Engagement machten ihn zu einer inspirierenden Figur und zu einem wichtigen Mitglied der psychotherapeutischen Gemeinschaft, sowohl in der Ausbildung und Praxis als auch in der Berufspolitik.
Sein Verlust hinterlässt eine große Lücke in unserem Leben und in der beruflichen Welt. Sein viel zu früher Tod lässt uns bestürzt und sehr traurig zurück. Wir werden ihn als Kollegen und Menschen sehr vermissen. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten seiner Familie, die einen wichtigen Menschen verloren hat. Wir wünschen ihnen viel Kraft und Trost, um diesen schmerzlichen Verlust zu tragen.
In stillem Gedenken an einen herausragenden Psychotherapeuten und wertvollen Menschen, der in unserem Herzen weiterlebt.