Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen
2. Sitzung der 6. Kammerversammlung am 23. November 2024
Die 6. Kammerversammlung der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen kam am 23. November 2024 zu ihrer 2. Sitzung in dieser Amtsperiode zusammen. Andreas Pichler, Präsident der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, begrüßte die Kammerversammlungsmitglieder und als Gäste die Sprecherin und die Sprecher der PiA-Vertretung NRW (Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung). An die zum Sitzungstermin verhinderte Vertretung der Psychologie Fachschaften Konferenz (PsyFaKo) entrichtete er Grüße und Dank für ihre Aktivitäten zur Finanzierung der Weiterbildung zur Fachpsychotherapeutin/zum Fachpsychotherapeuten. Dem Team der Geschäftsstelle dankte er für die umfassende Sitzungsvorbereitung.
Andreas Pichler
Bericht des Vorstands
In einem Nachruf würdigte Andreas Pichler den im September 2024 verstorbenen Johannes Broil. Die Kammerversammlungsmitglieder gedachten ihres Kollegen in einer Schweigeminute. Dem mündlichen Vorstandsbericht stellte Andreas Pichler den Aufruf voran, als Profession in gesellschaftlich und politisch unruhigen Zeiten aktiv für Demokratie, gegenseitigen Respekt und Vielfalt einzustehen. Vorstandsmitglied Bettina Meisel informierte über die Verleihung des Diotima-Ehrenpreises 2024 an Peter Lehndorfer und Prof. Dr. Silvia Schneider. Andreas Pichler berichtete, dass dem im August 2024 neu gewählten Vorstandsteam ein guter Arbeitsstart gelungen sei. Oliver Kunz aus dem Vorstand beschrieb die erfolgreiche Mitarbeit der Kammer an der Fortschreibung des Landespsychiatrieplans NRW. Zum Abschluss des mündlichen Berichts ging Vorstandsmitglied Elisabeth Dallüge auf das Engagement des Vorstandes für eine angemessene tarifliche Eingruppierung von angestellten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ein und unterstrich die Bedeutung von gewerkschaftlichem Engagement. In der Aussprache auch zum schriftlich vorgelegten Vorstandsbericht dankten die Kammerversammlungsmitglieder dem Vorstand für seine breit gefächerten Aktivitäten. Es sei erfreulich, dass trotz des großen personellen Wechsels bereits vieles in Angriff genommen werden konnte.
Bettina Meisel
Oliver Kunz
Elisabeth Dallüge
Die Kammerversammlungsmitglieder befassten sich in ihrer Sitzung ausführlich mit der Umsetzung des Qualitätssicherungsverfahrens (QS-Verfahren) in der ambulanten Psychotherapie. Martin Zange, Sprecher der von der Kammer eingesetzten Kommission „QS-Erprobung NRW“, stellte die bisherige Kommissionsarbeit und die weiteren Ziele vor. Vorstandsmitglied Oliver Kunz berichtete, dass der Vorstand mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren in Kontakt stehe und darauf hinwirke, in die relevanten Prozesse und Gremien zum QS-Verfahren eingebunden zu werden. Er betonte zugleich, dass der Berufsstand sich nicht gegen Qualitätssicherung in der Psychotherapie stelle und auch entsprechende Maßnahmen umsetze. Das vom Gesetzgeber geplante Verfahren sei jedoch aus vielerlei Gründen ungeeignet. In der Diskussion vertieften die Kammerversammlungsmitglieder ihre Überlegungen zum Umgang mit diesem Thema.
Die Kammerversammlung beschloss zusätzlich zu zwei bereits aktiven Ausschüssen sechs weitere Ausschüsse für die Amtsperiode 2024 bis 2029 einzurichten und wählte deren Mitglieder und Stellvertretungen (s. hierzu auch www.ptk-nrw.de, Rubrik „Kammer“).
Kammerhaushalt
Andreas Pichler informierte über die Ausgaben und Einnahmen der Kammer im Jahr 2023 und die Entwicklung der Rücklagen. Dem positiven Votum des Finanzausschusses folgend nahm die Kammerversammlung den Jahresabschluss an. In einer weiteren Abstimmung entlastete sie den Vorstand für das Geschäftsjahr 2023. Fortführend stellte der Präsident den Haushaltsplan für das Geschäftsjahr 2025 vor. Auch hier folgte die Kammerversammlung der Empfehlung des Finanzausschusses und nahm den Haushaltplan 2025 an.
In einem weiteren Tagesordnungspunkt beschloss die Kammerversammlung die Novellierung der Weiterbildungsordnung für Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen (WBO PP/KJP). Kammerpräsident Andreas Pichler und Barbara Lubisch, Vorsitzende im Ausschuss „Fort- und Weiterbildung“, erläuterten, dass mit den vorgeschlagenen Änderungen die Entscheidungen des Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) zur Muster-Weiterbildungsordnung für PP und KJP auf Landesebene nachvollzogen werden sollen. Nach intensivem Austausch insbesondere zu der Bedeutung der zeitnah umzusetzenden Anpassungen für die Gesprächspsychotherapie votierten die Kammerversammlungsmitglieder geschlossen für die Novellierung der WBO PP/KJP.
Weitere Tagesordnungspunkte waren Informationen zum Arbeitskonzept des Ausschusses „Fort- und Weiterbildung“, die Wahl eines Delegierten der Kammer zum DPT und die Verabschiedung von Resolutionen. Die Texte der Resolutionen können auf www.ptk-nrw.de im Pressebereich nachgelesen werden.
20. Jahreskongress Wissenschaft Praxis am 9. und 10. November 2024
Der Jahreskongress Wissenschaft Praxis, den der Hochschulverband Psychotherapie NRW und die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen jedes Jahr gemeinsam ausrichten, fand 2024 zum 20. Mal statt. Mehr als 200 Interessierte besuchten den Kongress am 9. und 10. November 2024 in Bochum.
Kongressleiterin Prof. Dr. Silvia Schneider begrüßte die Teilnehmenden und blickte auf die Anfänge und die Entwicklung der Veranstaltung. Man habe im Laufe der Zeit zunehmend mehr Workshops anbieten können und steigende Anmeldezahlen verzeichnet. Auch inhaltlich sei der Kongress kontinuierlich gewachsen. Heute biete er eine große Bandbreite an klassischen und innovativen psychotherapeutischen Themen. Prof. Dr. Silvia Schneider dankte dem Kongressgründer Prof. Dr. Dietmar Schulte, der als Gast die Eröffnungsveranstaltung im Plenum verfolgte, herzlich für seine Initiative.
Andreas Pichler, Präsident der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, sprach in seiner Begrüßung allen Mitwirkenden und Teilnehmenden große Anerkennung dafür aus, einen Kongress in dieser Größe über Jahre hinweg umzusetzen und weiterzuentwickeln. Die Kammer richte die Veranstaltung gern mit aus. Mit dem Schwerpunkt „Psychotherapie 2030 in einer sich wandelnden Welt – Best Practice und innovative Versorgung“ adressiere der Kongress in seinem 20. Jahr zum einen die Entwicklung des Fachs, erklärte Andreas Pichler. Zum anderen berühre das Thema die in der Berufsordnung festgeschriebene Aufgabe, sich als Profession zu Themen der psychischen Gesundheit und der psychotherapeutischen Versorgung gesellschaftspolitisch zu engagieren. Diese Aufgabe fließe zunehmend auch in das Selbstverständnis der Kammer ein, betonte ihr Präsident. Gerade in der aktuellen Zeit, die von multiplen Krisen und Kriegen geprägt werde und in der ein rauer werdender Umgang miteinander zu beobachten sei, sollte die Profession aktiv für das einstehen, was psychische Gesundheit ermöglicht und erhält. Sören Friedrich, wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, rundete die Einleitung mit Dankesworten an alle Beteiligten und Anwesenden ab.
Prof. Dr. Silvia Schneider, Andreas Pichler
Im Anschluss hörten die Kongressbesucher drei Eröffnungsvorträge. Prof. Dr. Johannes C. Ehrenthal, Professor für Klinische Psychologie und empirisch-quantitative Tiefenpsychologie an der Universität zu Köln, befasste sich mit Überlegungen zu dem Thema „Vom Graben zur Brücke: Qualitätssicherung und ambulante Psychotherapie“. Prof. Dr. Isabel Dziobek, Professorin für Klinische Psychologie Sozialer Interaktion an der Humboldt-Universität zu Berlin, referierte zu „Hype oder Hoffnungsträger? Was „Patient and Public Involvement“ (PPI) beitragen kann zur Zukunft der mentalen Gesundheitsforschung“. Prof. Dr. Winfried Rief, Psychologischer Psychotherapeut und Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg, ging der Frage nach: „Psychotherapie als Wissenschaft, Psychotherapie in der Versorgung: Wieviel Austausch wollen wir?“ Gemeinsam mit den Teilnehmenden erörterten die Vortragenden in einer anschließenden Diskussion weitere Aspekte zu den angesprochenen Themen und zu künftigen Anforderungen an die Psychotherapie. Moderiert wurde der Vormittag von PD Dr. André Wannemüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungs- und Behandlungszentrums (FBZ) für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum.
32. Landesgesundheitskonferenz am 12. Dezember 2024
In der Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen (LGK NRW) arbeiten alle maßgeblichen Akteurinnen und Akteure der gesundheitlichen Versorgung in Nordrhein-Westfalen mit. Auch die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen ist beteiligt und wirkt als Mitglied der LGK zudem in ihrem vorbereitenden Ausschuss mit. Den Vorsitz der LGK führt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW). Die LGK erarbeitet jeweils zu einem gesundheitspolitischen Thema konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und hält sie in einer Entschließung fest. Mit der Verabschiedung der Entschließung verpflichten sich alle an der Konferenz Beteiligten, die vorgesehenen Maßnahmen umzusetzen.
Digitalisierung im Fokus
Am 12. Dezember 2024 verabschiedete die 32. LGK im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf unter Beteiligung von Andreas Pichler, Präsident der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, mit großer Geschlossenheit die Entschließung „Digitalisierung im nordrhein-westfälischen Gesundheitssystem sinnvoll und sicher ausbauen“. Die LGK beschloss damit diverse Maßnahmen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen sicher und sinnvoll auszubauen. Zentrale Botschaften der Erklärung 2024 sind: Im Fokus müsse stehen, Prozesse zu vereinfachen, zu beschleunigen und an den Bedarfen auszurichten. Wichtig sei zudem, dass die Systeme mit verschiedenen Techniken und von verschiedenen Organisationen parallel genutzt werden können, um die Vorteile der Digitalisierung ausschöpfen zu können.
Die LGK hatte in ihre Jahrestagung einen Experten geladen, der zur Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen referierte. In einer Diskussionsrunde wurden weitere Aspekte zu dem Vortragsthema und aktuelle Themen der Gesundheitsversorgung in Nordrhein-Westfalen erörtert. Betont wurde dabei die Bedeutung von Datenschutz, Datensicherheit sowie individueller Entscheidungskompetenz über die Verwendung personenbezogener Daten. Zudem wurde festgehalten, dass die digitale Gesundheitskompetenz von Behandelnden und Mitarbeitenden im Gesundheitswesen sowie von Patientinnen und Patienten weiter ausgebaut werden müsse. Entsprechende Inhalte seien daher auch in den relevanten Aus-, Fort- und Weiterbildungen zunehmend zu berücksichtigen.
Bekanntmachung des Hauptwahlleiters der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen
Gemäß § 23 Abs. 3 i. V. m. § 21 Abs. 9 der Wahlordnung für die Wahl zu den Kammerversammlungen der Heilberufskammern in der Fassung der Verordnung vom 20. September 2013 gebe ich bekannt:
Herr Bernhard Moors, Wahlkreis Düsseldorf, Vorschlag „Bündnis KJP“ ist leider am 01.12.2024 verstorben. Somit erlischt sein Mandat in der Kammerversammlung.
Nachgerückt ist Frau Bernadette Bajog, Wahlkreis Düsseldorf, Vorschlag „Bündnis KJP“.
Gemäß § 24 Abs. 1 ff. der Wahlordnung können in Fällen des Verzichtes und des Nachrückens nur die Betroffenen innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe der Feststellung Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen beim Vorstand der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, Willstätterstraße 10, 40549 Düsseldorf.
Gez.
Dr. jur. Peter Abels
Hauptwahlleiter
Nachrufe
Johannes Broil
geboren am 23. Dezember 1948
verstorben am 19. September 2024
Johannes Broil war Gründungsmitglied der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, von 2001 bis 2019 Mitglied der Kammerversammlung und von 2005 bis 2014 im Vorstand aktiv. Er hat in Ausschüssen und Kommissionen der Kammer mitgewirkt und war Delegierter der Kammer für den Deutschen Psychotherapeutentag (DPT).
Johannes Broil war 35 Jahre in einer Jugendhilfeeinrichtung als Psychologischer Psychotherapeut und Bereichsleiter tätig und anschließend in eigener Praxis am Niederrhein psychotherapeutisch tätig. Er hat die Anliegen und die Perspektive von angestellten Kolleginnen und Kollegen gerade in der Jugendhilfe stets in die Kammer eingebracht und vertreten. Dabei galt sein Interesse einer gewinnbringenden Vernetzung der Berufsgruppen angestellter und selbstständiger Berufsangehöriger.
Bernhard Moors
geboren am 2. Juni 1955
verstorben am 1. Dezember 2024
Bernhard Moors war Gründungsmitglied der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, von 2001 bis 2024 Mitglied der Kammerversammlung und von 2009 bis 2024 im Vorstand aktiv. Er hat in Ausschüssen und Kommissionen der Kammer mitgewirkt, war Delegierter der Kammer für den DPT und in Gremien der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) aktiv.
Die Kammer trauert um einen geschätzten und hoch engagierten Kollegen. Wir verlieren einen liebenswürdigen, solidarischen und lebensfrohen Menschen. Bernhard Moors hat sich beharrlich und erfolgreich für die Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Gleichzeitig hat er sich als Vertreter der Interessen von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten auch in den Gremien der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eingebracht. Die Profession hat ihm viel zu verdanken.
Dr. Karl Stricker
geboren am 16. März 1959
verstorben am 12. Januar 2025
Dr. Karl Stricker war Gründungsmitglied der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, von 2001 bis 2019 Mitglied der Kammerversammlung und von 2014 bis 2019 Vorsitzender der Fraktion „Kooperative Liste“. Er hat in Ausschüssen der Kammer mitgearbeitet und war Delegierter der Kammer für den Deutschen Psychotherapeutentag (DPT).
Dr. Karl Stricker hat durch sein diplomatisches Geschick und seine Gelassenheit auch in schwierigen Situationen einen wesentlichen Beitrag für die Zusammenarbeit innerhalb der Kammerversammlung und ihrer Gremien geleistet. Dankbar erinnern wir seine stets hohe Wertschätzung anderen Kolleginnen und Kollegen gegenüber.
Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien und allen Angehörigen.
Andreas Pichler
Präsident der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen
im Namen des Vorstandes und aller Mitarbeitenden