Zwangsstörung bei Erwachsenen: Frei verfügbare Diagnoseinstrumente
Obsessive-compulsive disorder in adults: Openly available diagnostic instruments
verfasst von: Barbara Cludius, Jan C. Cwik, Jakob Fink-Lamotte, Melanie S. Fischer, Franziska Kühne, Celina L. Müller, Tatjana Paunov & Tilo Zotschew
Abstract
Zusammenfassung: Die Zwangsstörung ist weit verbreitet und führt häufig zu erheblichen Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit, bleibt in der klinischen Praxis jedoch lange unerkannt. Ziel dieses Artikels ist es, dazu beizutragen, dass die Zwangsstörung seltener übersehen wird und dass eine adäquate Eingangs- und Verlaufsdiagnostik für dieses Störungsbild durchgeführt wird. Anhand der Schritte einer leitlinienkonformen Diagnostik der Zwangsstörung im Erwachsenenalter wird eine Auswahl an Instrumenten für Screening, Diagnosestellung, Erfassung des Schweregrads, Erhebung weiterer Merkmale, wie Lebenszufriedenheit und familiäre Akkommodation, sowie Verlaufsdiagnostik präsentiert. Alle vorgestellten Instrumente wurden auf Deutsch validiert und stehen kostenfrei zur Verfügung (Open Access).
Summary: Obsessive-compulsive disorder is widespread and often leads to considerable functional impairments, but frequently goes unrecognized in clinical practice. The aim of this article is to help ensure that obsessive-compulsive disorder is overlooked less frequently and that adequate initial and outcome diagnostics are carried out for this disorder. Based on the steps of a guideline-compliant assessment of obsessive-compulsive disorder in adulthood, a selection of instruments for screening, diagnostic assessment, assessment of severity, assessment of other characteristics (such as life satisfaction and family accommodation), as well as outcome diagnosis is presented. All instruments presented have been validated in German and are available free of charge (open access).
Einleitung
Die Zwangsstörung ist eine weitverbreitete psychische Störung, von der 2 bis 3 % der Menschen im Laufe ihres Lebens betroffen sind (Kessler et al., 2007) und die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der täglichen Funktionsfähigkeit und der Lebenszufriedenheit führt (Pozza et al., 2018). Trotz dieser starken Einschränkungen dauert es im Schnitt ungefähr zwölf Jahre vom Auftreten der ersten Symptome einer Zwangsstörung, bis die Diagnose gestellt wird (Ziegler et al., 2021). Das liegt unter anderem daran, dass die Patient*innen häufig fehldiagnostiziert werden. Eine Studie zeigte, dass selbst in psychiatrischen Praxen 70 % der Patient*innen mit einer Zwangsstörung nicht diese Diagnose erhielten (Wahl et al., 2010).
Mit diesem Artikel wollen wir dazu beitragen, dass die Zwangsstörung seltener übersehen wird und dass eine adäquate Eingangs- und Verlaufsdiagnostik für dieses Störungsbild durchgeführt wird. Dafür skizzieren wir im Folgenden den Verlauf einer leitlinienkonforme Diagnostik bei Erwachsenen (DGPPN, 2024) und stellen eine Auswahl passender Instrumente für die verschiedenen Schritte des Diagnostikprozesses vor. Alle Instrumente wurden in ihrer deutschen Version validiert und sind frei zum Download verfügbar (Open Access), sodass sie kostenlos in der klinischen Praxis und Forschung genutzt werden können.
Der Artikel gliedert sich anhand der leitlinienkonformen Diagnostik, welche folgende Schritte beinhaltet (DGPPN, 2024; Fink-Lamotte, 2024):
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Durchführung eines Screening-Verfahrens,
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Durchführung eines strukturierten Interviews zur Diagnosebestätigung und Ausschluss körperlicher Ursachen,
-
Bestimmung des Schweregrads anhand von Fremd- und Selbstbeurteilung,
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Erhebung weiterer Merkmale der Zwangsstörung sowie der Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und das soziale Umfeld,
-
Einführung einer regelmäßigen Verlaufsdiagnostik.
1. Durchführung eines Screening-Verfahrens
Bei einzelnen Personen mit einer Zwangsstörung fällt die Symptomatik bereits bei einem ersten Gespräch auf. Zum Beispiel könnte eine Patientin mit einem Waschzwang sich so auf den Sessel setzen, dass sie möglichst wenig davon berührt, nur ihren eigenen Stift für Formulare benutzt oder sich während des Gesprächs ihre Hände desinfiziert. Verhaltensbeobachtungen sind deshalb eine wichtige Ergänzung zu verbalen Selbstberichten (Fink-Lamotte, 2024).
Der Großteil der Patient*innen zeigt Zwangssymptome jedoch häufig nicht offen, etwa weil diese im Therapiekontext nicht auftreten (z. B. das Kontrollieren der eigenen Wohnungstür) oder weil sie die oft schambesetzte Symptomatik verleugnen oder verharmlosen (Stengler-Wenzke & Angermeyer, 2005). Das bedeutet, dass Patient*innen oft nicht spontan von ihren Zwangssymptomen berichten, sondern zunächst andere Beschwerden präsentieren.
Deswegen empfiehlt sich die routinemäßige Durchführung eines Screenings. Dafür bieten sich mehrere zeitökonomische Instrumente an. Die Zohar-Fineberg Obsessive-Compulsive Screen (ZF-OCS; Kühne, Paunov & Weck, 2021; s. Tab. 1) kann im Interview oder als Fragebogen durchgeführt werden. Das Obsessive-Compulsive Inteventory-4 (OCI-4; Müller et al., in prep.; s. Tab. 2) bietet neben einem Screening (mit Grenzwerten) auch eine erste Einschätzung des Schweregrads. Die Dimensional Obsessive-Compulsive Scale – Short Form (DOCS-SF; Kühne, Paunov, Abramowitz et al., 2021; s. Tab. 3) liefert eine schnelle Einschätzung der Ausprägung der Zwangssymptomatik.
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Name des Instruments: |
Zohar-Fineberg Obsessive-Compulsive Screen |
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Art des Instruments: |
Screeningverfahren zur Erfassung von Zwangssymptomen, durchführbar als Interview oder als Fragebogen zur Selbstauskunft. |
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Verfügbar unter: |
https://register.awmf.org/assets/guidelines/038_017l_S3_Zwangsst%C3%B6rungen_2022-07.pdf (S. 30 f.). |
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Einsatzbereich: |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen, sowohl im psychotherapeutischen Setting als auch in der Primärversorgung (bspw. Allgemeinmedizin). |
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Was kann ich damit erheben? |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen, sowohl im psychotherapeutischen Setting als auch in der Primärversorgung (bspw. Allgemeinmedizin). |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an gesunder, vorwiegend studentischer (85 %) Stichprobe (N = 304). Der Cut-off liegt bei 1 von 5 positiv beantworteten Items, zusätzliches Item zur wahrgenommenen Beeinträchtigung durch die Symptomatik. Niedrige interne Konsistenz (α = .53–.72; ω = .55–.69), hohe Retest-Reliabilität (r = .89, N = 51) über einen Zeitraum von zwei Wochen. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten für Zwangsstörung (r > .61; konvergente Validität), signifikant geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (r = .39), Krankheitsangst (r = .29) und gesundheitsbezogenes Wohlbefinden (r = –.28, divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher an gesunder, studentischer Stichprobe validiert. Mittlere Korrelation (r = .52). Daten zu Spezifität und Sensitivität fehlen für das deutschsprachige Instrument. In der englischsprachigen Originalversion: Sensitivität 94 % und Spezifität 85 % (Fineberg & Roberts, 2001), vermutlich geringe Spezifität für deutschsprachige Version (DGPPN, 2024). |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 1: Zohar-Fineberg Obsessive-Compulsive Screen
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Name des Instruments: |
Zohar-Fineberg Obsessive-Compulsive Screen |
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Art des Instruments: |
Screeningverfahren zur Erfassung von Zwangssymptomen, durchführbar als Interview oder als Fragebogen zur Selbstauskunft. |
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Verfügbar unter: |
https://register.awmf.org/assets/guidelines/038_017l_S3_Zwangsst%C3%B6rungen_2022-07.pdf (S. 30 f.). |
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Einsatzbereich: |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen, sowohl im psychotherapeutischen Setting als auch in der Primärversorgung (bspw. Allgemeinmedizin). |
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Was kann ich damit erheben? |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen, sowohl im psychotherapeutischen Setting als auch in der Primärversorgung (bspw. Allgemeinmedizin). |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an gesunder, vorwiegend studentischer (85 %) Stichprobe (N = 304). Der Cut-off liegt bei 1 von 5 positiv beantworteten Items, zusätzliches Item zur wahrgenommenen Beeinträchtigung durch die Symptomatik. Niedrige interne Konsistenz (α = .53–.72; ω = .55–.69), hohe Retest-Reliabilität (r = .89, N = 51) über einen Zeitraum von zwei Wochen. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten für Zwangsstörung (r > .61; konvergente Validität), signifikant geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (r = .39), Krankheitsangst (r = .29) und gesundheitsbezogenes Wohlbefinden (r = –.28, divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher an gesunder, studentischer Stichprobe validiert. Mittlere Korrelation (r = .52). Daten zu Spezifität und Sensitivität fehlen für das deutschsprachige Instrument. In der englischsprachigen Originalversion: Sensitivität 94 % und Spezifität 85 % (Fineberg & Roberts, 2001), vermutlich geringe Spezifität für deutschsprachige Version (DGPPN, 2024). |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 1: Zohar-Fineberg Obsessive-Compulsive Screen
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Name des Instruments: |
4-Item Zwangsinventar / 4-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-4) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
www.psychologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06020100/2024/OCI-4_German_Version_pre_publication.pdf. |
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Einsatzbereich: |
Das OCI-4 kann zum Screening ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden, um eine informierte Entscheidung zur Berücksichtigung weiterer Diagnoseinstrumente zur Abklärung einer möglichen Zwangsstörung zu treffen. Zudem kann das OCI-4 zu Forschungszwecken verwendet werden, um beispielsweise Personen mit relativ hohen versus relativ niedrigen Zwangssymptomen vor Einschluss der Studie zu identifizieren. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit dem OCI-4 lässt sich der Schweregrad von Zwangssymptomen in vier Symptombereichen erheben:
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Psychometrische Kennwerte: |
Test-Retest-Reliabilität: mittel bis gut (r = .59, ICC = .74) Konstruktvalidität: gut Hohe Korrelationen mit einem Fragebogen für Zwangsstörung (DOCS: r = .67), allerdings nur mittlere Korrelation mit einem Interview für Zwangsstörung (Y-BOCS, r = .41; konvergente Validität), geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (PHQ-9: r = .44), Angstsensitivität (ASI-3: r = .49) und pathologisches Grübeln (PSWQ: r = .49; divergente Validität). Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Bislang wurde der deutsche OCI-4 nicht als alleinstehendes Instrument validiert. Die vier Items wurden aus der längeren 12-Item-Version (OCI-12) extrahiert und hinsichtlich der psychometrischen Eigenschaften untersucht. Eine Untersuchung des OCI-4 als alleinstehendes Screening-Instrument steht somit noch aus. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 2: 4-Item Zwangsinventar / 4-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-4)
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Name des Instruments: |
4-Item Zwangsinventar / 4-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-4) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
www.psychologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06020100/2024/OCI-4_German_Version_pre_publication.pdf. |
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Einsatzbereich: |
Das OCI-4 kann zum Screening ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden, um eine informierte Entscheidung zur Berücksichtigung weiterer Diagnoseinstrumente zur Abklärung einer möglichen Zwangsstörung zu treffen. Zudem kann das OCI-4 zu Forschungszwecken verwendet werden, um beispielsweise Personen mit relativ hohen versus relativ niedrigen Zwangssymptomen vor Einschluss der Studie zu identifizieren. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit dem OCI-4 lässt sich der Schweregrad von Zwangssymptomen in vier Symptombereichen erheben:
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Psychometrische Kennwerte: |
Test-Retest-Reliabilität: mittel bis gut (r = .59, ICC = .74) Konstruktvalidität: gut Hohe Korrelationen mit einem Fragebogen für Zwangsstörung (DOCS: r = .67), allerdings nur mittlere Korrelation mit einem Interview für Zwangsstörung (Y-BOCS, r = .41; konvergente Validität), geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (PHQ-9: r = .44), Angstsensitivität (ASI-3: r = .49) und pathologisches Grübeln (PSWQ: r = .49; divergente Validität). Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Bislang wurde der deutsche OCI-4 nicht als alleinstehendes Instrument validiert. Die vier Items wurden aus der längeren 12-Item-Version (OCI-12) extrahiert und hinsichtlich der psychometrischen Eigenschaften untersucht. Eine Untersuchung des OCI-4 als alleinstehendes Screening-Instrument steht somit noch aus. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 2: 4-Item Zwangsinventar / 4-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-4)
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Name des Instruments: |
Dimensional Obsessive-Compulsive Scale – Short Form (DOCS-SF) |
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Art des Instruments: |
Selbstauskunft zum Screening von Zwangssymptomen; Kurzversion der Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (Fink-Lamotte et al., 2021). |
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Verfügbar unter: |
www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/clinical-psychology-psychotherapy/Verfahren/DOCS.pdf. |
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Einsatzbereich: |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen; bei vorliegender Zwangsstörung Einsatz zur Messung im Behandlungsverlauf. |
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Was kann ich damit erheben? |
Der DOCS-SF ist ein Kurzfragebogen, der das Vorhandensein von Zwangssymptomen auf vier Dimensionen (Kontamination, Unglück, Inakzeptable Gedanken, Ordnung) erfragt, und anschließend die Ausprägung für den aktuell belastendsten Bereich (bspw. bezüglich Zeitaufwand, Vermeidung) erfasst. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an gesunder, vorwiegend studentischer (85 %) Stichprobe (N = 304). Eindimensionale Faktorstruktur, hohe interne Konsistenz (α = .89). Hohe Retest-Reliabilität (r = .75, N = 51) über einen Zeitraum von zwei Wochen. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten für Zwangsstörung (r > .62; konvergente Validität), signifikant geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depressionen (r = .45), Krankheitsangst (r = .33) und gesundheitsbezogenes Wohlbefinden (r = –.34; divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher an gesunder, studentischer Stichprobe validiert. Daten zu Spezifität und Sensitivität fehlen für das deutschsprachige Instrument. In der norwegischen Originalversion: Sensitivität 96 %, Spezifität 94 % (Eilertsen et al., 2017). |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 3: Dimensional Obsessive-Compulsive Scale – Short Form (DOCS-SF)
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Name des Instruments: |
Dimensional Obsessive-Compulsive Scale – Short Form (DOCS-SF) |
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Art des Instruments: |
Selbstauskunft zum Screening von Zwangssymptomen; Kurzversion der Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (Fink-Lamotte et al., 2021). |
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Verfügbar unter: |
www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/clinical-psychology-psychotherapy/Verfahren/DOCS.pdf. |
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Einsatzbereich: |
(Früh-)Erkennung von gesunden oder potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen; bei vorliegender Zwangsstörung Einsatz zur Messung im Behandlungsverlauf. |
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Was kann ich damit erheben? |
Der DOCS-SF ist ein Kurzfragebogen, der das Vorhandensein von Zwangssymptomen auf vier Dimensionen (Kontamination, Unglück, Inakzeptable Gedanken, Ordnung) erfragt, und anschließend die Ausprägung für den aktuell belastendsten Bereich (bspw. bezüglich Zeitaufwand, Vermeidung) erfasst. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an gesunder, vorwiegend studentischer (85 %) Stichprobe (N = 304). Eindimensionale Faktorstruktur, hohe interne Konsistenz (α = .89). Hohe Retest-Reliabilität (r = .75, N = 51) über einen Zeitraum von zwei Wochen. Hohe Korrelationen mit anderen Instrumenten für Zwangsstörung (r > .62; konvergente Validität), signifikant geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depressionen (r = .45), Krankheitsangst (r = .33) und gesundheitsbezogenes Wohlbefinden (r = –.34; divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher an gesunder, studentischer Stichprobe validiert. Daten zu Spezifität und Sensitivität fehlen für das deutschsprachige Instrument. In der norwegischen Originalversion: Sensitivität 96 %, Spezifität 94 % (Eilertsen et al., 2017). |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 3: Dimensional Obsessive-Compulsive Scale – Short Form (DOCS-SF)
2. Durchführung eines strukturierten Interviews zur Diagnosebestätigung und zum Ausschluss körperlicher Ursachen
Insbesondere wenn das Screening positiv ausfällt, sollte eine klassifikatorische Diagnostik erfolgen, idealerweise mithilfe strukturierter Interviewverfahren. Diese basieren auf den Kriterien des DSM-5 (American Psychiatric Association, 2013), der ICD-10 (WHO, 2010) und, da es in Bezug auf die Diagnosekriterien der Zwangsstörung keine Änderungen in der Überarbeitung gegeben hat, auch der ICD-11 (WHO, 2021). Der Einsatz solcher Verfahren erhöht die Reliabilität und Validität der Diagnosestellung und berücksichtigt auch Komorbiditäten und differenzialdiagnostische Aspekte. Kliniker*innen sollten das Testverfahren gut kennen und ausreichend Zeit für die Durchführung einplanen.
Als diagnostische Interviews bieten sich in der Open-Access-Variante die zwei folgenden Instrumente an. Das Diagnostische Interview bei psychischen Störungen Open Access (DIPS-OA; Margraf et al., 2017; s. Tab. 4) ermöglicht neben der Diagnosestellung eine strukturierte Erfassung relevanter Informationen für die Planung und Durchführung psychotherapeutischer Maßnahmen. Der Leitfaden unterstützt systematisch das diagnostische Gespräch und erlaubt eine umfassende Dokumentation, einschließlich Anamnese und sozialer Beurteilung. Ein Protokollbogen erleichtert die Erfassung der Symptome und deren Zuordnung zu DSM-5-Kriterien und anschließende Übertragung auf ICD-10/11-Kriterien.
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Name des Instruments: |
Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen Open Access (DIPS-OA) |
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Art des Instruments: |
Strukturiertes diagnostisches Interview; ermöglicht strukturiertes Vorgehen und berücksichtigt gleichzeitig klinisches Hintergrundwissen durch ergänzende Fragen (als Abgrenzung zum standardisierten diagnostischen Interview). |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Erkennung von Zwangsstörung; Differenzierung zwischen gesunden und potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mithilfe des DIPS-OA kann die Diagnose der Zwangsstörung, mit vorwiegend Zwangsgedanken, vorwiegend Zwangshandlungen und der gemischte Typus nach DSM-5 gestellt werden und auch in die Diagnose nach ICD-10 sowie ICD-11 übertragen werden. Das DIPS-OA ermöglicht eine differenzierte und umfassende Erhebung von Symptomen und bedeutsamen Kognitionen und bietet hierzu eine dimensionale Schweregradbeurteilung an. Die Diagnose kann sowohl als aktuelle als auch anamnestische Diagnose gestellt werden. Darüber hinaus ist das Interview dazu geeignet, auch weitere, insbesondere für den ambulanten Kontext, häufig auftretende Diagnosen zu überprüfen. Damit können somit auch komorbide Störungen diagnostiziert werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an einer Gelegenheitsstichprobe aus der Allgemeinbevölkerung (N = 144) durchgeführt. N = 140 Versuchspersonen füllten neben dem Interview eine Fragenbatterie aus (n = 138 vollständig). Die Auswertung der Daten zeigte spezifisch für die Zwangsstörung hohe Reliabilitätswerte (Übereinstimmung (Cohen’s Kappa = 1; Yules Y = .98)). Auch die Auswertungen zur Validität des Interviews weisen auf eine sehr gute Validität hin. Darüber hinaus wurde Befragung der Teilnehmer*innen zur Zufriedenheit mit dem Interview durchgeführt, die auf eine hohe Zufriedenheit mit dem Interview hinweise (84 % völlig oder ziemlich zufrieden). |
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Einschränkungen: |
Bislang keine spezifische Auswertung zur Validität der Zwangssektion. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es ist empfehlenswert, sich vorab mit der Interviewdurchführung und den Sprungregeln vertraut zu machen. |
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Referenz: |
Kröber et al., 2023; Margraf, Cwik, Pflug, et al., 2017; Margraf, Cwik, Suppiger, et al., 2017; Margraf et al., 2021. |
Tabelle 4: Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen Open Access (DIPS-OA)
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Name des Instruments: |
Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen Open Access (DIPS-OA) |
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Art des Instruments: |
Strukturiertes diagnostisches Interview; ermöglicht strukturiertes Vorgehen und berücksichtigt gleichzeitig klinisches Hintergrundwissen durch ergänzende Fragen (als Abgrenzung zum standardisierten diagnostischen Interview). |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Erkennung von Zwangsstörung; Differenzierung zwischen gesunden und potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mithilfe des DIPS-OA kann die Diagnose der Zwangsstörung, mit vorwiegend Zwangsgedanken, vorwiegend Zwangshandlungen und der gemischte Typus nach DSM-5 gestellt werden und auch in die Diagnose nach ICD-10 sowie ICD-11 übertragen werden. Das DIPS-OA ermöglicht eine differenzierte und umfassende Erhebung von Symptomen und bedeutsamen Kognitionen und bietet hierzu eine dimensionale Schweregradbeurteilung an. Die Diagnose kann sowohl als aktuelle als auch anamnestische Diagnose gestellt werden. Darüber hinaus ist das Interview dazu geeignet, auch weitere, insbesondere für den ambulanten Kontext, häufig auftretende Diagnosen zu überprüfen. Damit können somit auch komorbide Störungen diagnostiziert werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an einer Gelegenheitsstichprobe aus der Allgemeinbevölkerung (N = 144) durchgeführt. N = 140 Versuchspersonen füllten neben dem Interview eine Fragenbatterie aus (n = 138 vollständig). Die Auswertung der Daten zeigte spezifisch für die Zwangsstörung hohe Reliabilitätswerte (Übereinstimmung (Cohen’s Kappa = 1; Yules Y = .98)). Auch die Auswertungen zur Validität des Interviews weisen auf eine sehr gute Validität hin. Darüber hinaus wurde Befragung der Teilnehmer*innen zur Zufriedenheit mit dem Interview durchgeführt, die auf eine hohe Zufriedenheit mit dem Interview hinweise (84 % völlig oder ziemlich zufrieden). |
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Einschränkungen: |
Bislang keine spezifische Auswertung zur Validität der Zwangssektion. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es ist empfehlenswert, sich vorab mit der Interviewdurchführung und den Sprungregeln vertraut zu machen. |
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Referenz: |
Kröber et al., 2023; Margraf, Cwik, Pflug, et al., 2017; Margraf, Cwik, Suppiger, et al., 2017; Margraf et al., 2021. |
Tabelle 4: Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen Open Access (DIPS-OA)
Das Diagnostische Kurzinterview bei psychischen Störungen Open Access (Mini-DIPS-OA; Margraf & Cwik, 2017; s. Tab. 5) ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Diagnostik psychischer Störungen nach DSM-5 und ICD-10/11. Daher eignet es sich ideal zur zeitökonomischen Erhebung diagnostischer Daten, etwa für Psychotherapieanträge oder Forschungszwecke.
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Name des Instruments: |
Diagnostisches Kurzinterview bei Psychischen Störungen Open Access (Mini-DIPS-OA) |
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Art des Instruments: |
Strukturiertes diagnostisches Interview; Kurzversion des Diagnostischen Interviews für Psychische Störungen – Open Access. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Erkennung von Zwangsstörung; Differenzierung zwischen gesunden und potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen; eher als sensitives Screening-Interview zu betrachten; bei Verdacht auf vorliegende Zwangsstörung sollte zusätzlich auf ein Instrument mit höherer Spezifität zurückgegriffen werden (z. B. Zwangssektion im DIPS-OA). |
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Was kann ich damit erheben? |
Die Diagnose der Zwangsstörung, mit vorwiegend Zwangsgedanken, vorwiegend Zwangshandlungen, und den gemischten Typus nach DSM-5 und ICD-10 sowie ICD-11. Die Diagnose kann sowohl als aktuelle als auch anamnestische Diagnose gestellt werden. Darüber hinaus ist das Interview dazu geeignet, auch weitere, insbesondere für den ambulanten Kontext, häufig auftretende Diagnosen zu überprüfen. Damit können somit auch komorbide Störungen diagnostiziert werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an klinischer Stichprobe (N = 100). Hohe Interrater-Reliabilität (Cohen’s Kappa = .94) für die Oberkategorie Angststörungen, zu der die Zwangsstörung zur Zeit der Überprüfung gezählt wurde. Außerdem konnte eine hohe Übereinstimmung (Cohen’s Kappa = .84) zum DIPS für die Oberkategorie der Angststörungen gefunden werden. |
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Einschränkungen: |
Bisher liegt noch keine Auswertung des Mini-DIPS-OA vor. Die bisherigen Daten basieren auf der Vorgängerversion (Margraf, 1994). Da allerdings an den Fragen der Zwangsstörung keine inhaltlichen Überarbeitungen vorgenommen wurden, können hier weiterhin die Daten der Vorgängerversion herangezogen werden. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es ist empfehlenswert, sich vorab mit der Interviewdurchführung und den Sprungregeln vertraut zu machen. |
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Referenz: |
Cwik et al., Manuscript in preparation.; Margraf, 1994; Margraf, Cwik, Pflug et al., 2017. |
Tabelle 5: Diagnostisches Kurzinterview bei Psychischen Störungen Open Access (Mini-DIPS-OA)
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Name des Instruments: |
Diagnostisches Kurzinterview bei Psychischen Störungen Open Access (Mini-DIPS-OA) |
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Art des Instruments: |
Strukturiertes diagnostisches Interview; Kurzversion des Diagnostischen Interviews für Psychische Störungen – Open Access. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Erkennung von Zwangsstörung; Differenzierung zwischen gesunden und potenziell durch eine Zwangsstörung belasteten Personen; eher als sensitives Screening-Interview zu betrachten; bei Verdacht auf vorliegende Zwangsstörung sollte zusätzlich auf ein Instrument mit höherer Spezifität zurückgegriffen werden (z. B. Zwangssektion im DIPS-OA). |
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Was kann ich damit erheben? |
Die Diagnose der Zwangsstörung, mit vorwiegend Zwangsgedanken, vorwiegend Zwangshandlungen, und den gemischten Typus nach DSM-5 und ICD-10 sowie ICD-11. Die Diagnose kann sowohl als aktuelle als auch anamnestische Diagnose gestellt werden. Darüber hinaus ist das Interview dazu geeignet, auch weitere, insbesondere für den ambulanten Kontext, häufig auftretende Diagnosen zu überprüfen. Damit können somit auch komorbide Störungen diagnostiziert werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Erhebung an klinischer Stichprobe (N = 100). Hohe Interrater-Reliabilität (Cohen’s Kappa = .94) für die Oberkategorie Angststörungen, zu der die Zwangsstörung zur Zeit der Überprüfung gezählt wurde. Außerdem konnte eine hohe Übereinstimmung (Cohen’s Kappa = .84) zum DIPS für die Oberkategorie der Angststörungen gefunden werden. |
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Einschränkungen: |
Bisher liegt noch keine Auswertung des Mini-DIPS-OA vor. Die bisherigen Daten basieren auf der Vorgängerversion (Margraf, 1994). Da allerdings an den Fragen der Zwangsstörung keine inhaltlichen Überarbeitungen vorgenommen wurden, können hier weiterhin die Daten der Vorgängerversion herangezogen werden. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es ist empfehlenswert, sich vorab mit der Interviewdurchführung und den Sprungregeln vertraut zu machen. |
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Referenz: |
Cwik et al., Manuscript in preparation.; Margraf, 1994; Margraf, Cwik, Pflug et al., 2017. |
Tabelle 5: Diagnostisches Kurzinterview bei Psychischen Störungen Open Access (Mini-DIPS-OA)
Da neurologische und andere somatische Erkrankungen ebenfalls Zwangssymptome auslösen können, sollte im Rahmen der klassifikatorischen Diagnostik stets ein somatisch-medizinisches Konsil eingeholt werden.
3. Bestimmung des Schweregrads anhand von Fremd- und Selbstbeurteilung
Die Erfassung des Schweregrads der Zwangssymptomatik ermöglicht es, differenziert zu erfassen, welche Symptombereiche besonders ausgeprägt sind. Zusätzlich ist es eine wichtige Grundlage für eine Verlaufsevaluation.
Als Goldstandard zur Beurteilung des Schweregrads der Zwangsstörung gilt weiterhin die Fremdbeurteilungsversion der Yale Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS, Hand & Büttner-Westphal, 1991). Die Umsetzung ist relativ zeitintensiv und die diagnostische Genauigkeit vom Trainingstand des*der Interviewer*in abhängig. Die Y-BOCS liegt leider nicht in einer frei verfügbaren (Open Access) Version vor. Unseres Wissens gibt es keine frei verfügbare Alternative.
Im Bereich der Selbstbeurteilungsfragebögen bieten sich für die Beurteilung des Schweregrads der Zwangssymptome insbesondere die Dimensionale Zwangsstörungsskala (Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (DOCS; (Fink-Lamotte et al., 2021; s. Tab. 6) und das 12-Item Zwangsinventar/12-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-12; Müller et al., submitted for publication; s. Tab. 7) an, die etwas unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
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Name des Instruments: |
Dimensionale Zwangsstörungsskala (Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (DOCS) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen, Selbstbericht. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Die DOCS kann zur Erhebung des Schweregrads der Zwangssymptome in ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden. Die Skala kann auch zur Erhebung des Symptomverlaufs genutzt werden. Die DOCS kann außerdem zu Forschungszwecken verwendet werden, beispielsweise durch Verwendung eines Cut-offs als Ein- bzw. Ausschlusskriterium oder zur Erhebung der Symptome über den Verlauf einer Studie. Die DOCS eignet sich zur Erhebung von Zwangssymptomen in diversen Stichproben, wie Personen mit Zwangsstörung, Personen mit angstbezogenen Störungen sowie psychisch gesunden Personen. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit der DOCS kann der Schweregrad der Zwangssymptomatik in den vier häufigsten Symptomclustern (Kontamination, Verantwortung, Symmetrie und Ordnung, Inakzeptable Gedanken) mit je fünf Items erhoben werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Faktorenstruktur: vier Faktoren (Kontamination, Verantwortung, Symmetrie und Ordnung, Inakzeptable Gedanken) χ2(164, n = 112) = 279.77; p < .001; χ2 = 1.89; RMSEA = 0.08; CFI = 0.91; TLI = 0.89). Interne Konsistenz: gut (α = .90–.94) Test-Retest Reliabilität: gut (r = .80) Konstruktvalidität: gut
Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Die DOCS stellt keinen Ersatz für eine strukturierte Diagnose der Zwangsstörung dar. Bei erhöhten Werten sollten weitere Fragebögen bzw. Interviews in Betracht gezogen werden, um eine gesicherte Diagnose der Zwangsstörung zu stellen. Daneben ist die Änderungssensitivität noch nicht beurteilt. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es kann sein, dass Menschen, die in einer Domäne schwer beeinträchtigt sind, geringere Gesamtwerte in der DOCS erreichen als Menschen, die in mehreren Domänen leichtere Beeinträchtigungen aufweisen. Es wird empfohlen, die Werte der Subkategorien bei der Schweregradbeurteilung immer zu beachten. |
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Referenz: |
Tabelle 6: Dimensionale Zwangsstörungsskala (Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (DOCS)
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Name des Instruments: |
Dimensionale Zwangsstörungsskala (Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (DOCS) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen, Selbstbericht. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Die DOCS kann zur Erhebung des Schweregrads der Zwangssymptome in ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden. Die Skala kann auch zur Erhebung des Symptomverlaufs genutzt werden. Die DOCS kann außerdem zu Forschungszwecken verwendet werden, beispielsweise durch Verwendung eines Cut-offs als Ein- bzw. Ausschlusskriterium oder zur Erhebung der Symptome über den Verlauf einer Studie. Die DOCS eignet sich zur Erhebung von Zwangssymptomen in diversen Stichproben, wie Personen mit Zwangsstörung, Personen mit angstbezogenen Störungen sowie psychisch gesunden Personen. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit der DOCS kann der Schweregrad der Zwangssymptomatik in den vier häufigsten Symptomclustern (Kontamination, Verantwortung, Symmetrie und Ordnung, Inakzeptable Gedanken) mit je fünf Items erhoben werden. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Faktorenstruktur: vier Faktoren (Kontamination, Verantwortung, Symmetrie und Ordnung, Inakzeptable Gedanken) χ2(164, n = 112) = 279.77; p < .001; χ2 = 1.89; RMSEA = 0.08; CFI = 0.91; TLI = 0.89). Interne Konsistenz: gut (α = .90–.94) Test-Retest Reliabilität: gut (r = .80) Konstruktvalidität: gut
Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Die DOCS stellt keinen Ersatz für eine strukturierte Diagnose der Zwangsstörung dar. Bei erhöhten Werten sollten weitere Fragebögen bzw. Interviews in Betracht gezogen werden, um eine gesicherte Diagnose der Zwangsstörung zu stellen. Daneben ist die Änderungssensitivität noch nicht beurteilt. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Es kann sein, dass Menschen, die in einer Domäne schwer beeinträchtigt sind, geringere Gesamtwerte in der DOCS erreichen als Menschen, die in mehreren Domänen leichtere Beeinträchtigungen aufweisen. Es wird empfohlen, die Werte der Subkategorien bei der Schweregradbeurteilung immer zu beachten. |
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Referenz: |
Tabelle 6: Dimensionale Zwangsstörungsskala (Dimensional Obsessive-Compulsive Scale (DOCS)
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Name des Instruments: |
12-Item Zwangsinventar / 12-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-12) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
www.psychologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06020100/2024/OCI-12_German_Version_pre_publication.pdf. |
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Einsatzbereich: |
Das OCI-12 kann zur Erhebung des Schweregrads der Zwangssymptome in ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden. Dieses Inventar kann auch zur Erhebung des Symptomverlaufs genutzt werden. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit dem OCI-12 lässt sich der Schweregrad von Zwangssymptomen in vier Symptombereichen erheben:
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Psychometrische Kennwerte: |
Faktorenstruktur: vier Faktoren (Kontrollieren, Waschen, Ordnen, Zwangsgedanken) mit einem übergeordneten Faktor genereller Zwangssymptome (χ2(50, N = 102) = 71.181, p = .026; RMSEA = 0.076; SRMR = 0.058; CFI = 0.963; TLI = 0.951) Interne Konsistenz: gut (α = .82, ω = .74) Test-Retest-Reliabilität: gut (r = .67, ICC = .80) Konstruktvalidität: gut Hohe Korrelationen mit einem Fragebogen für Zwangsstörung (DOCS: r = .74) allerdings nur mittlere Korrelation mit einem Interview für Zwangsstörung (Y-BOCS, r = .45; konvergente Validität), geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (PHQ-9: r = .48), Angstsensitivität (ASI-3: r = .47) und pathologisches Grübeln (PSWQ: r = .48; divergente Validität). Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Das OCI-12 stellt keinen Ersatz für eine strukturierte Diagnose der Zwangsstörung dar. Bei erhöhten Werten sollten weitere Fragebögen bzw. Interviews in Betracht gezogen werden, um eine gesicherte Diagnose der Zwangsstörung zu stellen. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 7: 12-Item Zwangsinventar / 12-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-12)
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Name des Instruments: |
12-Item Zwangsinventar / 12-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-12) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
www.psychologie.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06020100/2024/OCI-12_German_Version_pre_publication.pdf. |
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Einsatzbereich: |
Das OCI-12 kann zur Erhebung des Schweregrads der Zwangssymptome in ärztlichen und psychotherapeutischen Settings eingesetzt werden. Dieses Inventar kann auch zur Erhebung des Symptomverlaufs genutzt werden. |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit dem OCI-12 lässt sich der Schweregrad von Zwangssymptomen in vier Symptombereichen erheben:
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Psychometrische Kennwerte: |
Faktorenstruktur: vier Faktoren (Kontrollieren, Waschen, Ordnen, Zwangsgedanken) mit einem übergeordneten Faktor genereller Zwangssymptome (χ2(50, N = 102) = 71.181, p = .026; RMSEA = 0.076; SRMR = 0.058; CFI = 0.963; TLI = 0.951) Interne Konsistenz: gut (α = .82, ω = .74) Test-Retest-Reliabilität: gut (r = .67, ICC = .80) Konstruktvalidität: gut Hohe Korrelationen mit einem Fragebogen für Zwangsstörung (DOCS: r = .74) allerdings nur mittlere Korrelation mit einem Interview für Zwangsstörung (Y-BOCS, r = .45; konvergente Validität), geringere Korrelationen mit Instrumenten für Depression (PHQ-9: r = .48), Angstsensitivität (ASI-3: r = .47) und pathologisches Grübeln (PSWQ: r = .48; divergente Validität). Diagnostische Genauigkeit:
Cut-offs:
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Einschränkungen: |
Das OCI-12 stellt keinen Ersatz für eine strukturierte Diagnose der Zwangsstörung dar. Bei erhöhten Werten sollten weitere Fragebögen bzw. Interviews in Betracht gezogen werden, um eine gesicherte Diagnose der Zwangsstörung zu stellen. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 7: 12-Item Zwangsinventar / 12-Item Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-12)
4. Erhebung weiterer Merkmale der Zwangsstörung sowie der Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und das soziale Umfeld
Neben der Schwere der Symptomatik der Zwangsstörung bietet sich die Erfassung weiterer relevanter Merkmale und Bereiche an.
Aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Sicht wird angenommen, dass diese die Fehlinterpretationen intrusiver Gedanken bedingen und damit bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung eine wichtige Rolle spielen können. Um die dysfunktionale Einstellungen besser zu verstehen, bietet sich der Obsessive-Beliefs Questionnaire (OBQ-D; Ertle et al., 2008) an, der kostenfrei zum Download zur Verfügung steht.[1]https://www.psychology.hu-berlin.de/de/1695813/1682038/obq.
Eine Zwangsstörung kann Betroffene erheblich in ihrer Alltagsbewältigung und gesellschaftlichen Teilhabe einschränken. Nicht selten führt dies dazu, dass Betroffene unzufriedener mit einzelnen Lebensbereichen oder mit ihrem Leben insgesamt sind. Der Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL; Potthast et al., 2018; s. Tab. 8) ermöglicht die Erhebung der Lebenszufriedenheit.
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Name des Instruments: |
Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
https://doi.org/10.4119/unibi/2980553. Altersspezifische Prozentränge: https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000745. |
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Einsatzbereich: |
Der BIFL ist ein veränderungssensitives Verfahren zur Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit und kann in der Psychotherapie und klinischen Forschung eingesetzt werden. |
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Was kann ich damit erheben? |
Der BIFL erfasst die Zufriedenheit mit dem Leben insgesamt (Lebenszufriedenheit) und mit einzelnen Lebensbereichen (bereichsspezifische Zufriedenheit). Er besteht aus 19 Items, darunter 18 Items zu verschiedenen Lebensbereichen. Für jeden Lebensbereich wird zunächst die Zufriedenheit und anschließend die persönliche Bedeutsamkeit auf einer jeweils 6-stufigen Skala erfasst (von sehr unzufrieden/unwichtig bis sehr zufrieden/wichtig). Für jedes Item können die beiden Kennwerte zu einer gewichteten Zufriedenheit verrechnet werden, die einen Wert zwischen –15 und 15 annimmt (positiv für Zufriedenheit, negativ für Unzufriedenheit; ein hoher absoluter Wert entspricht einer hohen Bedeutsamkeit). Mit dem 19. Item wird die globale Lebenszufriedenheit erfasst („Ich bin mit meinem Leben insgesamt [sehr unzufrieden bis sehr zufrieden].“). |
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Psychometrische Kennwerte: |
Interne Konsistenz: gut (α = [.82, .89]) Konstruktvalidität: zufriedenstellend Negativer Zusammenhang zwischen BIFL und Psychopathologie (ISR; τ = [–.30, –.27]) sowie Funktionsbeeinträchtigung (WSAS, τ = [–.39, –.23]). Prozentrangnormen: Altersspezifische Prozentrangnormen für eine klinische und für eine nichtklinische Stichprobe finden sich bei Zotschew et al., 2024. |
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Einschränkungen: |
Bislang existieren nur psychometrische Kennwerte und Prozentrangnormen, die an einer nicht bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe gesunder Erwachsener sowie an einer klinischen Inanspruchnahme-Stichprobe ermittelt wurden (Zotschew et al., 2024). Aufgrund der Stichprobenzusammensetzungen sind die altersspezifischen Prozentrangnormen für Über-40-Jährige derzeit eingeschränkt differenziert. Die konvergente Validität des BIFL mit existierenden Verfahren (z. B. FLZM) wurde noch nicht untersucht. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 8: Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL)
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Name des Instruments: |
Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
https://doi.org/10.4119/unibi/2980553. Altersspezifische Prozentränge: https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000745. |
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Einsatzbereich: |
Der BIFL ist ein veränderungssensitives Verfahren zur Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit und kann in der Psychotherapie und klinischen Forschung eingesetzt werden. |
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Was kann ich damit erheben? |
Der BIFL erfasst die Zufriedenheit mit dem Leben insgesamt (Lebenszufriedenheit) und mit einzelnen Lebensbereichen (bereichsspezifische Zufriedenheit). Er besteht aus 19 Items, darunter 18 Items zu verschiedenen Lebensbereichen. Für jeden Lebensbereich wird zunächst die Zufriedenheit und anschließend die persönliche Bedeutsamkeit auf einer jeweils 6-stufigen Skala erfasst (von sehr unzufrieden/unwichtig bis sehr zufrieden/wichtig). Für jedes Item können die beiden Kennwerte zu einer gewichteten Zufriedenheit verrechnet werden, die einen Wert zwischen –15 und 15 annimmt (positiv für Zufriedenheit, negativ für Unzufriedenheit; ein hoher absoluter Wert entspricht einer hohen Bedeutsamkeit). Mit dem 19. Item wird die globale Lebenszufriedenheit erfasst („Ich bin mit meinem Leben insgesamt [sehr unzufrieden bis sehr zufrieden].“). |
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Psychometrische Kennwerte: |
Interne Konsistenz: gut (α = [.82, .89]) Konstruktvalidität: zufriedenstellend Negativer Zusammenhang zwischen BIFL und Psychopathologie (ISR; τ = [–.30, –.27]) sowie Funktionsbeeinträchtigung (WSAS, τ = [–.39, –.23]). Prozentrangnormen: Altersspezifische Prozentrangnormen für eine klinische und für eine nichtklinische Stichprobe finden sich bei Zotschew et al., 2024. |
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Einschränkungen: |
Bislang existieren nur psychometrische Kennwerte und Prozentrangnormen, die an einer nicht bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe gesunder Erwachsener sowie an einer klinischen Inanspruchnahme-Stichprobe ermittelt wurden (Zotschew et al., 2024). Aufgrund der Stichprobenzusammensetzungen sind die altersspezifischen Prozentrangnormen für Über-40-Jährige derzeit eingeschränkt differenziert. Die konvergente Validität des BIFL mit existierenden Verfahren (z. B. FLZM) wurde noch nicht untersucht. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Keine. |
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Referenz: |
Tabelle 8: Bielefelder Fragebogen zur Lebenszufriedenheit (BIFL)
Die Zwangsstörung hat in der Regel belastende Auswirkungen auf die gesamte Familie. Gleichzeitig kann das Verhalten der Familienmitglieder aufrechterhaltend für die Störung sein, da auch gut gemeinte Unterstützungsversuche kurzfristig zu einer Reduktion von Angst und Anspannung führen können (z. B. durch Rückversicherungen oder Teilnahme an Ritualen), langfristig jedoch symptomerhaltende Faktoren fördern. Um diese Verhaltensweisen (Akkommodation) zu erfassen, kann die Family Accommodation Scale (FAS; Fischer et al., Manuscript in preparation) genutzt werden.
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Name des Instruments: |
Family Accommodation Scale – Patient Version (FAS-PV, Fremdbericht aus Patient*innensicht) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Die FAS-PV und FAS-SR können zur Erfassung familiärer Akkommodation bei Zwangsstörungen erwachsener Patient*innen eingesetzt werden und eignen sich sowohl zur Eingangs- als auch Verlaufsdiagnostik. Ein hohes Maß an familiärer Akkommodation zu Behandlungsbeginn (sowie fortdauernde Akkommodation während der Behandlung) hängt mit einer verringerten Wirksamkeit einer Psychotherapie bei Zwangsstörungen zusammen. Für die Therapieplanung kann es daher relevant sein, familiäre Akkommodation in Familiengesprächen durch psychoedukative Interventionen und gemeinsames Problemlösen zu berücksichtigen. Die FAS-Skalen eignen sich zudem für Forschungszwecke, beispielsweise zur Erfassung familiärer Akkommodation über den Verlauf einer Studie. Die FAS-PV und FAS-SR beziehen sich jeweils auf eine*n bestimmte*n Angehörige*n und können mit unterschiedlichen erwachsenen Angehörigen angewendet werden (Partner*in, Eltern etc.). |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit der FAS-PV und FAS-SR lässt sich die Ausprägung familiärer Akkommodation bei Angehörigen erwachsener Patient*innen in der vergangenen Woche erheben. Faktorenanalysen weisen auf mögliche Subskalen hin, aktuell empfiehlt sich jedoch primär die Interpretation der Gesamtskala. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Interne Konsistenz: gut (FAS-PV: α = .85, FAS-SR: α = .86) Konstruktvalidität: gut (mit Ausnahme divergenter Validität der FAS-PV bzgl. depressiver Symptome) Hohe Korrelationen zwischen FAS-PV und FAS-SR (r = .67). FAS-PV weist mittlere Korrelationen mit Fragebögen zur Zwangssymptomatik und zu allgemeinen Angstsymptomen auf (DOCS: r = .46, GAD-7: r = .45; konvergente Validität), allerdings auch hohe Korrelationen mit Fragebögen zu depressiven Symptomen (BDI-II: r = .63, PHQ-9: r = .51). FAS-SR weist ebenfalls mittlere bis hohe Korrelationen mit der Zwangssymptomatik aus Sicht der Angehörigen (DOCS: r = .38) sowie mit der eigenen Angstsymptomatik (r = .50) auf, dagegen keine bis geringe Korrelationen mit eigenen depressiven Symptomen (BDI-II: r = .02, PHQ-9: r = .13). Die FAS-PV und FAS-SR weisen zudem hohe Korrelationen mit der Subskala Emotionales Überengagement des Familienfragebogens auf (r = .60 und r = .90; konvergente Validität), niedrigere Korrelationen mit der Subskala Kritik (beide r = .33, divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher keine etablierten Cut-offs für klinisch bedeutsame Ausprägungen. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Vorhandensein mindestens einer familiären Beziehung mit aktuell regelmäßigem Kontakt (mit Partner*in, Elternteil, erwachsenen Kindern etc.). |
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Referenz: |
Tabelle 9: Family Accommodation Scale – Patient Version (FAS-PV, Fremdbericht aus Patient*innensicht); Family Accommodation Scale – Self Report (FAS-SR, Selbsteinschätzung durch Angehörige)
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Name des Instruments: |
Family Accommodation Scale – Patient Version (FAS-PV, Fremdbericht aus Patient*innensicht) |
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Art des Instruments: |
Fragebogen. |
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Verfügbar unter: |
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Einsatzbereich: |
Die FAS-PV und FAS-SR können zur Erfassung familiärer Akkommodation bei Zwangsstörungen erwachsener Patient*innen eingesetzt werden und eignen sich sowohl zur Eingangs- als auch Verlaufsdiagnostik. Ein hohes Maß an familiärer Akkommodation zu Behandlungsbeginn (sowie fortdauernde Akkommodation während der Behandlung) hängt mit einer verringerten Wirksamkeit einer Psychotherapie bei Zwangsstörungen zusammen. Für die Therapieplanung kann es daher relevant sein, familiäre Akkommodation in Familiengesprächen durch psychoedukative Interventionen und gemeinsames Problemlösen zu berücksichtigen. Die FAS-Skalen eignen sich zudem für Forschungszwecke, beispielsweise zur Erfassung familiärer Akkommodation über den Verlauf einer Studie. Die FAS-PV und FAS-SR beziehen sich jeweils auf eine*n bestimmte*n Angehörige*n und können mit unterschiedlichen erwachsenen Angehörigen angewendet werden (Partner*in, Eltern etc.). |
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Was kann ich damit erheben? |
Mit der FAS-PV und FAS-SR lässt sich die Ausprägung familiärer Akkommodation bei Angehörigen erwachsener Patient*innen in der vergangenen Woche erheben. Faktorenanalysen weisen auf mögliche Subskalen hin, aktuell empfiehlt sich jedoch primär die Interpretation der Gesamtskala. |
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Psychometrische Kennwerte: |
Interne Konsistenz: gut (FAS-PV: α = .85, FAS-SR: α = .86) Konstruktvalidität: gut (mit Ausnahme divergenter Validität der FAS-PV bzgl. depressiver Symptome) Hohe Korrelationen zwischen FAS-PV und FAS-SR (r = .67). FAS-PV weist mittlere Korrelationen mit Fragebögen zur Zwangssymptomatik und zu allgemeinen Angstsymptomen auf (DOCS: r = .46, GAD-7: r = .45; konvergente Validität), allerdings auch hohe Korrelationen mit Fragebögen zu depressiven Symptomen (BDI-II: r = .63, PHQ-9: r = .51). FAS-SR weist ebenfalls mittlere bis hohe Korrelationen mit der Zwangssymptomatik aus Sicht der Angehörigen (DOCS: r = .38) sowie mit der eigenen Angstsymptomatik (r = .50) auf, dagegen keine bis geringe Korrelationen mit eigenen depressiven Symptomen (BDI-II: r = .02, PHQ-9: r = .13). Die FAS-PV und FAS-SR weisen zudem hohe Korrelationen mit der Subskala Emotionales Überengagement des Familienfragebogens auf (r = .60 und r = .90; konvergente Validität), niedrigere Korrelationen mit der Subskala Kritik (beide r = .33, divergente Validität). |
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Einschränkungen: |
Bisher keine etablierten Cut-offs für klinisch bedeutsame Ausprägungen. |
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Ggf. Voraussetzungen für den Einsatz: |
Vorhandensein mindestens einer familiären Beziehung mit aktuell regelmäßigem Kontakt (mit Partner*in, Elternteil, erwachsenen Kindern etc.). |
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Referenz: |
Tabelle 9: Family Accommodation Scale – Patient Version (FAS-PV, Fremdbericht aus Patient*innensicht); Family Accommodation Scale – Self Report (FAS-SR, Selbsteinschätzung durch Angehörige)
5. Einführung einer regelmäßigen Verlaufsdiagnostik
Eine kontinuierliche Verlaufsdiagnostik während der Therapie ermöglicht es, den Behandlungserfolg einzuschätzen, mögliche Komplikationen oder Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf die Therapie anzupassen oder zu wechseln. Das Ansprechen auf medikamentöse und psychotherapeutische Maßnahmen sollte regelmäßig überprüft werden. Die WHO empfiehlt (zumindest in den ersten vier Wochen) eine wöchentliche Diagnostik und nach sechs bis acht Wochen eine umfassende Evaluation der Wirksamkeit (DGPPN, 2024).
Die Beurteilung des Therapieverlaufs erfolgt primär über die Verbesserung der Symptomatik, aber auch das psychosoziale Funktionsniveau und die Lebenszufriedenheit der Patient*innen sollten in die Evaluation miteinbezogen werden.
Für die Verlaufsdiagnostik eignen sich insbesondere die folgenden Instrumente, die oben im Einzelnen dargestellt wurden.
Zur zeitökonomischen Erfassung der Zwangssymptomatik kann die DOCS-SF (Kühne et al., 2021; s. Tab. 3) verwendet werden. Für eine genauere Erfassung des Schweregrads bieten sich das OCI-12 (Müller et al., submitted for publication; s. Tab. 7) an. Zur Messung der Veränderung der Lebenszufriedenheit kann der BIFL (Potthast et al., 2018; Zotschew et al., 2024; s. Tab. 8) genutzt werden.
Zusammenfassung
Es stehen verschieden validierte Instrumente in deutscher Übersetzung oder Originalversion frei zur Verfügung, um den kompletten Prozess der leitlinienkonformen Diagnostik der Zwangsstörung durchzuführen (für eine zusammenfassende Übersicht s. Tab. 10). Lediglich der Schweregrad der Symptomatik kann in dieser Weise nur im Selbstrating erhoben werden. Sollten Sie Anmerkungen oder Rückfragen zu den einzelnen Instrumenten haben, melden Sie sich gerne bei uns.
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Schritte eines leitliniengerechten Vorgehens |
Zugehörige Screening- bzw. Diagnoseinstrumente (Open Access) |
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1. Durchführung eines Screening-Verfahrens |
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2. Durchführung eines strukturierten Interviews zur Diagnosebestätigung und Ausschluss körperlicher Ursachen |
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3. Bestimmung des Schweregrads anhand von Fremd- und Selbstbeurteilung |
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4. Erhebung weiterer Merkmale der Zwangsstörung sowie der Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und das soziale Umfeld |
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5. Einführung einer regelmäßigen Verlaufsdiagnostik |
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Tabelle 10: Die fünf Schritte leitlinienkonformer Diagnostik und die jeweils zugehörigen, hier vorgestellten diagnostischen Instrumente
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Schritte eines leitliniengerechten Vorgehens |
Zugehörige Screening- bzw. Diagnoseinstrumente (Open Access) |
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1. Durchführung eines Screening-Verfahrens |
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2. Durchführung eines strukturierten Interviews zur Diagnosebestätigung und Ausschluss körperlicher Ursachen |
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3. Bestimmung des Schweregrads anhand von Fremd- und Selbstbeurteilung |
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4. Erhebung weiterer Merkmale der Zwangsstörung sowie der Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und das soziale Umfeld |
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5. Einführung einer regelmäßigen Verlaufsdiagnostik |
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Tabelle 10: Die fünf Schritte leitlinienkonformer Diagnostik und die jeweils zugehörigen, hier vorgestellten diagnostischen Instrumente