Editorial

Liebe Kolleg*innen,

Dieses Editorial entsteht zu Beginn der Osterferien, die – zumindest hier im Rheinland – mit Sonnenschein, erwachendem Grün und wohltuend warmen Temperaturen einhergehen. Und mit einer fortwährenden Trockenheit, die nicht nur der hiesigen Obstwirtschaft Sorgen bereitet. Auch sonst bleibt die Zeit geprägt von dieser Spannung aus Aufbruch und bedrohlichen Krisen in der Welt. Zugleich blicken wir erwartungsvoll auf den Koalitionsvertrag einer neuen Bundesregierung, die den Bereich Psychotherapie ernstnimmt und ihm einen eigenständigen Platz in der zukünftigen Agenda einräumt.

Als Berufsstand sind wir also vielfältig gefordert: Unterstützung bei der Bewältigung der Krisensituationen individuell wie auch politisch zu leisten; die psychotherapeutische Versorgung zu sichern und weiter zu entwickeln; für den Schutz demokratischer Kultur einstehen und diese auch durch unser eigenes Gestalten der berufsständischen Selbstverwaltung als Kammern zu bezeugen. In dieser Frühlingszeit liegt aber auch ein Wunsch nach Hoffnung in der Luft. Im Augenblick der erwachenden Natur können wir gut an Empfindungen von Zuversicht, Freude und Genuss anknüpfen. Und dies mit allen Sinnen.

Mit wichtigen, unerwartet auftauchenden, „emergenten“ Augenblicken in der psychotherapeutischen Arbeit befassen sich Jurian Krupp et al.: Diese Momente im interpersonellen Kontext können für die Entwicklung der psychotherapeutischen Arbeit bedeutsam sein und bieten Potenzial für Interventionen und Verbesserung der therapeutischen Allianz. Ein Kurzfragebogen, der im Artikel vorgestellt wird, soll das Aufspüren und Bearbeiten dieser Momente erleichtern.

Den Auftakt in diesem Heft machen jedoch zunächst Alexa A. Kupferschmitt & Volker Köllner. Sie bieten einen Überblick zu Erklärungsmodellen von Post-COVID-Erkrankungen und leisten so einen wertvollen Beitrag zur derzeitigen gesundheitspolitischen Debatte um die Aufarbeitung der Folgen der COVID-19-Pandemie.

Es folgt eine kritische und praxisnahe Übersicht von Michael P. Hengartner & Andri Rennwald zu Absetzreaktionen von Antidepressiva.

Philipp Herzog et al. nehmen sich des nach wie vor wichtigen Themas ritueller Gewalt als Ausdrucksform organisierter Kriminalität aus psychologischer Sicht an und entwickeln auch Empfehlungen für die psychotherapeutische Praxis.

Edgar Geissner et al. führen ihre Arbeit zum Einsatz störungsspezifischer Fragebogeninstrumente in der Psychotherapie fort und beleuchten im aktuellen Artikel Instrumente zur Evaluation des Therapieverlaufs. Stand im ersten Artikel (PTJ 4/2021) die Frage „Was soll ich verwenden?“ zur Diskussion, heißt es nunmehr „Wie (und wann) soll ich es verwenden?“.

Mareike C. Hillebrand & Harald Baumeister befassen sich in ihrem Kommentar mit KI-gestützten Tools in der psychotherapeutischen Arbeit, hier v. a. mit der kritischen Einordnung einer Studie, die einen Vergleich von KI-generierten „therapeutischen Antworten“ mit Antworten von realen Psychotherapeut*innen herstellt. Das Thema „KI und Psychotherapie“ wird uns sicher noch oft begegnen und das Psychotherapeutenjournal wird die Debatte aufmerksam begleiten.

Wir wünschen Ihnen anregende Lektüre und frühsommerlich wohltuende, hoffnungsbestärkende Momente und Erfahrungen.

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Andreas Pichler (NRW)
Mitglied des Redaktionsbeirats

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