Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Bayern
Initiative für zusätzliche psychotherapeutische Versorgungsangebote – Ergebnisse des Runden Tischs „Verbesserung der ambulanten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bayern“
Die Nachfrage und der Bedarf an ambulanten psychotherapeutischen Behandlungsangeboten sind in den vergangenen Jahren auch in Bayern weiter gestiegen. Gleichwohl gelten derzeit nach bundesweit gültigen Vorgaben der Bedarfsplanung die allermeisten Gebiete Bayerns als „überversorgt“.
Neben dem Engagement für grundsätzliche Reformen der Bedarfsplanung unterstützt die PTK Bayern auch Initiativen für eine kurzfristige Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung. So nahmen Nicole Nagel, Vizepräsidentin der PTK Bayern, und Geschäftsführer Thomas Schmidt an mehreren Gesprächsrunden unter Leitung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) mit Vertreter*innen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen in Bayern teil. In den Gesprächsrunden fand ein Austausch zur „Verbesserung der ambulanten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bayern“ statt. Ausgangspunkt war das gemeinsame Anliegen, Lösungen für eine bedarfsgenauere ambulante psychotherapeutische Versorgung in Bayern zu finden.
Im Ergebnis sollen den Zulassungsgremien in den bayerischen Regionen mit vonseiten der KVB identifiziertem besonders starkem Versorgungsengpass nun detaillierte Versorgungsanalysen an die Hand gegeben werden, um damit eine bessere Entscheidungsgrundlage für Anträge auf befristete Ermächtigungen oder Sonderbedarfszulassungen zu schaffen. Hierbei handelt es sich um Regionen mit deutlich überdurchschnittlichen Wartezeiten zwischen Sprechstunde und dem Beginn einer Psychotherapie. Nicole Nagel, die Vizepräsidentin der Kammer, begrüßt dieses Ergebnis: „Die bestehende vorgegebene Bedarfsplanung führt in manchen Regionen Bayerns leider teilweise zu fast unzumutbar langen Wartezeiten. Die Ergebnisse der Gesprächsrunden sind ein erster Schritt für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung in Bayern.“
Es wurden aktuell 13 Planungsbereiche mit zusätzlichem Bedarf an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen und neun Planungsbereiche mit zusätzlichem Bedarf an Psychotherapeut*innen für Erwachsene in Bayern identifiziert. Weitere Einzelheiten inkl. der Auflistung der Planungsbereiche finden Sie in einer Meldung der KVB unter www.kvb.de/ueber-uns/pressearbeit/07032025.
An einer Niederlassung interessierte Psychotherapeut*innen wenden sich bitte an das jeweils regional zuständige Beratungscenter der KVB, siehe: www.kvb.de/mitglieder/beratung.
„Cannabis-Express – ein Panorama über aktuelle Entwicklungen“ am 2. April 2025
Am 1. April 2024 ist das Cannabisgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Mit dem Gesetz strebte die letzte Bundesregierung an, den illegalen Cannabismarkt einzudämmen, die Qualität von Cannabis zu kontrollieren, die Weitergabe von verunreinigten Substanzen zu verhindern und damit den Gesundheitsschutz zu verbessern. Außerdem sollen Aufklärung und Prävention sowie der Kinder- und Jugendschutz gestärkt werden. Ein Jahr nach der Entkriminalisierung bzw. (Teil-)Legalisierung von Besitz, Konsum und Anbau von Cannabis in Deutschland bleibt der Informationsbedarf für Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Versorgung und Prävention jedoch hoch.
Im Rahmen des 24. Bayerischen Suchtforums am 2. April 2025 standen daher aktuelle Fragen zum Cannabiskonsum und dessen Auswirkungen auf Gesundheit und Gesellschaft im Fokus. Expert*innen beleuchteten Themen wie die gesundheitlichen Folgen des Konsums, zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen, schadensmindernde Strategien und weitere wichtige Aspekte. Das Suchtforum wird gemeinsam von der Bayerischen Akademie für Suchtfragen in Forschung und Praxis (BAS), der Bayerischen Landesärztekammer, der Bayerischen Landesapothekerkammer und der Psychotherapeutenkammer Bayern ausgerichtet. Über 700 Teilnehmer*innen, davon 260 Kammermitglieder der PTK Bayern, informierten sich in der Onlineveranstaltung über den aktuellen Stand der Entwicklungen rund um die Cannabis-legalisierung. Insgesamt zwölf Kurzbeiträge über je 15 Min. stellten aktuelle Forschungsdaten und Evaluationen zu Entwicklungen in den Konsumgewohnheiten, gesundheitlichen Folgen und Präventionsansätzen in verschiedenen relevanten Settings u. Ä. vor, mit einem Schwerpunkt auf (möglichen) Veränderungen seit der Teillegalisierung vor genau einem Jahr. Die Veranstaltung bot gute Hintergrundinformationen für die Teilnehmer*innen für laufende Beratungen und Diskussionen zum Thema.
Prof. Dr. Heiner Vogel, Vorstandsmitglied der PTK Bayern, brachte in seinem Grußwort den Wunsch für eine zielorientierte Diskussion an, bei der einerseits die Risiken des Cannabiskonsums nicht verharmlost werden und andererseits der Fokus auf Prävention und Begleitung von Menschen mit schädlichen Konsummustern oder Suchterkrankung liegt: „Insbesondere Heranwachsende benötigen einen gesellschaftlichen Schutz vor dem Hintergrund geänderter Rechtsprechung. Schließlich birgt der Konsum von Cannabis diverse Folgen und Risiken auch im psychischen Bereich: Im Zusammenhang mit Cannabiskonsum besteht ein erhöhtes Risiko, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken und bei bipolaren Störungen und Psychosen gar ein verdoppeltes Erkrankungsrisiko. Neben den gesundheitlichen Risiken können sich auch soziale, schulische und berufliche Folgen ergeben. Der Suchtmittelmissbrauch wird oft zu spät erkannt oder er wird aufgrund von Stigmatisierung zu spät behandelt. Eine Antwort kann nur in entsprechenden zielgruppenspezifischen Präventions- und Therapieangeboten liegen, welche so früh wie möglich zum Einsatz kommen und alle Altersgruppen berücksichtigen sollten. Die Liberalisierung bietet dabei die Chance, Konsumierende früher zu erreichen, über den Cannabiskonsum zu sprechen und Konsumkompetenz zu vermitteln. Dabei sind Psychotherapeut*innen auch in Zukunft Expert*innen und zentrale Ansprechpartner*innen, um Abhängigkeitsentwicklungen zu vermeiden, ihnen entgegenzuwirken und Chronifizierung zu verhindern. In diesem Zusammenhang sollte für die Psychotherapie das Abstinenzgebot für Drogen- und Alkoholkonsum bis zur zehnten Behandlungsstunde aufgegeben werden, um erforderliche Therapien und auch die Behandlung komorbider Störungen zu ermöglichen.“
Studierende fordern Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung – Demonstration in München
Am 22. März 2025 demonstrierten rund 250 Psychologie-Studierende in München für eine ausreichende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung. Die Studierenden und Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop appellierten ausdrücklich an die Koalitionsverhandlungsgruppe von CSU, CDU und SPD, Nachwuchsmangel und damit die Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung mit kurzfristigen Maßnahmen der neuen Regierung zu verhindern.
Zu Beginn der Veranstaltung am Geschwister-Scholl-Platz in München, die von lauten Sprechchören begleitet wurde, umriss Martin Wiehr (Sprecher der Psychologie Fachschaften Konferenz – PsyFaKo) die schwierige Lage und die Zukunftsängste der Psychologie-Studierenden aufgrund der fehlenden Psychotherapieweiterbildungsplätze nach ihrem Studium. Er forderte dringend Maßnahmen für eine ausreichende Anzahl an Plätzen. Im Anschluss nahm Laura Wolfering die Perspektive von zwei psychisch kranken Patientinnen ein und arbeitete die Bedeutung einer psychotherapeutischen Behandlung für sie heraus. Als dritte Rednerin stellte Dr. Anke Pielsticker, DPtV, die Situation aus Sicht der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung dar. Sie berichtete über die Vielzahl an Aktivitäten und Demonstrationen, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, um der Politik effektive Maßnahmen abzuringen. Sie betonte die dringende Notwendigkeit, jetzt die Weichen für die Qualifikation des psychotherapeutischen Nachwuchses zu stellen. Hannah Streit, Psychotherapeutin in Ausbildung, stellte die Mängel des alten Qualifizierungssystems dar, die Anlass für die Umstellung auf das neue Weiterbildungssystems waren. Zum Abschluss der Kundgebung bekräftigte Dr. Nikolaus Melcop für die Psychotherapeutenkammer Bayern und für die Bundespsychotherapeutenkammer die Unterstützung der Kammern für die Proteste. Er hob hervor, dass noch unter der Ampel-Regierung Abgeordnete aller Parteien dieses schon seit über fünf Jahren bekannte Anliegen unterstützt hatten. Die bayerische Gesundheitsministerin Gerlach hatte gesetzliche Regelungen für eine adäquate Finanzierung der Weiterbildung ebenfalls unterstützt. Melcop forderte von den Verhandelnden von CSU, CDU und SPD, dieses Thema im Regierungsprogramm zu verankern. Nach der Regierungsbildung müsse nun endlich rasch gehandelt werden, um Psychotherapeut*innen eine Weiterbildung in Kliniken, Ambulanzen und Praxen zu ermöglichen.
Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop bei der Kundgebung der Demonstration (Foto: PTK Bayern)
Informationsveranstaltung zum Versorgungswerk am 1. April 2025
Am 1. April 2025 fand eine Online-Informationsveranstaltung zu den Leistungen des Versorgungswerks für Kammermitglieder, Studierende und Psychotherapeut*innen in Ausbildung statt. Über 200 Personen nutzten die Gelegenheit für Information, Nachfrage und Austausch.
Die Bayerische Ingenieursversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung (www.psychotherapeutenversorgung.de) bietet ihren Mitgliedern Schutz und Absicherung gegen die finanziellen Risiken im Alter, bei Berufsunfähigkeit und für Hinterbliebene. Viele der Teilnehmenden sind bereits Mitglied im Versorgungswerk oder werden in Zukunft noch Mitglied im Versorgungswerk. Die Veranstaltung bot sowohl einen soliden Überblick über das Versorgungswerk und seine Leistungen im Allgemeinen als auch Informationen zur Kapitalanlage des Versorgungswerks, insbesondere zur Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage.
Die Veranstaltung war dabei so konzipiert, dass viel Raum für die Fragen der Teilnehmenden vorhanden war. So konnten sich diese ausgiebig über Mitgliedschaft, Beitragshöhe, bestimmte Leistungen und Vieles mehr erkundigen.
Informierten ausgiebig über die Leistungen des Versorgungswerk: Vorstandsmitglied Dr. Anke Pielsticker, Filipa Gkagkavouzi, Alexandra Holinka und Sabine Miesen vom Versorgungswerk sowie Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop. (Foto: PTK Bayern)
Austauschtreffen der Weiterbildungsbefugten in Bayern am 31. März 2025
Die PTK Bayern hat für die neue Weiterbildung der Psychotherapeut*innen bereits einige Weiterbildungsstätten und zuständige Weiterbildungsbefugte formal zugelassen, von denen die Mehrzahl ihre Arbeit jedoch noch nicht aufgenommen haben.
Am 31. März 2025 veranstaltete die Kammer ein Austauschtreffen mit den Weiterbildungsbefugten. 35 von ihnen nahmen daran teil und bildeten dabei ein breites Bild der Weiterbildungsstätten ab. Die Kammer bewertet den Austausch mit den Weiterbildungsbefugten als besonders wertvoll, da diese eine wichtige Schlüsselposition im Hinblick auf die Umsetzung der neuen Weiterbildung einnehmen. Ein kleiner Teil der Weiterbildungsstätten bietet in Bayern bereits die Weiterbildung für Psychotherapeut*innen an. Das Treffen diente unter anderem dazu, um Informationen darüber zu sammeln, welche Herausforderungen bei der Umsetzung der Weiterbildung konkret auftauchen, wie die Rolle der Befugten ausgestaltet werden kann und welche Fragen es noch rund um das Logbuch zur Dokumentation der geleisteten Weiterbildung gibt. Außerdem lud das Treffen zum Austausch und zur Vernetzung untereinander und mit der Kammer ein. Die Teilnehmenden berichteten in diesem Zusammenhang von ihren ersten Erfahrungen in der neuen Rolle als Weiterbildungsbefugte.
Eine Übersicht über die bereits zugelassenen Weiterbildungsstätten und Befugte finden Sie online unter www.ptk-bayern.de > Aus-, Fort- und Weiterbildung > Weiterbildung Psychotherapeut*innen > Verzeichnisse Stätten/Befugte und Eignungsfeststellungen für Supervision und Selbsterfahrung.
Selbsthilfe informiert Psychotherapie – Konzepte und Formen der Selbsthilfe: Schwerpunkt Autismus am 20. März 2025
Im Rahmen des Projektes „Zusammenarbeit mit Gesundheitsberufen“ fand am 20. März 2025 eine Online-Informationsveranstaltung aus der Reihe „Selbsthilfe informiert Psychotherapie – Konzepte und Formen der Selbsthilfe“ statt. Der Schwerpunkt dieser Veranstaltung lag auf dem Themenbereich Autismus. Ca. 160 Teilnehmende erhielten interessante Einblicke in den Bereich der Selbsthilfe.
Selbsthilfegruppen haben sich als wesentliche Ergänzung zum professionellen Hilfesystem etabliert. In Selbsthilfegruppen finden Betroffene gegenseitiges Verständnis, müssen sich nicht erklären, treten aus ihrer Isolation heraus. In der Veranstaltungsreihe wird regelmäßig den Fragen nachgegangen: Was sollten Psychotherapeut*innen über Selbsthilfekontaktstellen wissen, um auszuloten, ob der Besuch einer Selbsthilfegruppe für die Patient*innen eine Unterstützung sein könnte? Was könnten weitere Ideen für Vernetzung oder Kooperation sein? Psychotherapeut*innen erfahren so, wie Selbsthilfegruppen und –Kontaktstellen arbeiten und bekommen Anregungen dazu, wie Selbsthilfe für ganz unterschiedliche Patient*innen nutzbar gemacht werden kann und wie Psychotherapie und Selbsthilfe zusammenarbeiten können.
Diesmal stellten zudem Selbsthilfegruppen für Menschen mit Ängsten und/oder sozialer Phobie, Autistinnen und ADHS-betroffene Erwachsene ihre Arbeit vor: die „MuTiger e. V.“, ein Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen im Westen Münchens, die sich an Menschen mit (sozialen) Ängsten richten; die „Kosmonautinnen“, eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit einer Autismus-Spektrum-Störung und die Selbsthilfegruppe „Code 404“, die sich an Erwachsene mit ADHS richtet. Zudem gab das Selbsthilfebüro KORN e. V., die Kontaktstelle für Selbsthilfe der Region Ulm, einen Einblick in seine Arbeit.
Kurz und knapp – Aktivitäten der Kammer
+++ Der Vorstand der PTK Bayern steht in regelmäßigem Austausch mit den Direktor*innen psychosomatischer Kliniken und den Direktor*innen psychiatrischer Kliniken. In den Austauschtreffen mit den Sprechern Anfang April 2025 wurde insbesondere über die Umsetzung der neuen Weiterbildung gesprochen. +++
+++ Vizepräsidentin Nicole Nagel nahm an der turnusmäßigen Sitzung „Besprechung zum Kinderschutz in Bayern – Interdisziplinäre Kooperation von Gesundheitswesen und Jugendhilfe“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales teil. Themen waren neben den aktuellen Statistiken zu „Kindeswohlgefährdungen“ die Arbeit der Kinderschutzambulanzen und der medizinische Kinderschutz an Kliniken sowie weitere Neuigkeiten. Im Zentrum stand der Austausch der verschiedenen Akteur*innen. +++
+++ Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention überarbeitet die Grundsätze zur Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bayern. Vorstandsmitglied Birgit Gorgas nahm an der Lenkungsgruppe des Fachbereichs Psychiatrie am 8. April 2025 teil. +++
+++ Die PTK Bayern erhält immer wieder Medienanfragen: Vizepräsidentin Nicole Nagel wurde vom Bayerischen Rundfunk (BR) interviewt. Der TV-Beitrag von BR24 „Jung und depressiv – das lange Warten auf einen Therapieplatz“ ist hier veröffentlicht:
Weitere aktuelle Anfragen (Auswahl): Sendereihe Maximal Radio Niederbayern: „Künstliche Intelligenz in der Psychotherapie“ & „Digitaler Stress & Ängste“, Oberpfalz Medien: „Umgang mit schlechten Nachrichten“; Passauer Neue Presse: „Wartezeiten auf Therapieplatz“ +++