Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Ergebnisse der Kammerwahl und konstituierende Kammerversammlung am 26. April 2025:
Dr. Kristina Schütz einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt
Die Wahlergebnisse
Im März dieses Jahres wurde die Kammerversammlung neu gewählt. An dieser Stelle haben wir die Wahlergebnisse tabellarisch und grafisch für Sie aufgearbeitet.
Grafiken: Anzahl der auf die einzelnen Wahlvorschläge entfallenden Stimmen
Konstituierende Sitzung am 26. April 2025
Die 6. Kammerversammlung der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen wählte in ihrer konstituierenden Sitzung am 26. April 2025 in Hannover einen neuen Vorstand und richtete die Ausschüsse für die Wahlperiode 2025 bis 2030 ein. Roman Rudyk hieß als noch amtierender Präsident die Kammerversammlungsmitglieder und insbesondere die zahlreichen neuen Kolleginnen und Kollegen unter ihnen herzlich willkommen. Als Gäste begrüßte er Susanne Passow als Vertreterin des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Lars Pohl als Vertreter der PiA sowie vier ehemalige Kammerversammlungsmitglieder: Felicitas Michaelis, Klaus Ganser, Joachim Lagerspets und Prof. Dr. Georg Franzen wurden mit wertschätzenden Worten von Roman Rudyk zu Beginn der Sitzung aus ihrem Amt verabschiedet.
Grußwort aus dem Ministerium
Susanne Passow sprach eine Gratulation im Namen des Ministeriums an die gewählten Delegierten aus und betonte die Kammerversammlung als zentrales, demokratisches Souverän der Selbstverwaltung. Außerdem dankte sie dem bisherigen Vorstand für die stets respektvolle Zusammenarbeit. Auf politischer Ebene berichtete Susanne Passow von der Novellierung des Kammergesetzes für die Heilberufe (HKG) u. a. in Bezug auf die Änderungen zur Wahl der Kammerversammlung, die künftig in einem Wahlkörper erfolgen wird. Zudem werde die Finanzierung der Weiterbildung erstmals explizit im Koalitionsvertrag erwähnt, auch wenn konkrete Mechanismen und Gesetzesvorhaben nach wie vor offenblieben. Passow bekräftigte, dass nur durch bundesgesetzliche Regelungen Abhilfe geschaffen werden könne und noch einige Hürden insbesondere in Ausbildungsinstituten und Kliniken überwunden werden müssten.
Bericht des noch amtierenden Vorstands, Anträge und Jahresabschluss
In seinem abschließenden Bericht legte der noch amtierende Vorstand den Fokus darauf, den neu gewählten Kammerversammlungsmitgliedern einen guten Einstieg in die aktuellen, berufspolitischen Themen zu ermöglichen. Roman Rudyk stellte insbesondere die Funktion der Kammer als Berufsaufsicht, aber auch als Ansprechpartnerin für Politik und Öffentlichkeit in Fragen der psychischen Gesundheit dar. Die zunehmende Verzahnung von Ehren- und Hauptamt seien für die Weiterentwicklung und Professionalisierung der Kammer von großer Bedeutung, da diese eine Verantwortung für das Ansehen der Profession, aber auch eine Verantwortung für jedes einzelne Mitglied trage. Jörg Hermann berichtete über Meilensteine in der institutionellen Weiterbildung und Andreas Kretschmar über aktuelle Themen in der stationären Versorgung, darunter die Etablierung der Weiterbildung im klinischen Sektor sowie die Mitwirkung an relevanten Gesetzesvorhaben. Kordula Horstmann gab einen Überblick über die Aufgaben der Kammer zum Thema Psychosoziale Notfallversorgung und über relevante Themen aus dem Länderrat. Götz Schwope stellte Herausforderungen im KJP-Bereich vor, u. a. die Notwendigkeit von stärkeren Inklusions- und Integrationsbemühungen an Schulen sowie mehr Anstrengungen in der Prävention, um die Praxen zu entlasten. Weitere Themen seien die ePA für Kinder und Jugendliche, die Versorgung vulnerabler Gruppen und die Steuerung der Versorgung. Abschließend betonte Dr. Kristina Schütz die positiven Entwicklungen im Bereich der Weiterbildung und berichtete zur Beschwerdestelle.
Der Jahresabschluss 2024 wurde durch Geschäftsführerin Imke Sawitzky vorgestellt und der Vorstand daraufhin einstimmig entlastet.
Alle eingebrachten Anträge zu Ordnungsänderungen wurden angenommen.
Wahl des neuen Vorstands
Dem Kammervorstand gehören in der Wahlperiode 2025 bis 2030 gemäß der Kammersatzung sechs Mitglieder an. Dr. Timo Reißner, Kammerversammlungsmitglied seit 2012, führte durch die Wahlgänge.
Dr. Kristina Schütz (DPtV-Kammerfraktion) wurde in geheimer Abstimmung einstimmig zur neuen Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen gewählt. Die Psychologische Psychotherapeutin ist seit 2011 Kammerversammlungsmitglied und seit 2021 als Beisitzerin im Vorstand aktiv. Sie folgt auf Roman Rudyk, der nach zehn Jahren Präsidentschaft nicht erneut kandidiert hatte. Dr. Schütz ist im Landkreis Helmstedt in eigener Praxis niedergelassen. In das Amt der ersten Vizepräsidentin wurde Andra Habermann (Bündnis PdSL) gewählt. Habermann ist ebenfalls Psychologische Psychotherapeutin und bereits seit 25 Jahren mit eigener Praxis in Uslar niedergelassen. Das Amt des zweiten Vizepräsidenten wird erneut Jörg Hermann besetzen, der dieses Amt bereits seit 2021 innehat. Im Vorstand ist Hermann bereits seit 2010 und leitet die Erziehungsberatungsstelle und Fachstelle Frühe Hilfen des Landkreises Wolfenbüttel.
Im Anschluss wählten die Kammerversammlungsmitglieder drei Beisitzerinnen und Beisitzer in den Vorstand. Kordula Horstmann (DPtV-Kammerfraktion) ist Psychologische Psychotherapeutin und seit 1995 niedergelassen im Landkreis Osnabrück. In der Wahlperiode 2020–2025 war sie Vizepräsidentin im Vorstand der Kammer. Götz Schwope (Bündnis PdSL) ist seit 25 Jahren niedergelassener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Stadthagen und seit 2010 Mitglied der Kammerversammlung. Andreas Kretschmar (Fraktion Angestellte/VPP) ist seit 2007 im AMEOS Klinikum Hameln als Psychologischer Psychotherapeut angestellt und dort in der Allgemeinpsychiatrischen Institutsambulanz tätig. Kretschmar ist seit 2012 Kammerversammlungsmitglied und seit 2015 im Vorstand der PKN vertreten.
Der neue Vorstand der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen wird mit der Mehrheit der Stimmen von der Kammerversammlung getragen, der in dieser Wahlperiode 41 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angehören.
Der Vorstand der 6. Wahlperiode (v. l. n. r.: Jörg Hermann, Andreas Kretschmar, Dr. Kristina Schütz, Andra Habermann, Kordula Horstmann, Götz Schwope) (Foto: Gina Briehl)
Dr. Kristina Schütz: „Die psychotherapeutische Versorgung muss auf sichere Beine gestellt werden“
In ihrer Rede zur Kandidatur betonte Dr. Kristina Schütz zunächst ihre langjährigen Erfahrungen in der Vorstands- und Gremienarbeit, als stellvertretende Landesvorsitzende ihres Berufsverbandes sowie als Delegierte des Deutschen Psychotherapeutentages.
„Mir ist es ein wichtiges Anliegen, meine vielfältigen Erfahrungen einzubringen und die bisherige konstruktive Zusammenarbeit innerhalb der Kammer fortzuführen, damit es uns gelingt, die psychotherapeutische Versorgung der Zukunft gemeinsam mit der Politik auf sichere Beine zu stellen. Dafür braucht es als erstes die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Finanzierung der fachpsychotherapeutischen Weiterbildung. Ich wünsche mir von den politischen Entscheidungsträger*innen, dass gezielt auf die Kompetenz der Selbstverwaltung in den gesundheitspolitischen Weichenstellungen der nahen Zukunft zurückgegriffen wird. Als Kammer stehen wir dafür als vertrauensvoller Ansprechpartner zur Verfügung, um mentale Gesundheit als eines der großen Themen unserer Zeit sichtbar zu machen“, so die neue Präsidentin.
Dr. Kristina Schütz sprach Roman Rudyk zudem einen großen Dank für sein Wirken und Engagement in zehn Jahren Präsidentschaft aus und hob die stets respektvolle Zusammenarbeit hervor.
Benennung der DPT-Delegierten und Besetzung der Ausschüsse
Die 6. Kammerversammlung (Foto: Gina Briehl)
Die 6. Kammerversammlung benannte in ihrer konstituierenden Sitzung elf Delegierte zum Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) sowie deren Stellvertretungen. Zudem wurden die drei ständigen Ausschüsse für Finanz- und Beitragsangelegenheiten, Satzungs- und Geschäftsordnungsfragen sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung gegründet. Die zwei Ausschüsse für Berufsordnung und Berufsethik sowie Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement wird es in dieser Wahlperiode ebenfalls wieder geben. Auch die Kommissionsarbeit soll fortgesetzt werden. Mit ihrer Einrichtung und Besetzung wird sich zunächst der Vorstand in seiner ersten Sitzung und anschließend die Kammerversammlung in der nächsten Sitzung am 8. November 2025 befassen.
Gina Briehl
Rückblick auf die Loccumer Psychiatrietage
Auch in diesem Jahr gehörte die PKN zu den Mitorganisatoren der Loccumer Psychiatrietage, die vom 3. bis 5. März 2025 in der Evangelischen Akademie Loccum unter dem Titel „Fachkräfte in Psychiatrie und psychosozialer Versorgung mobilisieren, gewinnen und halten“ stattfanden. Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Vorstand nutzte die sich dort stets vielfältig bietenden Gelegenheiten zum interdisziplinären Austausch.
Podiumsdiskussion u.a. mit Minister Dr. Andreas Philippi (links) und Roman Rudyk (rechts), zu diesem Zeitpunkt noch Präsident der PKN (Foto: Jörg Hermann)
Mittels mehrerer Vorträge und Workshops ging es zentral um die Frage, wie Fachkräfte in unserem Arbeitsbereich zu gewinnen und zu halten sind (z. B. Fachkräfteeinwanderungsgesetz), wie Arbeitsbedingungen aussehen müssen (u. a. Stichwort Digitalisierung, Entbürokratisierung) und wie sich diese Prozesse auf die Versorgungslandschaft auswirken (z. B. Ambulantisierung). Für unsere Profession, die in allen Versorgungsbereichen in großer Zahl tätig ist, besteht zwar aktuell noch kein Nachwuchsproblem. Dennoch gibt es im ländlichen Raum bereits Probleme bei Folgezulassungen von Kassensitzen und durch die noch ungeklärte Finanzierung der Weiterbildung könnte es in Zukunft zu massiven Nachwuchs- und Versorgungsengpässen kommen.
Dies griff auch der niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi in der abschließenden Podiumsdiskussion auf. Er sagte zu, sich weiterhin aktiv für eine Regelung zur Finanzierung der Weiterbildung auf Bundesebene einzusetzen. Dabei betonte er, dass es – trotz aller digitaler Unterstützungsangebote – darauf ankomme, dass Fachkräfte vor Ort sind, um die Versorgung von psychisch belasteten oder erkrankten Menschen zu sichern.
Dr. Kristina Schütz
Was brauchen Jugendwerkstätten an psychologischer Unterstützung?
Um diese Frage ging es am 27. März 2025 in einem Austausch, zu dem das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung eingeladen hatte. Teilnehmende waren neben Vertreter*innen von Jugendwerkstätten und Sozialpsychiatrischen Diensten u. a. der Vizepräsident der PKN, Jörg Hermann, der selbst Leiter der Erziehungsberatungsstelle Wolfenbüttel ist. Kernthema des Gesprächs war, wie ein Zugang zu psychologischer Beratung für Jugendwerkstätten und ein Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten für die jungen Menschen organisiert werden kann.
Konsens herrschte darüber, dass psychische Belastungen und Erkrankungen bei jungen Menschen insbesondere seit der Coronapandemie zugenommen haben, weshalb es einen erhöhten Bedarf nach psychologischer Unterstützung in Jugendwerkstätten gebe. Zwar reiche bei manchen Jugendlichen eine sozialpädagogische Unterstützung, bei anderen seien jedoch psychologische oder psychotherapeutische Angebote angezeigt, betonte Jörg Hermann. Wichtig bei der Gestaltung einer solchen Hilfe seien die niedrigschwellige Erreichbarkeit und die Abgrenzung zu ggf. notwendigen Heilbehandlungen in einer psychotherapeutischen Praxis. Diese können durch ergänzende Angebote in den Jugendwerkstätten selbst nicht ersetzt, wohl aber der Weg dorthin unterstützt werden.
Die Teilnehmenden erörterten verschiedene Möglichkeiten, wie niedrigschwellige Unterstützungsangebote zu organisieren wären. Als gemeinsames Ziel und Ergebnis der Diskussion wurde festgehalten, dass insbesondere die Vernetzung und Kooperationen der unterschiedlichen Träger und Einrichtungen von großer Bedeutung seien. Ein offenes Ohr gegenüber den Jugendwerkstätten sei hier der Schlüssel. Auch Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeitende in den Jugendwerkstätten stellten eine sinnvolle Option dar. Ebenso könne eine Mitarbeit von Psychotherapeut*innen auf Honorarbasis eine Lösung sein, genauso wie die verstärkte Kooperation mit Erziehungsberatungsstellen oder Sozialpsychiatrischen Diensten.
Abschließend betonte Jörg Hermann die Relevanz der fachpsychotherapeutischen Weiterbildung im institutionellen Bereich, um psychotherapeutische Kompetenzen zu sichern und Stellen im Bereich der Jugendhilfe (z. B. in einer Jugendwerkstatt) zur Verfügung zu stellen.
Bekanntmachungen
Satzung- und Ordnungsänderungen
Die Kammerversammlung der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen hat in der Sitzung am 26. April 2025 folgende Ordnungsänderungen beschlossen:
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Reisekosten- und Sitzungsgelderordnung der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
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Verfahrensordnung zum Niedrigschwelligen Beratungsangebot für Psychotherapie-Patienten der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
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Weiterbildungsordnung für psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
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Weiterbildungsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Die Ordnungsänderungen treten am Tag nach der Veröffentlichung auf www.pknds.de in Kraft, davon abweichend treten die Ordnungsänderungen der Reisekosten- und Sitzungsgelderordnung sowie der Verfahrensordnung zum Niedrigschwelligen Beratungsangebot für Psychotherapie-Patienten am 1. Juli 2025 in Kraft. Die Ordnungsänderungen werden nicht im Psychotherapeutenjournal abgedruckt.
Hannover, den 26. April 2025
gez. Dr. Kristina Schütz
Präsidentin