Mitteilungen der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Landesarbeitskreis Psychiatrie (LAK), der vom Sozialministerium eingerichtet wurde, war vor der Sommerpause das auf Bundesebene im Bundestagswahlkampf nach den Anschlägen in Magdeburg und Aschaffenburg aufgekommene Thema Gewalttaten durch Menschen mit psychischen Erkrankungen und Migrationshintergrund aufgegriffen worden. Während des Wahlkampfs wurde die Überlegung eines Registers für Migrant*innen mit psychischen Erkrankungen und Migrationshintergrund, auf das Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden zugreifen können, in den Vordergrund gerückt. In der Innenministerkonferenz wurden die Länder aufgefordert zu prüfen, wie in den Psychisch-Kranken-Gesetzen (PsychKG) Regelungen geschaffen werden können, um den Sicherheitsbehörden gefährdungsrelevante Informationen von Personen mit psychischen Auffälligkeiten zugänglich zu machen.
Im LAK wurde gegenüber dem Ministerium deutlich vorgetragen, dass ein solches Register oder Gesetzesänderungen nicht zielführend sein können, um derartige Gewalttaten zu verhindern. Im Gegenteil würden hierdurch Menschen mit psychischen Erkrankungen unter Generalverdacht gestellt, zu Gewalttätigkeit zu neigen. Das führe einerseits zu einer starken Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, andererseits auch zu Angst vor Menschen mit psychischen Erkrankungen. Bei den Betroffenen selbst kann dies dazu führen, dass sie sich nicht in Behandlung begeben und somit keine Hilfe erhalten. Zu fordern sei, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen und hier vor allem auch diese mit Migrationshintergrund oder auch aktuell angekommene Flüchtlinge besser und auch niederschwellig therapeutische Hilfe angeboten bekommen. Dies sei die beste Präventionsmaßnahme gegen die Gewaltneigung betroffener Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Wir werden der Verpflichtung, Menschen mit psychischen Erkrankungen und Migrationshintergrund zu melden oder Informationen über Patient*innen zur Verfügung zu stellen, entschieden entgegentreten. Dabei werden wir auch verdeutlichen, dass wir uns der Grenze unserer Schweigepflicht sowie unserer Verpflichtung, erforderliche Schritte in die Wege zu leiten, wenn uns von Patient*innen eine akute Gewaltgefahr oder die Planung eines Anschlages bekannt wird, bewusst sind.
Wir verbleiben mit kollegialen Grüßen
Ihr Kammervorstand
Dietrich Munz, Martin Klett, Dorothea Groschwitz,
Petra Neumann und Erik Nordmann
Landespsychotherapeutentag
Landespsychotherapeutentag am 8. November 2025:
Herausforderungen für die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg laden wir Sie herzlich zum Landespsychotherapeutentag 2025 ein. Die Veranstaltung findet am 8. November 2025 von 10:30 bis 16:00 Uhr im GENO-Haus in Stuttgart statt.
Sommerempfang der Heilberufekammern und KVen am 9. Juli 2025
Am 9. Juli 2025 fand der diesjährige Sommerempfang der Heilberufekammern und der Kassenärztlichen Vereinigungen im Garten der KVBW in Stuttgart statt. Die Veranstaltung brachte erneut zahlreiche hochrangige Gäste aus den Bereichen Gesundheitspolitik, Standesvertretungen und Versorgung zusammen. Das Treffen dient traditionell dem Austausch und der Förderung der sektorenübergreifenden Vernetzung im baden-württembergischen Gesundheitswesen.
Die Gastgeberin, Dr. Doris Reinhardt (KVBW), eröffnete den Sommerempfang mit einer Begrüßungsrede, in der sie die Rolle der Selbstverwaltung in einem krisenfesten und zukunftsorientierten Gesundheitssystem hervorhob. Sie betonte die Notwendigkeit, berufsübergreifend zusammenzuarbeiten, um nachhaltige Versorgungsstrukturen für die Menschen im Land sicherzustellen.
Auch Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha war anwesend und wandte sich mit einem Grußwort an die Gäste. In seiner Ansprache würdigte er die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Heilberufekammern und KVen als verlässliche Partner der Landesregierung. Er betonte die Bedeutung gemeinsamer Strategien zur Sicherung der Versorgung und stellte dabei das Wohl der Patient*innen in den Mittelpunkt.
Die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK BW) war in diesem Jahr durch ihren Vizepräsidenten Martin Klett, Vorstandsmitglied Dorothea Groschwitz sowie durch Mitglieder der Vertreterversammlung bzw. der Ausschüsse der LPK BW vertreten. Aus dem Hauptamt waren Christian Dietrich und Stephanie Tessmer-Petzendorfer vor Ort.
v. l. n. r.: Dr. Torsten Tomppert (Präsident der LZK BW), Dr. Doris Reinhardt (stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW), Martin Klett (Vizepräsident der LPK BW), Manfred Lucha (Minister für Soziales und Integration), Dr. Wolfgang Miller (Präsident der LÄK BW)
In persönlichen Gesprächen mit Vertreter*innen anderer Kammern sowie der Politik konnten aktuelle berufspolitische Themen und Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung angesprochen werden. Besonderes Augenmerk lag auf der Sicherstellung einer umfassenden, wohnortnahen psychotherapeutischen Versorgung sowie auf Fragen der Honorierung und Nachwuchssicherung im Berufsfeld.
In einer offenen und kollegialen Atmosphäre wurden bestehende Kontakte gepflegt und neue Vernetzungen geknüpft – ganz im Sinne eines starken, koordinierten Gesundheitssystems für Baden-Württemberg.
Erste Kreispsychotherapeutenschaft Baden-Württembergs in Ulm gegründet
Am 1. Juli 2025 fand die erste konstituierende Kreisversammlung der Kreispsychotherapeutenschaft Ulm statt.
Als erste Modellregion wird der Stadtkreis Ulm damit auf regionaler Ebene durch zwei gewählte Vorsitzende vertreten. Bei über 30 Grad wählten die etwa 20 anwesenden Mitglieder Daniel Fürstenberg zum Vorsitzenden und Dominik Rotter zu seinem Stellvertreter. Beide sind als Psychologische Psychotherapeuten approbiert.
Zu den erklärten Zielen zählen, so Daniel Fürstenberg, vorrangig die Vernetzung der örtlich vertretenen Mitglieder sowie der interdisziplinäre und interprofessionelle Austausch. In einem ersten Gespräch wurden gemeinsam mit den anwesenden Mitgliedern erste Zielsetzungen besprochen und festgehalten, dass ein nächstes Treffen der Kreispsychotherapeutenschaft Ulm noch in diesem Jahr geplant werden soll. Bei dann hoffentlich gemäßigteren Temperaturen hoffe man auf weitere Mitglieder und ein breites Interesse am kollegialen Austausch.
Durch den Abend führte bis zur Wahl des Kreisvorsitzenden Dr. Dietrich Munz als Kammerpräsident für den Vorstand. Ebenfalls für den Vorstand der LPK BW vertreten waren auch Dr. Erik Nordmann und Petra Neumann, die selbst aus Ulm stammt, sowie aus der Geschäftsstelle der LPK Eva Dasbach, Sarah Jeskulke und Sonja Nahedh, die für eine reibungslose Organisation sorgten.
v. l. n. r.: Dr. Erik Nordmann, Dominik Rotter, Daniel Fürstenberg, Petra Neumann, Dr. Dietrich Munz
Zahl der zugelassenen Weiterbildungsstätten wächst kontinuierlich
Die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg freut sich über die stetig zunehmende Zahl an Weiterbildungsstätten, die in den vergangenen Monaten zugelassen bzw. in das öffentlich zugängliche Verzeichnis aufgenommen werden konnten.
Die Umsetzung der neuen Weiterbildungsordnung für Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten nimmt weiter Fahrt auf.
Mit großem Engagement begleiten wir die Einrichtungen im Zulassungsverfahren und stehen beratend zur Seite. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir mit weiteren Zulassungen.
Das Weiterbildungsstätten-Verzeichnis ist auf der Kammer-Homepage unter der Rubrik „Weiterbildung – Psychotherapeut*innen – Verzeichnisse Weiterbildungsstätten“ zu finden.
Umgang mit Bedrohungssituationen und Aggression in der Psychotherapie: Bericht über die Online-Fortbildung der LPK BW am 6. Mai 2025
Am Dienstag, den 6. Mai 2025 veranstaltete die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK BW) eine themenspezifische Online-Fortbildung zum Thema „Umgang mit Bedrohungssituationen und Aggression in der Psychotherapie“. Anlass war unter anderem das tragische Tötungsdelikt an einer Kollegin in Offenburg, das in der psychotherapeutischen Fachwelt große Bestürzung ausgelöst und zentrale Fragen nach dem eigenen Schutz und professionellen Umgang mit Bedrohungslagen aufgeworfen hat.
Dr. Munz richtet das Grußwort an die Teilnehmer*innen.
Als Referenten konnte die Kammer Prof. Dr. med. Tilman Steinert gewinnen, einen ausgewiesenen Experten im Bereich Gewalt und Aggression in psychiatrischen Kontexten. Prof. Steinert war langjähriger Ärztlicher Direktor der Klinik Weissenau/ZfP Südwürttemberg und maßgeblich an der Entwicklung der DGPPN-Leitlinie „Therapeutische Maßnahmen bei aggressivem Verhalten“ beteiligt.
Prof. Dr. med. Tilman Steinert
In seinem Vortrag vermittelte Prof. Steinert einen kompakten Überblick über bekannte Risikofaktoren, Täter- und Therapeutenmerkmale sowie die Grenzen statistischer Erfassbarkeit aggressiver Vorfälle in der ambulanten Psychotherapie. Dabei hob er hervor, dass systematische Daten über die Häufigkeit verbaler oder tätlicher Übergriffe gegen Psychotherapeut*innen im niedergelassenen Bereich bislang fehlen. Dennoch verdeutlichte er, dass bestimmte Konstellationen – etwa Übertragungsphänomene, enttäuschte Erwartungen oder kränkende Interventionen – zu erhöhtem Konfliktpotenzial führen können. Auch bestimmte Störungsbilder (u. a. Schizophrenien, Persönlichkeitsstörungen des Clusters B, Substanzmissbrauch) gelten als Risikofaktoren.
Besonders praxisnah wurde es im zweiten Teil der Veranstaltung, in dem konkrete Fragen und Fallbeispiele der Teilnehmer*innen diskutiert wurden.
Dabei standen unter anderem der Umgang mit stalkingähnlichem Verhalten nach Therapieende, verbale Bedrohungen im öffentlichen Raum sowie präventive Maßnahmen zum Selbstschutz im Mittelpunkt. Prof. Steinert thematisierte Handlungsoptionen in Akutsituationen ebenso wie rechtliche Möglichkeiten, etwa das Einschalten der Polizei bei persistierenden Grenzverletzungen.
Vorstandsmitglied Dr. Erik Nordmann moderiert die Veranstaltung.
Klimakommission im Gespräch
Am 27. Mai 2025 veranstaltete die Klimakommission der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK BW) eine offene Online-Gesprächsrunde mit den Kammermitgliedern unter dem Titel „Klimakommission im Gespräch“. Ziel der Veranstaltung war es, nicht nur die Klimakommission den Kammermitgliedern vorzustellen, sondern auch einen offenen Dialog mit den Mitgliedern über Anliegen, Erwartungen und Anregungen zur klima- und umweltbezogenen Arbeit innerhalb der Psychotherapeutenschaft zu ermöglichen.
Rund 30 Mitglieder nahmen an der Online-Veranstaltung teil. Die Moderation übernahm Anke Hofmann, Mitglied und Sprecherin der Klimakommission.
Zu Beginn begrüßte Kammerpräsident Dr. Dietrich Munz die Anwesenden und gab einen kurzen Überblick zur Entstehungsgeschichte und zum Hintergrund der Klimakommission. Im Anschluss daran stellte Frau Anke Hofmann die Zielsetzung und das Selbstverständnis der Kommission vor.
Daraufhin hatten die Mitglieder der Klimakommission – Stephanie Gall, Monika Stöhr, Prof. Dr. Eric Pfeifer, Anne-Marie Scholz, Dr. Erik Nordmann; Detlef Hielscher und Anke Hofmann – die Gelegenheit, sich vorzustellen und ihre persönlichen Beweggründe für die Mitarbeit in der Kommission zu teilen. Dies ermöglichte einen Einblick in die vielfältigen Perspektiven und fachlichen wie persönlichen Motivationen, mit denen sich die Mitglieder dem Themenfeld widmen.
v. l. n. r.: Stephanie Gall, Monika Stöhr, Prof. Dr. Eric Pfeifer (online zugeschaltet), Anne-Marie Scholz, Dr. Dietrich Munz, Dr. Erik Nordmann; vorne: Detlef Hielscher, Anke Hofmann – Foto aus der 1. Sitzung der Klimakommission
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung folgten zwei fachliche Impulse: Monika Stöhr sprach zum Thema „Therapeutische Haltung in der Klimakrise“, gefolgt von einem Beitrag von Prof. Dr. Eric Pfeifer mit dem Titel „Klima(krise) – Natur – Psychotherapie: Historische, empirische und praktische Annäherungen“. Beide Vorträge stießen auf großes Interesse und bildeten den Ausgangspunkt für eine lebendige Diskussion mit den Teilnehmenden.
In einem offenen Dialograum konnten Fragen gestellt und Rückmeldungen gegeben werden, wodurch ein anregender Austausch zwischen den Kommissionsmitgliedern und den Kammerangehörigen entstand. Deutlich wurde dabei das große Interesse an der Thematik sowie der Wunsch nach weiterer aktiver Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Klima und Psychotherapie innerhalb der Kammer.
Zum Abschluss wurde ein Ausblick auf die weiteren Aktivitäten der Kommission sowie auf den kommenden Landespsychotherapeutentag gegeben. Die Anwesenden wurden eingeladen, ihre Wünsche, Erwartungen und Ideen für die zukünftige Arbeit der Kommission einzubringen.
Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmenden einhellig begrüßt und bestärkte die Klimakommission in ihrem Anliegen, den Dialog mit den Kammermitgliedern fortzusetzen und weiter auszubauen.