Ausgabe 3/2025

Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein

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Liebe Kolleg*innen,

es herrscht weiter Krieg. In der Ukraine und an vielen anderen Orten in der Welt.

Der Klimawandel wird zunehmend deutlich und bedroht die Menschheit insgesamt und viele Menschen ganz besonders.

Eigentlich könnte ich nun aufhören zu schreiben. Alles Weitere erscheint belanglos.

Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht sind es ja die alltäglichen Aktivitäten, das Arbeiten an Zielen, die Umsetzung von Werten, welche dazu beitragen, kleine und große Änderungsprozesse anzustoßen. Daher nun ein paar Informationen aus der PKSH.

Die Wahlen zur Kammerversammlung sind abgeschlossen. Technisch hat alles reibungslos funktioniert. Leider ist die Wahlbeteiligung mit etwas mehr als 30 % deutlich unter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Wir werden daraus sicher die Konsequenz im neuen Vorstand ziehen, um die Kammer bei den Mitgliedern noch bekannter zu machen und auch noch deutlicher hervorzuheben, warum „unsere Kammer“ für alle Mitglieder wichtig ist und zukünftig noch bedeutsamer werden wird.

Beide Listen haben wieder neun Kammerversammlungssitze erhalten. Damit stellt sich wie in der letzten Legislaturperiode die Frage, wie der neue Vorstand mit welchen Personen besetzt werden kann. Anfang September findet (nach Redaktionsschluss) die konstituierende Kammerversammlung statt. In dieser werden dann das Präsidium und alle Mitglieder des Vorstands gewählt. Es ist zu hoffen, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann.

In den letzten Monaten wird auf Bundesebene das Thema „Psychosoziale Notfallversorgung“ zunehmend bedeutsamer. Wir sind als Psychotherapeut*innen aufgefordert, bei Notfallereignissen, also z. B. nach Naturkatastrophen, Terrorakten, aber auch bei kriegsbedingten Ereignissen psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung für Betroffene und Einsatzkräfte zu leisten. Damit dies gut gelingt, müssen tragfähige Strukturen geschaffen und verbindliche Vorgehensweise entwickelt werden. Die PKSH ist auf Landesebene bereits seit vielen Jahren in diesem Arbeitsfeld aktiv.

Ein weiteres Thema, welches die PKSH beschäftigt, ist, wie es gelingen kann, mehr Kolleg*innen zu motivieren und zu qualifizieren, sich im Bereich der Gutachtenerstellung im Zusammenhang mit unterschiedlichen Problemlagen zu engagieren. Hier gibt es einen zunehmenden Bedarf von Behörden, Gerichten usw. nach qualifizierten Gutachter*innen mit hoher psychotherapeutischer Kompetenz.

Erfreulicherweise steigt die Anzahl der Anträge auf Zulassung als Weiterbildungsstätte und Weiterbildungsbefugte. Dennoch sind wir weit vom Ziel entfernt, allen approbierten Psychotherapeut*innen nach neuem Recht aus Schleswig-Holstein auch in unserem Bundesland eine Weiterbildungsperspektive zu ermöglichen. Viele Einrichtungen und viele niedergelassene Kolleg*innen sind weiter sehr interessiert; solange es aber keine tragfähigen Finanzierungsmodelle gibt, wird es auch keine ausreichende Zahl an Weiterbildungsplätzen geben. Hier müssen wir als PKSH weiter aktiv sein und vor allem die Bundespsychotherapeutenkammer unterstützen.

Nachdem der Sommer im Norden fast ausgefallen ist, wünsche ich nun allen einen schönen Herbst.

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Ihr
Dr. phil. Dipl.-Psych. Clemens Veltrup

Rückblick zum 10. Norddeutschen Psychotherapietag

„Multimediale Diagnostik – zur Differentialdiagnostik der Selbstdiagnosen“ – das war das Motto des diesjährigen Norddeutschen Psychotherapietages, der am 7. Juni 2025 in der Hansestadt Lübeck stattfand.

Die Vorbereitungsgruppe, bestehend aus Dr. Björn Riegel und Birte Ernst aus dem Vorstand der PKSH sowie Judith Beckmann und Christine Dickenhorst-Grittner, engagierte Kammermitglieder, hat sich entsprechend dem überlegten Motto „auf den Weg gemacht“ und ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Der Einladung zur Teilnahme folgten insgesamt 115 Kolleg*innen.

Am Vormittag gab es zwei Vorträge, die einen Überblick über neue Erkenntnisse zur Diagnostik und zur Therapie gaben. Der erste Vortrag wurde von Dr. med. Lenka Staun (Berlin) gehalten. Sie berichtete über neue psychotherapeutische Ansätze mit „Mentalisieren bei ADHS“. In diesem motivierenden Vortrag machte sie Lust auf mentalisierungsbasierte Gruppentherapien, die sie derzeit in einer Pilotstudie mit ADHS-Betroffenen mit guten, vielversprechenden Ergebnissen macht.

Im zweiten Vortrag referierte Oliver Schubbe (Berlin) zu „Neuigkeiten bei der Dissoziativen Identitätsstörung“. Mit Witz und kleinen Anmerkungen ist Herr Schubbe auf den Gehalt der Informationen zu psychischen Erkrankungen im Internet eingegangen, hat die Wirkung von TikTok auf Selbstdiagnosen, aber auch Entstigmatisierung kritisch beleuchtet.

Blick ins Plenum (Foto: Michael Wohlfarth)

Blick ins Plenum
(Foto: Michael Wohlfarth)

Am Nachmittag gab es dann die Möglichkeit einzelne Themen in einem Workshop zu vertiefen. Neben der Mentalisierung bei ADHS im Erwachsenenalter mit Frau Dr. med. Staun, gab es die Möglichkeit, sich mit dem Thema Autismus und Neuerungen im ICD-11 sowie deren Bedeutung für Diagnostik und Therapie mit Dipl.-Psych. Diane Will (Oldenburg i. H.), dem Thema Geschlechtsidentitäten und Geschlechtsdysphorie in der psychotherapeutischen Praxis mit Dr. Inken Tödt (Kiel), Psychotherapie bei Post-Covid-Syndrom mit PD Dr. Dieter Benninghoven (Bad Malente) oder der prozessorientierten Traumaverarbeitung am Beispiel von Brainspotting mit Herrn Schubbe vertieft auseinanderzusetzen. Alle fünf Workshops wurden gut angenommen und die Rückmeldungen, die wir von den Teilnehmenden erhalten haben, waren im Durchschnitt durchgängig positiv.

Neben dem fachlichen Austausch ist für uns beim Norddeutschen Psychotherapietag auch immer die persönliche Begegnung wichtig. Wir freuen uns immer sehr, dass so viele Kolleg*innen kammerübergreifend aus dem gesamten norddeutschen Raum zusammenkommen, um sich auszutauschen und sich als Mitglied der Psychotherapeutenkammer zu erleben. In der extra dazu ausgedehnten Mittagspause erlebten wir freudige Begegnungen, interessante Diskussionen, freundschaftliche, kollegiale Momente und Möglichkeiten zur Vernetzung.

Für uns insgesamt ein gelungener Tag und wir freuen uns schon sehr darauf, im kommenden Jahr wieder einen so bereichernden und vernetzenden Tag für Sie zu organisieren und mit Ihnen verbringen zu können – wie immer, am ersten Samstag im Juni.

Ihr Vorbereitungsteam und der Vorstand der PKSH

Birte Ernst, Vizepräsidentin
Dr. Björn Riegel, Vorstandsmitglied


Bericht vom 10. Norddeutschen Psychotherapietag in Lübeck aus der Sicht eines Teilnehmers

Der 10. Norddeutsche Psychotherapietag am 7. Juni 2025 in Lübeck war von der Vorbereitungsgruppe anspruchsvoll vorbereitet und organisiert. Wie bereits im Vorjahr war das Hotel Park Inn ein Tagungsort mit optimal geeigneten Räumlichkeiten. Das Personal verdient ein großes Lob für die exzellente Unterstützung und Bewirtung, die den Rahmen der Veranstaltung perfekt abrundeten.

Und das Programm konnte sich wirklich sehen lassen. Eine Vielzahl interessanter und spannender Themen:

Dr. med. Lenka Staun begeisterte mit ihrem Vortrag „Mentalisieren bei ADHS – neue psychotherapeutische Ansätze“. Sie kam direkt von einem großen Kongress aus den USA, wo intensiv über ADHS diskutiert wurde, was ihren Vortrag besonders aktuell und fundiert machte. Am Nachmittag gab es passend dazu einen vertiefenden Workshop.

Besonders interessant fand ich auch den Beitrag von Oliver Schubbe zum Thema „Neues zur Dissoziativen Identitätsstörung“. Als Systemischer Therapeut konnte ich in seinem Workshop am Nachmittag wertvolle Verknüpfungsmöglichkeiten entdecken. Als besonderes „Bonbon“ gab es für uns die CD „Echoes“ von Gerald Pink, Musik zur bilateralen Stimulation.

Die weiteren drei Workshops am Nachmittag rundeten das qualitativ hochwertige Angebot ab:

  • PD Dr. Dieter Benninghoven: „Psychotherapie bei Post-Covid-Syndrom“,

  • Dr. Inken Tödt: „Geschlechtsidentitäten in der psychotherapeutischen Praxis“,

  • Diana Will: „Autismus-Neuerungen in der ICD-11 und deren Bedeutung für Diagnostik und Therapie“.

Neben den fachlichen Impulsen war auch der Austausch mit bekannten sowie neuen Kolleginnen und Kollegen ein wichtiger und bereichernder Aspekt des Tages.

Insgesamt war es ein sehr gelungener Tag. Für das Vorbereitungsteam des nächsten Psychotherapietages wird es keine leichte Herausforderung sein, eine ähnlich hohe Qualität erneut zu erreichen!

Uwe Lindemann
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut (Systemische Therapie)


69. Kammerversammlung der PKSH am 2. Juli 2025

Zu Beginn dieser letzten Kammerversammlung der laufenden Wahlperiode (2020–2025) würdigte Herr Dr. Veltrup als Präsident das langjährige ehrenamtliche Engagement von Frau Dr. Nierobisch, die bei der Kammerwahl 2025 nicht wieder kandidiert hat. Frau Dr. Nierobisch gehörte der Kammerversammlung von Beginn an an und war unter anderem neun Jahre lang Vizepräsidentin und in weiteren Gremien aktiv.

Dr. Angelika Nierobisch (links), Dr. phil. Clemens Veltrup (rechts) (Foto: Michael Wohlfarth)

Dr. Angelika Nierobisch (links), Dr. phil. Clemens Veltrup (rechts)
(Foto: Michael Wohlfarth)

Unter dem TOP „Rückblick auf die Wahlperiode 2020–2025“ gaben die Vorstandsmitglieder einen ausführlichen Rückblick über ihre Tätigkeit in der zu Ende gehenden Periode. Gefolgt wurde dieser durch Berichte aus den Ausschüssen und von Beauftragten sowie den Bericht des Geschäftsführers.

Sodann wurde der Bericht des Wirtschaftsprüfers zur Jahresrechnung 2024, der die Ordnungsmäßigkeit der Jahresrechnung und eine sparsame und wirtschaftliche Mittelverwendung bescheinigte, zustimmend zur Kenntnis genommen und der Vorstand einstimmig entlastet.

Da die Kammerversammlung auch oberstes Beschlussgremium des Versorgungswerkes der PKSH ist, wurden in drei getrennten Wahlgängen die drei Mitglieder des Verwaltungsrates der berufsständischen Alterssicherung einstimmig wiedergewählt. Es sind dies Dr. Kraus aus der Kanzlei CausaConcilio sowie die Kammermitglieder Frau Dr. Nierobisch und Herr Dr. Rogner.

Eine mögliche Änderung der Entschädigungs- und Kostenerstattungsordnung wurde auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen verschoben.

Zum Thema Weiterbildung konnte der Präsident erfreulicherweise mitteilen, dass mit der Schönklinik Bad Bramstedt die erste Weiterbildungsstätte für den stationären Bereich anerkannt werden konnte.

Michael Wohlfarth
Geschäftsführer


Kammerwahl der PKSH

In der Zeit vom 19. Juni 2025 bis zum 10. Juli 2025 fanden zum sechsten Mal Wahlen zur Kammerversammlung statt. Der Vorstand der PKSH hatte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Wahlen als reine Onlinewahl durchzuführen.

Die Wahlbeteiligung unter den rund 2.900 Mitgliedern lag am Ende bei knapp 32 %. Der Wahlvorstand unter Leitung des Justiziars, RA Andreas Kühnelt, konnte am Abend des 10. Juli 2025 bereits zehn Minuten nach Ende der Wahlzeit das Ergebnis feststellen. Die beiden zur Wahl angetretenen Listen hatten lediglich eine Differenz von gut 80 Stimmen und besetzen damit jeweils die Hälfte der 18 Sitze in der Kammerversammlung. Erstmals wurde nicht mehr nach Wahlgruppen (PP/KJP) gewählt. Zu den Einzelheiten siehe eine News auf der Website der PKSH (www.pksh.de/2025/07/11/kammerwahl-2025-der-pksh-die-mitglieder-haben-gewaehlt/).

Zwölf Mitglieder der Kammerversammlung sind wiedergewählt worden, sechs sind erstmals in diesem Gremium. Die konstituierende Sitzung mit Wahl des Vorstandes und der Ausschüsse fand (nach Redaktionsschluss) am 5. September 2025 statt.

Michael Wohlfarth
Geschäftsführer


Erste Weiterbildungsstätten in Schleswig-Holstein und weitere Entwicklungen der neuen Weiterbildung

Die PKSH hat im Juni und Juli 2025 erstmals zwei Weiterbildungsstätten mit den jeweiligen Befugten zugelassen. Für den stationären Versorgungsbereich handelt es sich dabei um die Schön Klinik Bad Bramstedt, für den ambulanten Versorgungsbereich um das Institut für Verhaltenstherapie und Psychosomatische Medizin der Schön Klinik Bad Bramstedt. Der vom Vorstand berufene Akkreditierungsausschuss hat demnach seine Arbeit vertieft aufgenommen und tagt regelmäßig antragsbezogen, um dem Vorstand eine Empfehlung hinsichtlich der Akkreditierungen auszusprechen. Dabei werden u. a. auch Anträge auf Eignung von Supervisor*innen und Selbsterfahrungsleiter*innen geprüft, die vom Vorstand ebenfalls beschieden wurden.

Zudem hat der Prüfungsausschuss der PKSH für das Gebiet „Psychotherapie für Erwachsene“ im Verfahren „Verhaltenstherapie“ Ende Juni die erste Prüfung zur Fachpsychotherapeut*in abgenommen, die bestanden wurde. Es handelte sich dabei um eine Weiterbildung, die im Ausland absolviert wurde und im Wege einer Anerkennungsmöglichkeit im Rahmen des Heilberufekammergesetzes erfolgte. Die PKSH gratuliert der ersten Fachpsychotherapeutin Schleswig-Holsteins herzlich.

Nachdem im Koalitionsvertrag der 21. Legislaturperiode von CDU, CSU und SPD die Sicherstellung der Weiterbildungsfinanzierung der Psychotherapie vereinbart wurde, hat die Gesundheitsministerkonferenz im Juni einen für die Finanzierung der Weiterbildung richtungsweisenden Beschluss gefasst, den die PKSH dankend als positives Zeichen wertet: Die Minister*innen und Senator*innen für Gesundheit der Länder fordern in diesem Beschluss den Bund auf, zeitnah die erforderlichen Regelungen zur ausreichenden Finanzierung der Weiterbildung der Psychotherapeut*innen zu treffen. Dabei soll klargestellt werden, dass auch die Kosten der Supervision, der Theorie und Selbsterfahrung zu berücksichtigen sind (vgl. www.gmkonline.de/Beschluesse.html?id=1704&jahr=2025).

Am 16. Juli 2025 fand die jährlich stattfindende Mitgliederversammlung des Paktes für Gesundheits- und Pflegeberufe 2025 statt, bei der die PKSH von Frau Dr. Bern vertreten wurde. Die PKSH hat im letzten Jahr das Projekt „Neue Weiterbildung für Psychotherapeut*innen“ beim Pakt für Gesundheits- und Pflegeberufe des Ministeriums für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein eingereicht. Es wurde bereits in unterschiedlichen PTJ-Ausgaben 2024 und 2025 darüber berichtet. Nach einer Begrüßung von Frau Prof. Dr. von der Decken, Ministerin für Justiz und Gesundheit, stellte zunächst der in Schleswig-Holstein kürzlich sein Amt angetretene Staatssekretär, Dr. Tauras, den Status quo des Paktes vor. Dabei wurde sehr präsent und ausführlich über das Projekt „Neue Weiterbildung für Psychotherapeut*innen“ berichtet. Die PKSH bedankt sich herzlich beim Ministerium für Justiz und Gesundheit für die große Unterstützung im Hinblick auf die Umsetzung der Weiterbildung.

Die PKSH wird mit der Abteilung für Weiterbildung weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen, um potenziellen Weiterbildungsbefugten und -stätten bei der Beantragung zu helfen. Die Anträge sowie Begleitinformationen finden sich auf der Internetseite der PKSH. Es ist auch weiterhin möglich, einen persönlichen Beratungstermin außerhalb unserer Sprechzeiten zu vereinbaren. Bitte wenden Sie sich an Frau Dr. Bern und Frau Saddo unter weiterbildung@pksh.de.

Dr. jur. Christina Bern
Leiterin Abteilung Weiterbildung


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