Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hamburg
Gemeinsam gegen Einsamkeit: 7. Tag der seelischen Gesundheit
Auf dem diesjährigen Tag der seelischen Gesundheit, den die Psychotherapeutenkammer mit der Ärztekammer am 24. September 2025 bereits zum 7. Mal ausgerichtet hat, diskutierten über 120 Teilnehmende zum Thema Einsamkeit – über Ursachen, Auswirkungen und therapeutische Zugänge.
Die Veranstaltung wurde eröffnet durch Dr. Martin Eichenlaub, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Hamburg. Tim Angerer, Staatsrat der Sozialbehörde, sprach ein Grußwort. Beide Redner betonten die Relevanz des Themas – gerade in und nach der Pandemiezeit – und die zentrale Rolle von Psychotherapie und Medizin, Wege aus der Einsamkeit aufzuzeigen. Staatsrat Tim Angerer konstatierte, dass Einsamkeit heute nicht mehr als Schwäche, sondern als ernsthafte psychische Belastung anerkannt wird.
Durch das Programm führte Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer, die mit einer einordnenden Einführung den Rahmen für die vielfältigen Beiträge schuf. Und das inhaltliche Programm war reich gefüllt: Prof. Dr. Sonia Lippke (HAW Hamburg) stellte in ihrem Vortrag das Phänomen aus wissenschaftlicher Perspektive dar. Einsamkeit sei ein subjektiv erlebter Zustand, der sich deutlich von sozialer Isolation unterscheide. Sie könne vielfältige Folgen haben – von kognitiven und affektiven Störungen über somatische Erkrankungen bis zu erhöhter Suizidalität. Aktuell fühlen sich laut Statista rund 50 Prozent der Menschen in Deutschland einsam. Lippke betonte die Bedeutung personenzentrierter, empathischer und niedrigschwelliger Interventionen, die soziale Kompetenzen fördern und Sinnhaftigkeit stärken – etwa durch Bewegung, Meditation oder Gruppenerfahrungen.
Präsidentin Heike Peper mit Staatsrat Tim Angerer (links) und Dr. Martin Eichenlaub, Vorstandsmitglied der Ärztekammer
Anschließend beleuchtete PD Dr. Carola Bindt (UKE) das Thema aus bindungstheoretischer Perspektive und zeichnete im zweiten Vormittagsvortrag den Wandel hin zum Konzept des epistemischen Vertrauens nach: Psychotherapie könne dazu beitragen, Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen wiederherzustellen und damit soziale Lernprozesse zu ermöglichen. So werde Einsamkeit nicht nur als Symptom, sondern auch als Ausgangspunkt für Entwicklung und Verbindung verstanden.
Am Nachmittag sprach Dr. med. Jennifer Anders über den „Wunsch nach Nähe auf Distanz im Alter“ und lenkte den Blick auf die besonderen Herausforderungen im höheren Lebensalter. Ein besonderes Highlight des Nachmittags bildeten zudem die Workshopangebote, die den Teilnehmenden einen praxisnahen Zugang sowie einen intensiven Austausch zum Thema ermöglichten.
Rund 120 Teilnehmende trafen sich in der AlsterCity, folgten den Vorträgen und arbeiteten im Anschluss in verschiedenen Fachworkshops.
Der gelungene Fachtag endete mit dem Resümee, dass Einsamkeit kein Randthema mehr ist und in den therapeutischen Fokus gehört, um psychische und körperliche Gesundheit langfristig zu stärken.
KM/HP
Diskriminierungssensible Psychotherapie: Rückblick auf den Fachworkshop vom 20. September 2025
Am 20. September 2025 erhielten die Teilnehmenden des Fachworkshops zum Thema diskriminierungssensible Psychotherapie Anstöße für eine fachliche und persönliche Auseinandersetzung mit Diskriminierungserfahrungen und den psychischen und körperlichen Folgen. In der ersten Veranstaltungshälfte gaben die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Christina Schütteler und der Psychologische Psychotherapeut Dr. Timo Slotta einen fundierten Überblick über verschiedene Arten von Diskriminierung – wie u. a. Sexismus, Rassismus, Klassismus oder Ableismus – und erläuterten das Konzept der Intersektionalität. Dabei wurden die Wechselwirkungen zwischen individuellen Identitätsmerkmalen, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und strukturellen Ausschlussmechanismen herausgearbeitet. Ebenso thematisierte das Referent*innen-Duo die verschiedenen Ebenen, auf denen Diskriminierung auftreten und wirksam werden kann (strukturell, institutionell, interpersonell und intrapsychisch).
Die dargestellten theoretischen und empirischen Befunde verdeutlichten, dass Personen, die marginalisierten Gruppen angehören, ein signifikant erhöhtes Risiko für psychische und somatische Belastungen aufweisen. Aktuelle Studien belegen konsistent den Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und einer Verschlechterung der psychischen sowie körperlichen Gesundheit. Dies unterstreicht die Relevanz einer diskriminierungssensiblen Gesundheitsversorgung – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Diskriminierungstendenzen auch innerhalb des Versorgungssystems selbst reproduziert werden können.
Dr. Christina Schütteler und Dr. Timo Slotta schufen eine offene und fehlertolerante Atmosphäre, die den gesamten Fachworkshop begleitete und es den Teilnehmenden ermöglichte, eigene Erfahrungen zu teilen und kritisch zu reflektieren. In mehreren praktischen Übungen tauschten sich die Teilnehmenden zu eigenen Wahrnehmungen, Haltungen und Erfahrungen aus. Folgende Fragen waren Teil der Arbeit: Wie können wir uns einer diskriminierungssensiblen Praxis nähern, welche Mikroaggressionen können therapiespezifisch auftreten, wie können wir uns diese bewusst machen und in konstruktiver Weise bearbeiten?
V. l. n. r.: Dr. Christina Schütteler und Dr. Timo Slotta mit Kammerpräsidentin Heike Peper und Dr. Eva Kleinemeier-Thundiyil, die als Vorsitzende des Ausschusses für Diversität und Antidiskriminierung die Moderation innehatte.
Der fundierte Input und der intensive kollegiale Austausch trugen wesentlich zur Ermutigung bei, Mikroaggressionen und Brüche in der therapeutischen Beziehung bewusster wahrzunehmen und Wege zu entwickeln, diese professionell anzusprechen und aufzulösen.
KM
Wichtiger Beitrag zur gerechteren und inklusiven Gesundheitsversorgung von Geflüchteten – zehn Jahre SEGEMI und acht Jahre Dolmetschpool
Auf der Tagung, die der Verein SEGEMI (Seelische Gesundheit Migration und Flucht e. V.) gemeinsam mit der Psychotherapeutenkammer Hamburg am 12. September 2025 veranstaltete, gingen Fachleute aus Politik und Gesundheitswesen der Frage nach, wie psychisch belastete oder erkrankte Geflüchtete einen besseren Zugang zum Gesundheitssystem und zu einer adäquaten Behandlung bekommen können.
Unter dem Titel „Hamburger Dolmetschpool – ein bundesweites Zukunftsmodell für eine gerechtere Gesundheitsversorgung?“ wurden in Fachvorträgen und Diskussionsrunden unterschiedliche Perspektiven von Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Angehörigen der Heilberufe sowie Dolmetscher*innen dargestellt. Die Diskutierenden sprachen sich dafür aus, die Unterstützung durch qualifizierte Dolmetschende zu einer gesetzlich verankerten Regelleistung zu entwickeln, um sie bundesweit zugänglich zu machen.
Kammerpräsidentin Heike Peper möchte mehr Psychotherapeut*innen zur dolmetschgestützten Arbeit motivieren (Foto: Heike Günther, SEGEMI).
Ergänzt wurde das Programm durch einen Erfahrungsbericht einer ehemaligen Patientin über die positive Wirkung dolmetschgestützter Psychotherapie.
Der Verein SEGEMI erfuhr viel Lob und Ansporn für seine Arbeit. Der Hamburger Dolmetschpool, der u. a. mit Unterstützung der Psychotherapeutenkammer Hamburg gegründet wurde, gilt als „Leuchtturmprojekt“. Heute stehen professionell Dolmetschende mit über 50 Sprachen zur Verfügung. Psychotherapeutische Praxen können das Angebot des Dolmetschpools kostenfrei in Anspruch nehmen.
Nähere Informationen zum Dolmetschpool gibt es auf der Website von SEGEMI.
KM/HP
Hamburger Heilberufekammern treffen Politik und Medien
Am 3. September 2025 fand im Hafen-Klub an den Landungsbrücken der vierte politische Sommerabend der Hamburger Heilberufekammern statt. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, direkt nach der Sommerpause mit Politiker*innen, Medienvertreter*innen und weiteren Akteur*innen des Gesundheitswesens in den Austausch zu treten.
Thematisch ging es auf der diesjährigen Veranstaltung um die Erwartungen und Herausforderungen rund um die elektronische Patientenakte (ePA) – insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende „Befüllungspflicht“ ab dem 1. Oktober 2025.
Vor rund 100 Gästen hob Senatorin Melanie Schlotzhauer in ihrem Grußwort hervor, dass die Vorteile der Digitalisierung für alle Beteiligten noch greifbarer werden müssten. Sie rief dazu auf, die Einführung der ePA aktiv mitzugestalten und so zu ihrem Erfolg beizutragen.
Die Kammerpräsident*innen mit der Sozialsenatorin, v. l. n. r.: Dr. Pedram Emami (Ärztekammer), Heike Peper (Psychotherapeutenkammer), Holger Gnekow (Apothekerkammer), Senatorin Melanie Schlotzhauer, Konstantin von Laffert (Zahnärztekammer) und Dr. Susanne Elsner (Tierärztekammer) (Foto: Jost Fink, PTK HH)
In der anschließenden Gesprächsrunde mit den Präsident*innen der fünf Hamburger Heilberufekammern standen neben dem Wunsch nach einem reibungslosen Versorgungsalltag mit der ePA sowie den daraus resultierenden technischen Verbesserungsbedarfen auch die Chancen für die medizinische und pharmazeutische Versorgung im Mittelpunkt.
Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer, betonte, dass der Erfolg der ePA entscheidend von der Akzeptanz aller Beteiligten abhänge. Sorgen und Bedenken müssten ernst genommen und Probleme zeitnah gelöst werden. Zudem unterstrich sie die Bedeutung einer verständlichen Information der Versicherten, damit diese ihre Verantwortung im Hinblick auf die Speicherung ihrer Daten und den Umgang mit Zugriffsrechten sicher ausüben können.
KM/TM
100. Delegiertenversammlung – Jubiläum am 19. September 2025
Am 19. September 2025 kamen die Delegierten zum 100. Mal in der Kammergeschichte zusammen. Präsidentin Heike Peper eröffnete die Jubiläumssitzung und begrüßte neben den Delegierten die Gäste der Sozialbehörde und des Arbeitskreises PiA, (angehende) PtW und Psychotherapiestudierende in der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. Zudem hieß sie Niki von Salisch willkommen, die seit dem 1. September 2025 als Assistenz der Geschäftsführung und des Vorstandes in der Geschäftsstelle tätig ist. Heike Peper dankte der ausscheidenden Kollegin Wiebke Heinzel für die gute Zusammenarbeit.
Bericht des Vorstands
Zu Beginn berichtete der Vorstand zu den in den Sommermonaten stattgefundenen Aktivitäten sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Darunter waren u. a. der Runde Tisch des Hamburgischen Opferbeauftragen, der nach dem Messerangriff am Hauptbahnhof zweimal zusammenkam, sowie weitere Austausch- und Vernetzungstermine mit Krankenkassen, Politiker*innen und Behördenvertretungen. Heike Peper informierte darüber hinaus zum Umsetzungsstand des Hamburger Psychiatrieplans und berichtete vom Nordkammerntreffen, einem sehr produktiven Arbeitstreffen der Vorstände und Geschäftsführungen der Psychotherapeutenkammern Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Beim Rückblick auf kammereigene Veranstaltungen zog der Vorstand ein positives Fazit zum KJP-Tag zum Thema Kindeswohlgefährdung, zur Online-Fortbildung zum Berufsrecht, dem Politischen Sommerfest der Heilberufekammern sowie zum Symposium zum SEGEMI-Dolmetschpool. Vervollständigt wurde der Bericht des Vorstands mit einer Vorschau auf kommende Veranstaltungen im traditionell terminreichen Herbst.
Haushaltsplanung 2026
Es folgten die Erläuterungen zur Haushaltsplanung 2026. Vorstand und Haushaltsausschuss hatten den von der Geschäftsstelle vorgelegten Haushaltsentwurf zuvor diskutiert und ihm zugestimmt.
Bei der Kalkulation der Einnahmen konnte eine Minderung der Hebesätze des einkommensabhängigen Beitrags um 25 % vorgenommen werden. Geschäftsführerin Karen Walter erläuterte, dass diese Beitragsminderung aufgrund des sehr guten Jahresergebnisses 2024 vorgesehen sei. Neben einem aktuell noch anhaltenden Zuwachs an Mitgliedern sei die gute Haushaltslage auch einem guten Wirtschaften mit neuen digitalen Projekten und Prozessen zu verdanken. Karen Walter wies an dieser Stelle darauf hin, dass die Beitragsminderung ausschließlich für die Beitragserhebung 2026 gälte; für das Folgejahr 2027 müssten die Beitragsparameter Ende 2026 anhand der Haushaltsentwicklung erneut kalkuliert werden.
Die Beschlussvorlagen zum Haushalt und den Beiträgen 2026 wurden von der DV einstimmig angenommen.
Resolution
Heike Peper stellte die vom Vorstand vorgelegte Resolution mit dem Titel „Jetzt handeln: Für eine zukunftssichere Versorgung – gesetzliche Regelungen für eine ausreichende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung schaffen!“ vor. Anhand der Resolution entwickelte sich eine Diskussion zur aktuellen Situation von (angehenden) PtW und zur bundesweiten Entwicklung zu schaffender Weiterbildungsstellen. Heike Peper fasste die aus dem Plenum vorgetragenen Aspekte bezogen auf die Resolution zusammen und betonte abschließend die zentrale Forderung, das Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene zeitnah voranzutreiben. Die Resolution wurde einstimmig von den Delegierten verabschiedet.
Umsetzung der Weiterbildung
Der Vorstand informierte zum Umsetzungsstand der Weiterbildung in Hamburg (Stand 09/2025): acht zugelassene ambulante Weiterbildungsstätten mit zwölf Gebietsweiterbildungen und vier Bereichsweiterbildungen. Weitere Anträge befänden sich in Bearbeitung. In den bislang zugelassenen Weiterbildungsstätten seien grundsätzlich viele ambulante Weiterbildungsplätze geplant, in den meisten Weiterbildungsstätten sei allerdings ein sukzessiver Aufwuchs geplant. Für den stationären Bereich seien bisher noch keine Anträge eingegangen.
Ausschüsse, Kommissionen und Arbeitskreise
Anschließend berichteten die jeweiligen Vorsitzenden von der Arbeit der Ausschüsse, Kommissionen und Arbeitskreise. Karen Walter informierte aus der Geschäftsstelle u. a. zur Erweiterung der Box „Intervision“ im Internen Mitgliederbereich.
Gemeinsamer Ausklang
Nachdem Heike Peper die Sitzung geschlossen hatte, lud sie im Anschluss anlässlich der 100. DV zu einem gemeinsamen Ausklang mit Fotoshow und Sektempfang ein. Während im Hintergrund Bilder aus mehr als 20 Jahren Kammerarbeit Anlass für Austausch und Erinnerungen boten, nutzten die Delegierten und Gäste die Gelegenheit, um die Diskussion zu inhaltlichen Punkten fortzuführen.
Gemeinsamer Ausklang mit Fotoshow und Sektempfang
Hinweis: Die Resolution zur auskömmlichen Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung wurden zwischenzeitlich auf der Kammer-Website unter dem Menüpunkt „Aktuelles“ veröffentlicht.
WH/NvS/KM
Informationen zu Bekanntmachungen
Mit Inkrafttreten des geänderten Hamburgischen Kammergesetzes für die Heilberufe (HmbKGH) werden Neufassungen bzw. Änderungen von Ordnungen und Satzungen seit 2023 auf der Internetseite der Psychotherapeutenkammer veröffentlicht.
Folgende Änderungssatzungen unserer Ordnungen sind bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe verabschiedet, in Kraft getreten und auf der Kammerwebsite bekannt gemacht worden:
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7. Änderungssatzung Gebührenordnung (ab 05.11.2025 in Kraft getreten)
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1. Änderungssatzung Weiterbildungsordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeut*innen (ab 05.11.2025 in Kraft getreten)
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1. Änderungssatzung Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen (ab 05.11.205 in Kraft getreten)
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2. Änderungssatzung Haushalts- und Kassenordnung (ab 29.11.2025 in Kraft getreten)
Den aktuellen Stand finden Sie unter: https://ptk-hamburg.de/aktuelles/amtliche-bekanntmachungen/.