Mitteilungen der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn Sie diese Zeilen lesen, werden nach der Landtagswahl voraussichtlich die Verhandlungen laufen, welche Koalition die neue Landesregierung stellen wird. Der bisherige Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Manne Lucha hatte schon lange vor der Wahl angekündigt, dass er, nachdem er zehn Jahre Minister war, nicht mehr für den Landtag kandidieren wird.

Bevor er 2011 sein Landtagsmandat erringen konnte, war er jahrelang in der Sozialpsychiatrie tätig und u. a. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Gemeindepsychiatrischen Verbünde.

Mit ihm hatten wir einen Minister, der immer ein offenes Ohr für die Belange und Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen hatte. Während seiner Amtszeit wurden die tagesklinische Versorgung in psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern ausgebaut und in mehreren Landkreisen Traumaambulanzen eingerichtet.

Während der Coronapandemie initiierte das Ministerium in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) und der Landespsychotherapeutenkammer ein telefonisches Hilfsangebot für Menschen, die durch die Pandemie psychisch besonders belastet waren. Während und nach der Pandemie bis heute wurde insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen beobachtet, weshalb eine Erweiterung der stationären Versorgung in der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie erforderlich war und umgesetzt wurde.

Wir sind sehr gespannt, wer in der neuen Landesregierung als Minister*in die Leitung des Sozialministeriums übernehmen wird, und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.

Wir verbleiben mit kollegialen Grüßen

Ihr Kammervorstand

Dietrich Munz, Martin Klett, Dorothea Groschwitz, Petra Neumann und Erik Nordmann

Hilfen für traumatisierte Geflüchtete weiterhin nicht ausreichend: Landesärztekammer Baden-Württemberg legt gemeinsam mit der Landespsychotherapeutenkammer vierten Versorgungsbericht vor

Die psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung traumatisierter Geflüchteter in Baden-Württemberg bleibt weiterhin unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt der vierte Versorgungsbericht „Traumatisierte Geflüchtete“, den die Landesärztekammer Baden-Württemberg (LÄK BW) gemeinsam mit der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK BW) vorgelegt hat.

Der Bericht analysiert die aktuelle Versorgungssituation und zeigt auf, dass sich trotz einzelner Verbesserungen seit dem letzten Bericht aus dem Jahr 2020 keine grundlegende Entspannung ergeben hat.

Insbesondere der Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung bleibt problematisch.

Auf Grundlage der dargestellten Zahlen und der vorgenommenen Analyse wird im 4. Versorgungsbericht der aktuelle Reformbedarf gegenüber der Politik formuliert. Darunter sind insbesondere Überwindung bestehender struktureller Defizite und Schließung von Versorgungslücken in der psychotherapeutischen Versorgung, die nachhaltige und bedarfsgerechte Finanzierung der psychosozialen Zentren (PSZ), die gesetzliche Verankerung der systematischen Sprachmittlung im psychotherapeutischen Kontext als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, Abbau vermeidbarer bürokratischen Hürden, um den Zugang zur Psychotherapie für diejenigen zu ermöglichen, die es am dringendsten benötigen, unabhängig von dem Aufenthaltsstatus.

Der vierte Versorgungsbericht „Traumatisierte Geflüchtete” ist auf der Website der LPK BW abrufbar: www.lpk-bw.de/2026/01/15/hilfen-fuer-traumatisierte-gefluechtete-weiterhin-nicht-ausreichend

Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Zwischen Flucht und Trauma" (v. l.: Ayla Cataltepe (CDU), Jochen Haußmann (FDP/DVP), Dr. Dorothea Kliche-Behnke, (SPD), Fadime Tuncer (Fraktion GRÜNE)

Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Zwischen Flucht und Trauma" (v. l.: Ayla Cataltepe (CDU), Jochen Haußmann (FDP/DVP), Dr. Dorothea Kliche-Behnke, (SPD), Fadime Tuncer (Fraktion GRÜNE)


„Gesundheit vernetzt stärken – präventiv handeln“: Bericht über die Landesgesundheitskonferenz am 19. November 2025

Unter dem Motto „Gesundheit vernetzt stärken – präventiv handeln“ fand am 19. November 2025 in Stuttgart die Landesgesundheitskonferenz statt. Auch die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg (LPK BW) beteiligte sich mit zwei Beiträgen im Fachforum „Folgen des Klimawandels – Gemeinsam die Gesundheit stärken“.

In ihrem Vortrag „Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels und Chancen durch gesellschaftliche Vernetzungspotenziale“ beleuchtete Dipl.-Psych. Anke Hofmann, Sprecherin der Klimakommission der LPK BW, die Auswirkungen ökologischer Krisen auf die psychische Gesundheit sowie die Wege, diesen Folgen durch einen institutionellen präventiven Ansatz zu begegnen. Sie betonte, dass psychische Gesundheit in Zeiten ökologischer Krisen als Zusammenspiel psychischer, sozialer, institutioneller und ökologischer Faktoren zu betrachten ist. Damit machte sie deutlich, dass der Klimawandel nicht nur eine ökologische, sondern auch eine psychosoziale Herausforderung darstellt, die ein entschlossenes und einheitliches Vorgehen erfordert.

Zentrale Bedeutung komme dabei einer gelingenden Klimakommunikation zu: Nur wenn ökologische Krisen verständlich eingeordnet werden, können Motivation, Handlungsbereitschaft und gesellschaftliche Beteiligung gefördert werden. Ähnlich wie in der Psychotherapie stellen die bekannten Mechanismen wie Problemaktualisierung und Ressourcenaktivierung grundlegende Voraussetzungen für nachhaltige Veränderungsprozesse dar.

Emotionen seien dabei kein Hindernis, sondern eine wichtige psychologische Bedingung, um Motivation für den Klimaschutz (Mitigation) zu entwickeln und Handlungsbereitschaft zu ermöglichen. Klimaschutz- und auch Klimaanpassungsmaßnahmen erfordern daher verlässliche soziale und institutionelle Strukturen, die (psychische) Gesundheit sowie kollektive und individuelle Resilienz präventiv stärken. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Transformation: einer gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Neuausrichtung hin zu vernetztem, präventivem und beziehungsorientiertem Handeln auf individueller, kollektiver und struktureller Ebene.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wies Dr. Erik Nordmann, Mitglied des Vorstands der LPK BW, auf die gravierenden psychischen Folgen von Extremwetterereignissen hin. Er betonte, dass diese für viele Menschen psychisch traumatisierend sein können. Als Beispiel nannte er den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 in New Orleans, der bei rund 30 Prozent der betroffenen Bevölkerung Monate später zu einer teils lang anhaltenden Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führte.

Ein weiteres Beispiel stellte die Ahrtal-Katastrophe 2021 dar, in deren Folge es zu einem deutlichen Anstieg der Krankenhausaufnahmen von Kindern und Jugendlichen wegen psychischer Störungen kam. Dies war unter anderem darauf zurückzuführen, dass die ambulanten Versorgungsstrukturen zunächst überlastet waren.

Dr. Erik Nordmann unterstrich zudem, dass nach Umweltkatastrophen neben PTBS häufig auch Angst- und depressive Störungen sowie Schlafstörungen und andere psychische Beeinträchtigungen sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern auftreten können. Da infolge des Klimawandels mit einer weiteren Zunahme von Extremwetterereignissen – auch in unserem Bundesland (Remstal-Katastrophe 2024) – zu rechnen ist, ist die Entwicklung von Versorgungsstrukturen für die psychischen Folgen solcher Ereignisse aus gesundheitspolitischer Sicht unerlässlich. Dabei kommt einer guten Vernetzung und einem einheitlichen Vorgehen aller beteiligten Akteure und Berufsgruppen eine zentrale Bedeutung zu, was gleichermaßen für Klimaschutzmaßnahmen gilt.


Kreispsychotherapeutenschaft in der Modellregion Stadtkreis Freiburg gegründet

Nachdem in Ulm bereits eine Kreispsychotherapeutenschaft erfolgreich gegründet werden konnte, wird nun auch in Freiburg eine Kreispsychotherapeutenschaft die LPK auf regionaler Ebene vertreten. Die konstituierende Sitzung der Kreispsychotherapeutenschaft Freiburg fand am 28. Januar 2026 statt. Trotz Schneefall und eingeschränktem ÖPNV im Stadtgebiet durch Warnstreiks, fanden 35 KPS-Mitglieder den Weg in die Räumlichkeiten der KV, um aus ihrer Mitte Dr. Barnabas Ohst als Vorsitzenden und Lilliane Bösker zu seiner Stellvertreterin zu wählen.

Bereits in der konstituierenden Sitzung zeigte sich ein besonderes Interesse an Vernetzung und der Ausgestaltung der KPS in einem demokratischen Miteinander. So wurden die beiden Vorsitzenden nach einem regen Austausch in mehreren Kleingruppen gewählt. Besonderes Augenmerk legten die Anwesenden dabei auf eine möglichst breite Repräsentanz von PP und KJP bzw. verschiedener Psychotherapieverfahren. Mit den beiden Gewählten fiel die Wahl auf einen Psychologischen Psychotherapeuten und eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Dr. Ohst ist in eigener Privatpraxis tätig. Lilliane Bösker leitet die Ausbildungsambulanz des Fakjp (Freiburger Ausbildungsinstitut für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie). Beide Gewählten erhoffen sich einen regen Austausch und Zusammenarbeit mit den übrigen KPS-Mitgliedern, um gemeinsam die KPS Freiburg auszugestalten.

v. l.: Lilliane Bösker, Martin Klett, Dr. Dietrich Munz, Dr. Barnabas Ohst

v. l.: Lilliane Bösker, Martin Klett, Dr. Dietrich Munz, Dr. Barnabas Ohst

Durch den Abend führte Dr. Dietrich Munz als Kammerpräsident für den Vorstand. Ebenfalls für den Vorstand der LPK BW vertreten war Martin Klett, der selbst aus Freiburg stammt. Aus der Geschäftsstelle sorgten Elke Wollandt, Ulrike Claus, Sarah Jeskulke und Eva Dasbach für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung.


Rückblick auf die Fachtagung „Ich möchte Gruppenpsychotherapie durchführen, aber…“ am 10. Januar 2026

Am 10. Januar 2026 fand in Stuttgart die Tagung „Ich möchte Gruppenpsychotherapie durchführen, aber…“ statt.

Diese Initiative der ärztlichen und psychotherapeutischen Selbstverwaltung (Landesärztekammer, Landespsychotherapeutenkammer, KV Baden-Württemberg) diente der Förderung ambulanter Gruppenangebote.

Nach einem Input in Form mehrerer Impulsvorträge aus den Reihen der Referent*innen wurden Workshops mit verschiedenen Themenschwerpunkten angeboten:

  • Kreative Ideen zur gruppentherapeutischen Versorgung, Dr. Anne Dormann

  • „Die Gruppe im Kopf“, Dr. Martin Körner

  • „Wie die Gruppe ins Laufen kommt“, Dipl.-Psych. Ulrike Ferbert

  • „Aber wie in der verhaltenstherapeutischen Kinder- und Jugendpraxis?“, Dipl.-Soz. Päd., KJP Christine Breit

  • „Schwierige Gruppensituationen“, Dr. Bernd Schuster/Dr. Heribert Knott

  • „Vorstellung der Arbeitsgruppe zu einem spezifischen ambulanten Gruppenangebot“, Dr. Ingrid Rothe-Kirchberger

Unter der Leitung der Referent*innen wurden in den Workshops viele Fragen gestellt, Antworten gehört und Erfahrungen gemacht, die auf den Alltag mit Psychotherapiegruppen vorbereiten. In einer abschließenden Diskussionsrunde im Plenum wurden wichtige Punkte zusammengetragen.

Mit 70 Teilnehmenden war die Tagung restlos ausgebucht. Die Nachfrage war noch deutlich größer, sodass nicht alle, die sich angemeldet hatten, einen Platz bekamen. Die Tagung zeigte, wie groß das Interesse ist, Gruppenpsychotherapie anzubieten, und wie viele Fragen dazu bestehen. Eine Wiederholung der Veranstaltung wird in Erwägung gezogen.


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