Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Bremen

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Fachtag zur Suizidprävention

Am 19. November 2025 fand auf Einladung der Senatorischen Behörde für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz ein Fachtag zur Suizidprävention statt. Im Haus der Wissenschaft kamen u. a. verschiedene Personen aus der stationären und ambulanten Versorgung, aus der Präventionsarbeit, von der Polizei, von Betroffenenverbänden, Krankenkassen und der Telefonseelsorge zusammen. Ebenso nahmen Gesundheitspolitiker*innen verschiedener Parteien teil. Von der Psychotherapeutenkammer Bremen besuchten Dr. Christoph Sülz, Phillip Wirtz und Marco Wenzel die gut angenommene Veranstaltung. Nach der Begrüßung durch Katrin Lange (Referat Psychiatrie und Sucht) sprach Staatsrätin Silke Stroth ein Grußwort. Die Behörde wolle die Gründung eines Suizidpräventionsnetzwerks unterstützen und hoffe, durch diesen Fachtag wichtige Impulse setzen zu können.

In den folgenden Fachvorträgen stellte zunächst Prof. Dr. med. Barbara Schneider (Köln) die Arbeit des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro) vor. Anschließend berichtete Dr. Christiane Schlang (Gesundheitsamt Frankfurt am Main) über den Aufbau eines Suizidpräventionsnetzwerks im großstädtischen Raum am Beispiel der Metropolregion Frankfurt. In den anschließenden Workshops wurden verschiedene Themen vertieft. Dr. Christoph Sülz referierte unter anderem zu Strategien der Entstigmatisierung. Weitere Workshops befassten sich mit den Möglichkeiten und Voraussetzungen zur Gründung eines Suizidpräventionsnetzwerks im Land Bremen.

In der abschließenden Diskussion wurde der Bedarf für gute Suizidprävention betont. Im Februar hat ein erstes Netzwerktreffen stattgefunden, an dem sich die Psychotherapeutenkammer beteiligte.


Dritter Fachtag Opferschutz

Auf Einladung des Landesopferschutzbeauftragten Uwe Hellpap fand am 20. November 2025 im Haus der Bürgerschaft der 3. Fachtag Opferschutz statt. Inhaltlich lag der Schwerpunkt auf den sogenannten Großschadenslagen und der Frage, wie gut Bremen dafür aufgestellt ist. Amelie Thobaben nahm als Vertreterin der Psychotherapeutenkammer teil.

In einem Grußwort stellte Dirk Fasse, Bremischer Polizeipräsident, Zahlen für Bremen vor. Großschadensereignisse seien zum Glück selten. Der letzte Fall in Bremen sei 25 Jahre her.

Ein besonderes Augenmerk der Polizei gelte den sogenannten Gefährder*innen. Es werde davon ausgegangen, dass deren Zahl in Bremen dem bundesweiten Durchschnitt entspräche. Hier gehe es vor allem um extremistische Personenkreise. Auch die Gruppe gewalttätig aufgefallener psychisch Erkrankter stelle eine Gefahr dar. Auch diese würden intensiv beobachtet. Herr Fasse betonte, dass ihm die Gefahr von Diskriminierung und Kriminalisierung psychisch Kranker bewusst sei.

In verschiedenen Fachvorträgen wurde von Großschadensereignissen berichtet. Dabei lag der Fokus auf deren Analyse mit dem Ziel, zu verstehen, was aus diesen gelernt werden könne. Am Beispiel der Amokfahrt am Berliner Breitscheidplatz wurde verdeutlicht, welche verschiedenen rechtlichen Anpassungen im Nachgang der Tat vorgenommen wurden und wie in der Folge der Aufbau von Strukturen für einen organisierten Umgang im Falle eines Großschadensereignisses vorangetrieben wurde. Bereits an mehreren Orten konnten sich diese Anpassungen im Umgang mit Großschadenslagen bewähren.

Die Entscheidung, ob ein Schadensereignis als Unfall, Anschlag oder Terrorakt eingestuft würde, sei entscheidend dafür, welche Strukturen organisatorisch zuständig sind, welche Unterstützungsangebote bereitstehen und welche Ansprüche Betroffene haben.

Uwe Köster, Notfallseelsorger und Pastor in Bremen, stellte vor, wie die seelsorgerische und psychische Betreuung von Betroffenen in Bremen organisiert ist. Für die alltäglichen Fälle, wie z. B. häusliche Sterbefälle, Unfälle etc., gebe es die Notfallseelsorge, die derzeit in Bremen durch 15 Pastor*innen und Gemeindereferent*innen übernommen werde. Für Großschadensereignisse und Ereignisse mit größeren Gruppen von Betroffenen kämen die Ehrenamtlichen der Johanniter-Unfall-Hilfe hinzu.

Amelie Thobaben kam am Rande der Veranstaltung mit Herrn Fasse ins Gespräch. Dabei wurde ein Treffen vereinbart, um sich zur aktuell schwierigen Anerkennung von Psychotraumafolgestörungen als Arbeitsunfall von Polizist*innen auszutauschen.


Austausch mit dem Bremer Landesopferbeauftragten

Uwe Hellpap, der Landesopferbeauftragte für Bremen, kam mit Amelie Thobaben in der Geschäftsstelle der Psychotherapeutenkammer zu einem Gespräch zusammen. Beide tauschten sich über die Bedeutung von Psychotherapie in der Psychosozialen Notfallversorgung aus. Herr Hellpap beschäftigt sich derzeit damit, ein Konzept für Bremen zu entwickeln, an dem alle wichtigen Institutionen beteiligt werden sollen, v. a. Polizei, Feuerwehr, Notfallseelsorge, WEISSER RING, Psychotherapeutenkammer sowie die zuständigen Behörden. Die Konzeptentwicklung soll in folgenden Terminen mit Beteiligten der genannten Institutionen stattfinden.

Amelie Thobaben im Austausch mit Uwe Hellpap

Amelie Thobaben im Austausch mit Uwe Hellpap


Fachtag „Dialog gegen Rassismus im Gesundheitswesen – Perspektiven für Bremen“

Der am 20. November 2025 veranstaltete Fachtag „Dialog gegen Rassismus im Gesundheitswesen – Perspektiven für Bremen“ zog eine sehr große Zahl von Besucher*innen an. Für die Psychotherapeutenkammer nahm Amelie Thobaben teil. Diskutiert werden sollte, wie Rassismus in der medizinischen Versorgung reduziert werden kann. Zu Beginn wurde die Reportage „Schlecht behandelt. Rassismus in der Medizin“ gezeigt, die in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

Dr. Cihan Sinano˘glu, Leiter des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM-Institut), stellte Befunde zum Thema Rassismus im Gesundheitssystem vor. Untersucht wurde beispielsweise, ob es unterschiedliche Reaktionsquoten bei einer per E-Mail gestellten Terminanfrage in Arztpraxen gibt, je nachdem, ob der Name deutsch, afrikanisch, muslimisch oder asiatisch aussah. Die Ergebnisse fielen für die einzelnen Facharztgruppen sehr unterschiedlich aus.

Die geringsten (negativen) Auswirkungen auf die Chance, als Person mit einem Namen aus einem fremden Kulturkreis eine Antwort auf eine Terminanfrage zu erhalten, zeigten sich dabei bei Kinderärzt*innen. Am größten sei der Unterschied in der Rückmeldungsquote in ärztlich-psychotherapeutischen Praxen ausgefallen. Obwohl Psychologische Psychotherapeut*innen sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen nicht in die Studie einbezogen worden waren, wurde teils der Versuch unternommen, das Ergebnis auch auf diese zu übertragen.

In den Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, dass im Versorgungsalltag Sprachbarrieren ein besonders großes Problem darstellten. Kürzungen von Geldern für Sprachmittlung oder Sprachkursen in Bremen verschärften das Problem noch.

Dass häufig Kinder der Hilfesuchenden zur Sprachmittlung einspringen müssen, führt dazu, dass Kinder und Jugendliche eine Verantwortung übernehmen müssen, der sie oft nicht gewachsen sind.

In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmer*innen Ideen dazu, was in Bremen verändert werden könnte, um bewussten oder unbewussten Diskriminierungen im Versorgungsalltag entgegenzuwirken und das therapeutische Handeln rassismussensibel zu reflektieren.


Mit Rückenwind in die Praxis nach Bremen und Bremerhaven

Eine neue Internetplattform will gezielt dem Fachkräftemangel in ambulanten Praxen im Land Bremen entgegenwirken und positive Anreize setzen: Unter der Internetadresse www.praxisstart-bremen.de bzw. www.praxisstart-bremerhaven.de werden Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen beim Einstieg in die Kassenpraxis unterstützt.

Hinter der Initiative steht ein Bündnis aus der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, der gesetzlichen Krankenkassen in der Region, der Ärztekammer Bremen, der Psychotherapeutenkammer Bremen sowie den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven.

Mit dem neuen Online-Angebot sollen Interessierte umfassend informiert werden. Ein Faktencheck soll mit verbreiteten Vorurteilen aufräumen.

Amelie Thobaben und Dr. Christoph Sülz haben dabei an den Texten für die Psychotherapeut*innen mitgearbeitet, damit auch diese gezielt angesprochen werden. Somit finden die spezifischen Bedingungen vertragspsychotherapeutischer Praxen Berücksichtigung.


Treffen mit Studierenden an der Universität Bremen

Die Vorstandsmitglieder Philipp Wirtz und Amelie Thobaben trafen sich mit Anika Küchenhoff und Bjarne Bücher, beide Studierende an der Universität Bremen, um sich über die Situation der Studierenden im polyvalenten Bachelorstudiengang Psychologie sowie im Masterstudiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie auszutauschen.

Besondere Schwierigkeiten bestehen aus Sicht der Studierenden in der begrenzten Anzahl an Masterstudienplätzen sowie in den strukturellen Vorgaben für das berufsqualifizierende Praktikum. Dabei ist Letztgenanntes auch den sehr umfangreichen Inhalten dieses Studiengangs geschuldet. Schließlich werden nicht nur Inhalte der Psychologie, sondern auch für eine Approbationsprüfung in Psychotherapie untergebracht. Wir erinnern uns natürlich gut daran, dass mit der Einrichtung des BA-Studiengangs ein Zugang zu verschiedenen Feldern der Psychologie bezweckt wurde und die Zahl der Masterstudienplätze auch den Bedarf an Psychotherapeut*innen berücksichtigen sollte.

Die Vorstandsmitglieder konnten über die allgemeinen Entwicklungen bei der Umsetzung der Weiterbildung, die spezifische Situation in Bremen sowie den Stand der politischen Auseinandersetzung um die Finanzierung der Weiterbildung informieren.

Aus Kammersicht interessierte uns, wie gut die Studierenden über berufsrechtliche Aspekte informiert sind. Da es für die frisch approbierten Psychotherapeut*innen ohne Weiterbildung bzw. Fachkunde noch keine Vorbilder gibt, hält der Vorstand es für eine besondere Aufgabe, dass die Studierenden vor der Approbation nicht nur über die Privilegien von Psychotherapeut*innen und den Titelschutz, sondern auch über berufsrechtliche Pflichten informiert werden.

Der Kammervorstand erachtet es als sinnvoll, die Studierenden z. B. in Form einer gemeinsamen Informationsveranstaltung auf den berufsrechtlichen Rahmen hinzuweisen und entsprechend zu sensibilisieren. Erste Planungen hierfür wurden bereits begonnen.


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