Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hamburg
Mitglieder-Umfrage zur Versorgungslage von Personen mit (Verdacht auf) Autismus-Spektrum-Störung
Die Psychotherapeutenkammer (PTK) Hamburg hat im Sommer 2025 eine Online-Umfrage zur Versorgung von Menschen mit (Verdacht auf) Autismus-Spektrum-Störung (ASS) durchgeführt. Ziel war es, die aktuellen Angebote der Kammermitglieder zu erfassen und mögliche Gründe für fehlende spezifische Angebote zu erfragen. Darüber hinaus sollten Wünsche und Forderungen zur Verbesserung der Versorgung gesammelt werden. An der Umfrage nahmen im Zeitraum vom 28. Mai bis 6. Juli 2025 insgesamt 561 Kammermitglieder teil, das entspricht bei 2.585 erreichten Kammermitgliedern einer Rücklaufquote von 21,7 %.
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist, dass über 86 % der Befragten das aktuelle Angebot für qualifizierte Diagnostik und psychotherapeutische Behandlung von Menschen mit ASS in Hamburg als nicht ausreichend bewerten. Mehr als 80 % der Befragten, die keine spezifischen Angebote vorhalten, gaben an, dass ihr Wissen und ihre Fähigkeiten für eine adäquate Versorgung nicht ausreichen, wobei in den Bereichen autismusspezifische Diagnostik, psychotherapeutische Behandlung, Differentialdiagnostik sowie testpsychologische Untersuchung von Sprachentwicklung und kognitiver Entwicklung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen sich kompetenter einschätzen.
Zur Verbesserung der Versorgungssituation wünschen sich die Befragten vor allem mehr spezifische Fortbildungsangebote (80 %), finanzielle Förderung für Testmaterial (55 %) sowie eine bessere Vergütung und mehr zeitliche Kapazitäten für Diagnostik (jeweils 59 %). Im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung wurden mehr ambulante (82 %) und stationäre (25 %) Behandlungsplätze, spezifische Fortbildungsangebote (72 %) und psychoedukative Behandlungsangebote (60 %) gefordert.
Die Umfrage macht deutlich, dass es in Hamburg einen erheblichen Bedarf an Verbesserungen in der Versorgung von Menschen mit ASS gibt. Besonders im Bereich der Fortbildung sowie der Ressourcenausstattung sehen die Befragten Handlungsbedarf. Die Kammer plant deshalb, in diesem Jahr entsprechende Fortbildungen anzubieten.
Ein Factsheet mit den Ergebnissen gibt es auf der Kammer-Webseite (unter „Aktuelles“ > „Nachrichten“).
Tätigkeitsbericht der Ethik-Kommission für das Jahr 2025
Die Ethik-Kommission der PTK Hamburg wurde 2008 gemäß § 9a des Hamburgischen Kammergesetzes für die Heilberufe (HmbKGH) errichtet und berät Mitglieder der PTK Hamburg und andere Wissenschaftler*innen auf der Grundlage geltenden Rechts und nach neuestem Stand der Wissenschaft hinsichtlich ethischer und fachrechtlicher Gesichtspunkte bei Forschungsvorhaben an Menschen. Die Ethik-Kommission erstellt schriftliche Stellungnahmen zu den Studienprotokollen und fokussiert dabei insbesondere auf den Schutz der in klinische Forschungen einbezogenen Patient*innen.
Die Arbeit der Ethik-Kommission basiert auf gesetzlichen Bestimmungen und allgemein anerkannten ethischen Grundsätzen, basierend auf der Charta der Vereinten Nationen, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, der Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes, der Berufsordnung der PTK Hamburg und ethischen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs).
Die Kommission trifft sich regulär quartalsweise und wird auf schriftlichen Antrag tätig. Auf der Kammer-Website (unter „Aktuelles“ > „Termine“) sind die Sitzungstermine der Ethik-Kommission und die Einreichungsfristen öffentlich einzusehen. Vorlagen für die Beantragung von Stellungnahmen durch die Ethik-Kommission sowie weitere hilfreiche Dokumente finden sich online unter „Über uns“ > „Ausschüsse/Kommissionen/Arbeitskreise“.
Unabhängig von den Abgabefristen können auch Eilanträge eingereicht werden, die innerhalb von 14 Tagen zu bescheiden sind, wobei die Eilbedürftigkeit zu belegen ist.
Für das Tätigwerden der Ethik-Kommission werden Gebühren gemäß der Gebührenordnung der PTK Hamburg fällig.
Die Mitglieder der Ethik-Kommission werden für die Dauer der Amtszeit der Delegiertenversammlung gewählt.
Seit 2024 gehören der Ethik-Kommission als ordentliche Mitglieder an:
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Dr. Claudia Gorba (PP)
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Dr. Susanne Sarkar (PP)
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Prof. Dr. Timo Hennig (KJP)
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Dr. Rainer Stelling (Jurist)
Dr. Claudia Gorba ist seit 2024 Mitglied des Vorstands und Vorsitzende der Ethikkommission. (Foto: © Heike Günther)
Stellvertretende Mitglieder sind:
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Dr. Judith Peth (PP)
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Prof. Dr. Urszula Martyniuk (PP)
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Dipl.-Psych. Jan Micheel (KJP)
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Agnes Frfr. von Diepenbroick, LL.M. (Juristin)
Aus der Geschäftsstelle der PTK Hamburg nimmt Dr. Tanja Tischler, Referentin für Fort- und Weiterbildung, an den Sitzungen teil.
Im Jahr 2025 wurden der Ethik-Kommission vier Anträge zur Begutachtung vorgelegt. Hierbei handelte es sich um zwei Erstanträge sowie zwei Ergänzungsanträge aufgrund komplexer Weiterentwicklungen bereits laufender Forschungsvorhaben.
Die Beratungen der Ethik-Kommission beinhalteten u. a. Fragestellungen zum Umgang mit Risiken der Studienteilnahme und mögliche negative Folgen der neu geplanten Interventionen, Aspekte der Studienaufklärung und -durchführung sowie datenschutzrechtliche Fragen.
Über den vorzeitigen Abbruch eines Forschungsvorhabens oder das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen ist die Ethik-Kommission durch die Antragstellenden zu informieren. Zur Mitteilung der Forschungsergebnisse gibt es dagegen laut Satzung keine Verpflichtung. Dennoch begrüßt es die Ethik-Kommission sehr, wenn auch reguläre Abschlussberichte eingereicht werden würden.
CG
Rückblick auf die Allgemeine Kammerversammlung am 11. Dezember 2025
Am 11. Dezember 2025 lud der Vorstand alle Kammermitglieder zur jährlichen Kammerversammlung wieder im bewährten Online-Format ein. Im Fokus standen die wichtigsten berufs- und gesundheitspolitischen Themen des vergangenen Jahres, die kammereigenen Veranstaltungen 2025, die Arbeit der Gremien sowie ein Rückblick auf relevante Termine, die die Vorstandsmitglieder und die Geschäftsführerin wahrgenommen hatten.
In kurzen Beiträgen informierten Vizepräsident Torsten Michels und Vorstandsmitglied Dr. Claudia Gorba zum Umsetzungsstand des Hamburger Psychiatrieplans sowie der Weiterbildung für Psychotherapeut*innen. Dr. Thomas Bonnekamp berichtete zum Testlauf für die „Qualitätssicherung ambulante Psychotherapie“ in Nordrhein-Westfalen und erläuterte die in der Profession lautwerdende Kritik bzgl. Bürokratisierung und Ineffizienz des Verfahrens.
Kerstin Sude gab einen fundierten Überblick über das große Thema Digitalisierung. Mit einer Art „Wimmelbild“, das die Beziehung von Mensch und Maschine illustriert, berichtete Kerstin Sude zur Digitalen Agenda 2030, dem holprigen Start der ePA und stellte die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Psychotherapie hinsichtlich Risiken und Chancen vor.
Heike Peper berichtete über die gut besuchten Fortbildungsveranstaltungen wie den KJP-Fachtag zum Thema Kindeswohlgefährdung sowie den Fachworkshop „Diskriminierungssensible Psychotherapie“ und das Curriculum „Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren bei Erwachsenen“, welches die PTK gemeinsam mit der Ärztekammer und Centra, dem Koordinierenden Zentrum für traumatisierte Geflüchtete, angeboten hatte. Dazu informierte sie über die Resolution zu Abschiebungen von geflüchteten Menschen mit psychischen Erkrankungen aus laufender stationärer oder ambulanter Behandlung, die die Delegiertenversammlung im November verabschiedet hatte.
Geschäftsführerin Karen Walter schloss den offiziellen Teil mit einem Bericht der Geschäftsstelle und präsentierte die Neuigkeiten im Internen Mitgliederbereich (IMB) sowie die Satzungsänderungen 2025.
Trotz des digitalen Formats war ein direkter Austausch mit den Mitgliedern möglich: Über den Chat konnten die Teilnehmenden ihre Fragen und Kommentare an die Sprecher*innen richten. Geschäftsführerin Karen Walter sorgte dafür, dass alle Fragen aufgenommen und beantwortet werden konnten.
Heike Peper nutzte zum Ende der 24. Allgemeinen Kammerversammlung die Gelegenheit, um allen ehrenamtlich tätigen Gremienmitgliedern und der Geschäftsstelle herzlich für ihr Engagement zu danken.
KM
Vorstand und Geschäftsführung informierten am Abend des 11. Dezembers 2025 rund 70 interessierte Mitglieder über die Themen, die die Kammer im Verlauf des Jahres beschäftigt hatten, v. l. n. r.: Geschäftsführerin Karen Walter, Kerstin Sude, Dr. Claudia Gorba, Torsten Michels, Heike Peper und Dr. Thomas Bonnekamp.
Delegiertenversammlung vom 26. November 2025: Haltung zeigen und Forderungen einbringen
Schals, T-Shirts und Pullover in leuchtendem Orange – die Signalfarbe steht für Hoffnung und anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2025 für eine Zukunft ohne geschlechtsspezifische Gewalt. Delegierte der PTK Hamburg und Gäste der Delegiertenversammlung wählten am 26. November 2025 ihre Kleidung bewusst aus, um die Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen“ zu unterstützen und ein klares Zeichen zu setzen. Nach dem Gruppenfoto eröffnete Heike Peper offiziell die 101. Sitzung. Sie übergab das Wort an Dr. Johannes Frey, der in seiner Rolle als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates das Psychotherapeutenversorgungswerk (PVW) vorstellte.
Delegierte und Gäste der Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer Hamburg unterstützen die Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen“.
Vorstellung des Psychotherapeutenversorgungswerks
Dr. Frey gab einen fundierten Überblick über die berufsständische Versorgungseinrichtung – von allgemeinen Informationen zum Aufbau und der Funktionsweise bis zu den aktuellen Zahlen und der Vermögensanlage des PVW. Zum Schluss stand der geladene Referent den Delegierten noch für Fragen zur Verfügung. Heike Peper dankte Dr. Frey für den informativen Vortrag und leitete zum Bericht des Vorstandes über.
Dr. Johannes Frey gab den Delegierten einen fundierten Überblick über das Psychotherapeutenversorgungswerk.
Berichte
Der Vorstand informierte zu ausgewählten Veranstaltungen und Terminen in Hamburg sowie auf Bundesebene, die seit der letzten Sitzung im September 2025 stattgefunden hatten. Als gesonderten Tagesordnungspunkt berichtete Heike Peper gemeinsam mit den Bundesdelegierten über den 47. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT), der am 14. und 15. November 2025 in Berlin stattgefunden hatte.
Deutscher Psychotherapeutentag
Kerstin Sude berichtete zum aktuellen Stand der digitalen Agenda 2030. Themen wie Künstliche Intelligenz und Social Media sollen in das BPtK-Curriculum zur Digitalisierung einfließen, um dem Berufsstand im Umgang Orientierung zu bieten. Darüber hinaus informierte sie über den Vortrag von Prof. Dr. Susanne Schreiber vom deutschen Ethikrat über „Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen aus ethischer Sicht“.
Torsten Michels berichtete über die Änderungen der Musterberufsordnung zu Homeoffice und Videobehandlungen und Dr. Claudia Gorba erläuterte die Entwicklungen im Bereich Weiterbildung. Darüber hinaus berichtete Heike Peper über die Satzungsänderung zu Geschlechterquoten in den BPtK-Gremien. Bei einem Frauenanteil von 75 % im Berufsstand wurde erfolgreich eine Soll-Mindestquote für Frauen von 50 % in den Gremien befürwortet. Dr. Thomas Bonnekamp und Sönke Meyer-Lohmann stellten die Resolutionen vor, die im ausführlichen Webbericht des DPT zu finden sind.
Ergebnisse der Umfrage Autismus-Spektrum-Störung
Im Anschluss informierte Heike Peper über die Ergebnisse der Mitgliederumfrage zur Autismus-Spektrum-Störung, die im Sommer 2025 von der Kammer durchgeführt worden war. Bei der Abfrage zum Angebot von Diagnostik und Therapie zeigten sich sehr lange Wartezeiten. Des Weiteren war deutlich geworden, dass es an Ressourcen und Wissen fehlt.
Änderung der Entschädigungs- und Reisekostenordnung
Geschäftsführerin Karen Walter stellte die Änderungsbedarfe der Entschädigungs- und Reisekostenordnung vor. Nachdem sie die Hintergründe für die Anpassungen dargestellt hatte, stimmten die Delegierten den Änderungen der Ordnung zu.
Änderung der Haushalts- und Kassenordnung
Im Anschluss wurde die 2. Satzung zur Änderung der Haushalts- und Kassenordnung vorgestellt, welche gemeinsam mit dem Steuerberatungsbüro der Kammer erarbeitet worden war. Ziel ist es, auf einen bilanzierten Jahresabschluss umzustellen. Auch dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst.
Resolution
Die Vorsitzende des Ausschusses Diversität und Antidiskriminierung, Dr. Eva Kleinemeier-Thundiyil, stellte eine Resolution zu Abschiebungen von geflüchteten Menschen mit psychischen Erkrankungen aus laufender stationärer oder ambulanter Behandlung vor. In anderen Bundesländern wurden durch entsprechende Erlasse Abschiebungen aus stationären Behandlungen untersagt. Dies muss endlich auch in Hamburg umgesetzt werden. Die Delegierten befürworteten den Vorschlag sehr und diskutierten ergänzend über die Notwendigkeit der Anerkennung von Stellungnahmen und Gutachten von Psychotherapeut*innen. Die Resolution wurde mit einer Ergänzung einstimmig verabschiedet.
Weiterbildung
Heike Peper berichtete anschließend zum aktuellen Stand der akkreditierten Weiterbildungsstätten in Hamburg. Sie informierte in diesem Zusammenhang auch über ein Treffen mit den Weiterbildungsbefugten vom 24. November 2025, das von einem guten Austausch geprägt war.
Berichte der Ausschüsse, Kommissionen und Arbeitskreise sowie der Geschäftsstelle
Nachdem die Vorsitzenden der Ausschüsse und Arbeitskreise über ihre aktuelle Arbeit informiert hatten, erläuterte Karen Walter die Veränderungen der IT-Infrastruktur in der Geschäftsstelle. Darüber hinaus berichtete die Geschäftsführerin über die Beitragserhebung 2026.
Abschluss der Sitzung
Heike Peper bedankte sich bei den Delegierten für die angeregten Diskussionen und das Engagement, wünschte besinnliche Feiertage und einen guten Jahresausklang.
KM
Informationen zu Bekanntmachungen
Folgende Änderungssatzung ist bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe verabschiedet, in Kraft getreten und online auf der Kammerwebsite bekannt gemacht worden:
7. Änderungssatzung Entschädigungs- und Reisekostenordnung (ab 06.01.2026 in Kraft getreten)
Den aktuellen Stand können Sie jederzeit online unter folgendem Link nachlesen: www.ptk-hamburg.de/aktuelles/amtliche-bekanntmachungen