Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Hessen

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Liebe Kollegin, lieber Kollege,

ich hoffe, Sie haben 2026 bislang gesund und erfolgreich verbracht. In der Kammer waren wir im ersten Quartal mit den Vorbereitungen für ein spannendes Jahr beschäftigt: Die fünfte Wahlperiode neigt sich dem Ende zu – die Kammerwahl steht an. Noch rund zweieinhalb Monate bis zum Start des Wahlzeitraums, bis dahin gibt es weiterhin einiges zu tun. Ich möchte aber bereits jetzt die Gelegenheit nutzen und Sie um Ihre Unterstützung bitten. Durch Ihre Stimme haben Sie die Gelegenheit, die Arbeit in der Kammer mitzugestalten.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnten wir einen berufspolitischen Erfolg verbuchen: Das deutschlandweit erste Bürokratieabbaugesetz wurde Mitte Dezember in dritter Lesung im Hessischen Landtag verabschiedet. Dabei wurde auch das hessische Heilberufsgesetz (HeilbG) geändert und die Regelung zur Mitgliedschaft neu gefasst. Bislang war die Mitgliedschaft in der Psychotherapeutenkammer laut HeilbG ausschließlich an die Approbation und die Ausübung psychotherapeutischer Tätigkeit in Hessen geknüpft. Neu ist: Auch alle approbierten Psychotherapeut*innen, die in Hessen wohnen und keiner berufsbezogenen Tätigkeit nachgehen, sind Mitglieder der PTK Hessen. Dadurch entfallen umständliche Prozesse zur Ab- und Anmeldung von Mitgliedern, was weniger Bürokratie und damit weniger Verwaltungsaufwand für das Mitglied und die Geschäftsstelle bedeutet. Und es bleibt für alle Kolleginnen und Kollegen das aktive und passive Wahlrecht erhalten und somit die Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung der Kammerarbeit.

Am Beispiel der meisten anderen Bundesländer hatte die PTK Hessen im September 2024 in einem Weißbuch zur Entbürokratisierung gegenüber Staatsminister Manfred Pentz eine solche Änderung des HeilbG gefordert – eine gemeinsame Aktion mit dem Bündnis Kammern in Hessen. Rund ein Jahr später trafen sich Vertreter*innen der Kammern erneut mit Minister Pentz, um den aktuellen Stand der Umsetzung zu besprechen. Circa die Hälfte der damals eingereichten Vorschläge seien Teil des ersten Bürokratieabbaugesetzes, so Pentz, darunter auch das der PTK Hessen. Kurz vor Weihnachten war es dann so weit: eine tolle Errungenschaft gemeinsam mit unserem Bündnis, die insbesondere die Ärztekammer sehr begrüßt hat. Diese hatte schon länger daran gearbeitet, den Abbau von Bürokratie an dieser Stelle zu erreichen.

Weiter begleiten wird uns in diesem Jahr die Finanzierung der Weiterbildung und damit auch die große Bemühung, Weiterbildungsstätten in Hessen zu akkreditieren. Immer mehr Studierende verlassen die Universitäten mit ihrem Abschluss in „Klinischer Psychologie und Psychotherapie“ und finden keine Weiterbildungsstelle. Im Laufe des Jahres werden es voraussichtlich 330 Absolvent*innen sein, die auf ca. 50 Weiterbildungsstellen treffen. Das heißt: Es steht zu befürchten, dass uns sehr viele Absolvent*innen an andere Berufszweige verloren gehen. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns aktuell dafür ein, dass das Land Hessen Verantwortung übernimmt und in den landeseigenen Kliniken Weiterbildungsstellen schafft.

Herzliche Grüße

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Ihre Heike Winter
Präsidentin

„Wir brauchen euch! Und zwar sofort!“ – PTK Hessen auf der Demo zur Finanzierung der Weiterbildung in Frankfurt

Am 17. Januar 2026 versammelten sich auf dem Opernplatz in Frankfurt a. M. rund 450 Menschen zu einer Demonstration für die überfällige gesetzliche Regelung zur Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung. Teilnehmer*innen waren vor allem Studierende der Goethe-Universität, aber auch bereits approbierte Psychotherapeut*innen – die PTK Hessen war selbstverständlich ebenfalls vor Ort: Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter fand in ihrer Rede klare Worte: „Die Weiterbildung muss in angemessener Vergütung erfolgen, angemessene Vergütung für einen akademischen Heilberuf ist ein Minimum.“ Mit Blick auf die Versorgungssicherung richtete sie sich ausdrücklich an die Studierenden: „Wir brauchen euch! […] Wenn wir euch jetzt nicht ausbilden, dann werdet ihr uns in fünf bis zehn Jahren bitter, bitter fehlen. Und unseren Patient*innen.“ Ihr Fazit: „Weiterbildung gibt es nicht zum Nulltarif!“

Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter

Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Rudolf Stark ordnete die Situation fach- und berufspolitisch ein und machte deutlich, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen für den Nachwuchs nicht hinnehmbar sind: „Nach seriösen Schätzungen muss eine Weiterbildungsstätte zwischen zwei- und dreitausend Euro pro Monat pro Weiterbildungskandidat*in drauflegen. Das kann definitiv so nicht funktionieren.“ Zugleich verwies er auf den steigenden Bedarf: „Gerade in politisch und wirtschaftlichen Zeiten wie diesen wissen wir, dass die psychische Gesundheit hart auf die Probe gestellt wird, immer mehr Menschen werden psychisch krank.“ Seine Botschaft war eindeutig: „Wir brauchen eine bessere Versorgung und keine schlechtere!“ Trotz der angespannten Lage fand Stark dennoch zuversichtliche abschließende Worte: „Noch habe ich den Glauben nicht verloren, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzt.“

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Rudolf Stark

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Rudolf Stark

Auch Ausschussmitglied Dr. Ewa Jonkisz, Leiterin der Linden-Ambulanz für Psychotherapie in Frankfurt, und Student Christian Guth sprachen gemeinsam zu den Demonstrierenden und nahmen die Versorgungspraxis und strukturelle Engpässe näher in den Blick.

Dr. Ewa Jonkisz, Ausschuss PT in der ambulanten Versorgung

Dr. Ewa Jonkisz, Ausschuss PT in der ambulanten Versorgung

Die Demonstration machte deutlich, wie groß die Verzweiflung und der Ärger unter den Studierenden ist. Ohne eine klare gesetzliche Regelung der Finanzierung droht die Weiterbildung und damit auch die Sicherung des psychotherapeutischen Nachwuchses für die Versorgung der Patient*innen in Hessen, in eine strukturelle Sackgasse zu geraten. Die Folge: Kapazitäten werden perspektivisch weiter zurückgehen und Wartezeiten noch länger. Eine katastrophale Perspektive, die die PTK Hessen nicht einfach akzeptiert: „Wir werden weiterkämpfen – im direkten Kontakt mit der Politik, aber auch gemeinsam mit den Studierenden bei Aktionen wie dieser Demo, um die dramatische Situation sichtbar zu machen“, so Dr. Winter.

Ein herzliches Dankeschön für die tolle Vorbereitung und Organisation vor Ort möchte die Kammer an dieser Stelle an die Fachschaft Psychologie der Goethe-Universität richten.

Rund 450 Demonstrierende gingen in Frankfurt a. M. auf die Straße.

Rund 450 Demonstrierende gingen in Frankfurt a. M. auf die Straße.


2026 ist Wahljahr – Nutzen Sie Ihre Stimme!

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Im Frühjahr 2026 wählen die Mitglieder der PTK Hessen die 6. Delegiertenversammlung und setzen damit wichtige Impulse für die berufspolitische Arbeit der kommenden Wahlperiode. Nutzen Sie Ihre Stimme und wählen Sie im Zeitraum vom 26. Mai bis 18. Juni 2026. Oder haben Sie Interesse, die Berufspolitik selbst aktiv mitzugestalten? Wer sich einbringen möchte, kann bis zum 26. April 2026 einen Wahlvorschlag einreichen und kandidieren. Alle Infos und die notwendigen Formulare finden Sie auf unserer Infoseite zur Kammerwahl 2026 auf der PTK-Website: www.ptk-hessen.de. Hier erfahren Sie ab Anfang Mai auch alles über die Listen, ihre Kandidat*innen und deren Wahlprogramme.


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