Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes
Psychotherapeutische Versorgung im Saarland: Bedarfsplanung versus Versorgungsrealität
Trotz statistisch ausgewiesener Überversorgung warten Patient*innen im Saarland häufig über Monate auf einen Psychotherapieplatz. Der Versorgungsbedarf steigt unter anderem durch krisenbedingte psychosoziale Belastungen; besonders ausgeprägt sind die Wartezeiten bei Kindern und Jugendlichen. Psychotherapeutenkammer und Sozialministerium sehen Reformbedarf in der bundesweit geregelten Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Bedarf unzureichend abbildet, und fordern bedarfsorientierte Anpassungen. Den kompletten Artikel bei SR info lesen Sie hier: www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/zu_wenig_psychotherapie-plaetze_im_saarland_100.html
Zwei weitere Weiterbildungsstätten für die fachpsychotherapeutische Weiterbildung
Wir freuen uns darüber, dass mit der MEDIAN Klinik Münchwies die erste saarländische Weiterbildungsstätte für den stationären Versorgungsbereich der Gebietsweiterbildung für Psychotherapie für Erwachsene in Verhaltenstherapie anerkannt wurde. Zudem ist mit dem Saarländischen Institut für Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie die erste Weiterbildungsstätte in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie für den ambulanten Versorgungsbereich in den Gebietsweiterbildungen Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche anerkannt.
PKS-Gründungspräsidentin Ilse Simon-Rohr zum Ehrenmitglied der KV Saarland ernannt
Ilse Simon-Rohr, Mitglied und Gründungspräsidentin unserer Kammer, wurde am 3. Dezember 2025 die Ehrenmitgliedschaft der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland verliehen. Damit wird ihre 27-jährige ehrenamtliche Tätigkeit in Vertreterversammlung und Gremien der KV gewürdigt, bei der sie sich nicht nur in der ärztlich-psychotherapeutischen Selbstverwaltung engagiert, sondern – manchmal auch gegen Widerstand – die spezifischen Interessen der niedergelassenen Psychotherapeut*innen vertreten hat. Die Ehrung erfolgte durch den Vorsitzenden der Vertreterversammlung Dr. Thomas Stolz in Anwesenheit von Vertreterversammlung, Vorstand, Geschäftsführung, der bisherigen Ehrenmitglieder und weiterer Wegbegleiter*innen. Ilse Simon-Rohr ist als fünftes Ehrenmitglied der KV Saarland die erste Frau und die erste Psychotherapeutin, der diese Ehre zuteilwird.
Gründungspräsidentin Ilse Simon-Rohr (eigenes Bild)
Das Saarländische Gesundheitsministerium unterstützt das Schulpräventionsprojekt „STRESS-Care“
Um das Projekt „STRESS-Care“ im Saarland umzusetzen, hat sich Prof. Dr. Monika Equit (Projektleitung Stress-Care, Universität des Saarlandes) gemeinsam mit Susanne Münnich-Hessel (Vertreterin der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes) an Minister Dr. Magnus Jung (Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit im Saarland) gewandt, der am 8. Januar 2026 einen ausführlichen Austausch dazu in seinem Hause ermöglichte.
Zu Beginn des Gesprächs erläuterte Prof. Dr. Equit die inhaltlichen Eckpunkte des Projekts. Mit STRESS-Care soll darauf reagiert werden, dass sich Jugendliche im Kontext verschiedener gesellschaftlicher Krisen und Herausforderungen in den vergangenen Jahren als besonders vulnerable Gruppe erwiesen haben.
Mit STRESS-Care wird eine evidenzbasierte, niedrigschwellige, transdiagnostische Intervention entwickelt, die bei Schüler*innen in 8. und 9. Klassen an weiterführenden Schulen zunächst im Klassenverbund mentale Gesundheitskompetenzen (als Projekttag) und Emotionsregulationsfähigkeiten (als Online-Training) stärkt.
Geleitet werden diese Trainings von Schulpsycholog*innen oder Schulsozialarbeiter*innen. Anschließend erhalten die Schüler*innen das Angebot einer individuellen Beratung und Gesundheitsförderung, die über eine digitale Anwendung erfolgt. Im daran anschließenden zweiten Teil der Intervention erfolgt eine selektive indizierte Prävention. Durch die Nutzung einer digitalen Anwendung werden die Jugendlichen dabei unterstützt, individuelle Risikoverhaltensweisen zu reduzieren (z. B. Abbau von Grübeln und Schlafproblemen) und psychische Ressourcen zu stärken (z. B. Aufbau von Problemlösekompetenzen und supportiven sozialen Beziehungen). Unterstützt wird die digitale Intervention durch eCoaches, die die Jugendlichen bei der Nutzung der Anwendung begleiten. Nach Abschluss des Programms wird die psychische Belastung der Schüler*innen erneut evaluiert und, falls notwendig, wird eine Weiterbehandlung im Rahmen der psychotherapeutischen/psychiatrischen Regelversorgung empfohlen.
Mit STRESS-Care soll also eine innovative Versorgungsform erprobt werden, die Ressourcen im Öffentlichen Gesundheitsdienst mit der Versorgung durch gesetzliche Krankenversicherungen verbindet. Ziel ist es, Ressourcen effizient einzusetzen und Schüler*innen mit psychischer Belastung möglichst frühzeitig zu unterstützen, um so die Entstehung psychischer Erkrankungen sowie ihre Chronifizierung zu verhindern und Ressourcen in der Regelversorgung zu sparen.
Ergebnis des Gesprächs war, dass auch die Jugendhilfe im Saarland über das Projekt informiert und eventuell unterstützend eingebunden werden soll. Der Minister schätzte die Notwendigkeit früh einsetzender präventiver Angebote als sehr dringlich ein.
Aufgrund der schwierigen psychotherapeutischen Versorgungslage bei Kindern und Jugendlichen ist für die Psychotherapeutenkammer die ministerielle engagierte Unterstützung der Prävention sehr bedeutsam. So kann das Saarland bundesweit eine Vorreiterrolle im Bereich der niedrigschwelligen psychosozialen Versorgungsangebote einnehmen.
Prof. Dr. Monika Equit und Susanne Münnich-Hessel (eigene Bilder)
Kultursensible Traumatherapie mit Geflüchteten – ein Vortrag der Psychotherapeutenkammer im PSZ-Standort Burbach
Der Arbeitskreis des Psychosozialen Zentrums des Deutschen Roten Kreuzes befasst sich mit der Versorgung von Geflüchteten in einem Netzwerk aus Beratungsstellen, Gesundheitsamt, niedergelassenen Psychotherapeut*innen und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. Am 21. Januar 2026 trug die Psychotherapeutenkammer, vertreten durch Susanne Münnich-Hessel, zur psychotherapeutischen Versorgungslage bei Geflüchteten und kultursensibler Traumatherapie vor.
Geflüchtete Menschen haben häufig vor und während ihrer Flucht ein enormes Ausmaß an seelischer und körperlicher Gewalt, schwere Misshandlungen sowie in vielerlei Hinsicht tiefgreifende Verluste erfahren. Diese Erlebnisse wiegen so schwer, dass sie häufig zu schwerwiegenden Traumafolgestörungen führen. Ihre Behandlung benötigt neben Kenntnissen über Traumata und weitere Störungsbilder auch das Wissen über kulturelle Hintergründe und Besonderheiten der Therapiearbeit. Auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte bringen teilweise Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit mit, die – wenn sie nicht berücksichtigt werden – die psychotherapeutische Behandlung erschweren können. Thema des Vortrags war ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch über eine kultur- und rassismussensible therapeutische Haltung, die erforderlich ist, um sprachliche, kulturelle, religiöse und ethnische Besonderheiten der Patient*innen wahrzunehmen. Der erschwerte Zugang zur Psychotherapie wurde thematisiert, aber auch die Türöffner zu einer kultursensiblen Traumatherapie wurden vorgestellt und sich anhand konkreter Fallbeispiele ausgetauscht.
Die Vortragsfolien werden auch unter www.ptk-saar.de/wp-content/uploads/2026/01/VortragPSZTeilnehmendenversion.pdf zur Verfügung gestellt.
meldestelle.saarland als neue Anlaufstelle bei gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Die digitale meldestelle.saarland (www.meldestelle.saarland) erweitert seit Kurzem die Infrastruktur zur Erfassung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Saarland. Das Projekt der Beratungsstelle Bounce Back, gefördert durch das Bundesprogramm Demokratie leben! und koordiniert durch das Landesdemokratiezentrum Saarland, ermöglicht die unkomplizierte und anonyme Meldung rassistischer, antisemitischer oder queerfeindlicher Vorfälle (online oder telefonisch).
Wie der Saarländische Rundfunk (SR info) berichtet, soll dadurch ein realitätsnäheres Lagebild entstehen, da viele Ereignisse ohne Anzeige nicht in polizeilichen Statistiken erscheinen. Neben Dokumentation und Sichtbarmachung sieht das Konzept eine bedarfsorientierte Weitervermittlung an spezialisierte Beratungsangebote vor, u. a. an das Adolf-Bender-Zentrum (https://adolfbender.de), Yallah! (Fachstelle Islamismus und antimuslimischer Rassismus, www.fitt.de/yallah-saar), AWO (www.awo-saarland.de) sowie LSVD+ (Verband Queere Vielfalt) Saarland (www.lsvdsaar.de). Ergänzend ist ein jährlicher Bericht zur transparenten Auswertung der Meldedaten vorgesehen; die initialen Aufbaukosten werden mit 9.500,– Euro angegeben. In der politischen Einordnung betonte Minister Dr. Magnus Jung (Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit im Saarland) den demokratiesichernden Stellenwert solcher Erfassungs- und Unterstützungsstrukturen.