Nachrufe

Nachruf

Zum Tod von Cord Benecke (1965–2025)

verfasst von: Eva-Lotta Brakemeier & Dietrich Munz

Veröffentlicht / published 18.03.2026
Cord Benecke (1965–2025)

Cord Benecke (1965–2025)

Am 30. Dezember 2025 ist Prof. Dr. Cord Benecke im Alter von nur 60 Jahren gestorben – er hinterlässt eine große Lücke. Es ist ein schmerzlicher Verlust für viele, die ihn gekannt haben – und ganz besonders für seine Familie, der unser tiefes Mitgefühl gilt.

Schon während seines Studiums arbeitete Cord Benecke als wissenschaftliche Hilfskraft in der klinischen Psychologie bei Prof. Dr. Rainer Krause. Parallel zur Promotion über Affektausdruck und -austausch im psychotherapeutischen Prozess absolvierte er am Saarländischen Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie seine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Nach seiner Zeit als Stipendiat des Hanse-Wissenschaftskollegs am Institut für theoretische und angewandte Psychoanalyse der Universität Bremen wechselte er 2003 an die Universität Innsbruck, wo er 2006 habilitierte und bis zur Berufung an die Universität Kassel 2010 als Professor tätig war.

In Innsbruck begann er seine Arbeit zur Weiterentwicklung der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) und deren Implementierung in das Gesundheitssystem, die er bis zu seinem Tod prägend mitgestaltete.

Seinen Forschungsschwerpunkt verlagerte er in dieser Zeit auf die Wirksamkeitsforschung: So verglich er in naturalistischen Studien die langfristigen Veränderungen nach tiefenpsychologischer und analytischer Psychotherapie sowie in einer randomisiert-kontrollierten Studie die Behandlung von Patient*innen mit Angst- und Persönlichkeitsstörungen mit analytischer Psychotherapie und kognitiver Verhaltenstherapie.

Ein durchgängiges Anliegen bildete für ihn die Nachwuchsförderung. So baute er in Kassel den Masterstudiengang „Klinische Psychologie und Psychotherapie“ und eine Hochschulambulanz auf.

Wie wichtig ihm die Verfahrensorientierung und -vielfalt erschienen, kommt in seinem 2014 veröffentlichten integrativen Lehrbuch zum Ausdruck. Diese Orientierung realisierte er für das Studium in seiner Lehre und in der zusammen mit seinem verhaltenstherapeutischen Kollegen Christoph Flückiger geleiteten Hochschulambulanz. In Letzterer gehört es zum Standard, dass fallbezogen psychodynamisch und verhaltenstherapeutisch orientierte Mitarbeitende die jeweilige Indikation gemeinsam diskutieren. So konnte Cord Benecke immer belegen, dass im Studium die Integration der verschiedenen Psychotherapieverfahren realisierbar ist.

Bedeutsam war ihm zudem die Sicherung der Qualität in Ausbildung und Praxis. Er initiierte das Projekt „Qualitätsmerkmale und Versorgungsrelevanz psychodynamischer Ausbildungszentren“, das er später für die Psychotherapie in Praxen erweiterte, und gründete das Institut für Qualitätssicherung in der Psychotherapie. Unermüdlich hat er dafür geworben, sich an diesen Qualitätssicherungsangeboten zu beteiligen, um zu verdeutlichen, wie hochwertig sowohl Ausbildung als auch alltägliche Praxis sind.

In der Fortbildung war er nicht nur bei den Lindauer Psychotherapiewochen aktiv und dort jahrelang als Mitglied der wissenschaftlichen Leitung mitgestaltend; er war auch immer begeisterter und begeisternder Vortragender.

Während der Diskussionen über das Psychotherapeutengesetz und bei vielen anderen Gelegenheiten vertrat Cord Benecke mit großem, unermüdlichem Engagement seine Überzeugung für eine verfahrensorientierte Fundierung der Psychotherapie, jedoch immer mit Respekt für andere Positionen. Eine seiner persönlichen Stärken war, dass er sich überall, wo er sich eingemischt hat, als streitbarer Diskutant und gleichzeitig als aufmerksamer Zuhörer auszeichnete.

Mit Cord Benecke verlieren wir einen herausragenden Psychoanalytiker, einen außerordentlich engagierten Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, einen leidenschaftlichen Verfechter der Verfahrensvielfalt und vor allem einen warmherzigen Menschen – und für viele einen besonderen Freund. In Erinnerung wird bleiben, wie unermüdlich Cord Benecke persönlich wie politisch gestritten hat: klug, beharrlich und stets getragen von einer tiefen Verantwortung für unser Fach, für die Psychoanalyse und für den Nachwuchs. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er Wertvolles für die Psychotherapie in Wissenschaft, Aus- und Weiterbildung, Praxis und Berufspolitik geleistet.

Was über seinen viel zu frühen Tod vielleicht ein wenig zu trösten vermag, ist eines seiner Lieblingszitate – ein Satz von Václav Havel, der ihm bis zuletzt Hoffnung und Trost gegeben hat: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht – egal, wie es ausgeht.“

Cord Benecke wird fehlen. Als Kollege. Als Freund. Als Stimme.

Eva-Lotta Brakemeier
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier
mail icon eva-lotta.brakemeier@uni-greifswald.de

Eva-Lotta Brakemeier

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