Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Berlin

Berlin logo

25 Jahre Psychotherapeutenkammer Berlin: Bericht zum Fachtag anlässlich unseres Jubiläums

Mit einem Fachtag zum Jubiläum blickte die Psychotherapeutenkammer Berlin (PtK Berlin) auf ihre Geschichte zurück – und richtete den Fokus auf drängende Herausforderungen und zukünftige Aufgaben der Versorgung.

Wir feiern dieses Jahr ein besonderes Jubiläum: 25 Jahre PtK Berlin. Zu diesem Anlass fand am 20. März 2026 ein Fachtag statt, der Rückblick und Ausblick verband.

Meilensteine und Entwicklung der Selbstverwaltung

25 Jahre PtK Berlin – ein Vierteljahrhundert engagierter beruflicher Selbstverwaltung: Gemeinsam mit unseren Gästen haben wir bei unserem Fachtag nicht nur auf die Aufbaujahre und wichtige Meilensteine zurückgeschaut, sondern den Blick auch nach vorn gerichtet: auf die Aufgaben, die vor uns liegen. Denn eines ist sicher: Psychotherapie ist und bleibt unersetzlich.

Aktuelle Herausforderungen: Versorgung und Finanzierung

In ihrer Eröffnungsrede spannte Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn den Bogen über ein Vierteljahrhundert berufspolitischer Entwicklung. Sie erinnerte an das Psychotherapeutengesetz von 1999 als hart erkämpften Meilenstein, der Psychotherapeut*innen als eigenständige Heilberufe etablierte. Die Kammer sei seither zentrale Säule der Selbstverwaltung, sichere die Qualität der Berufsausübung und gestalte die Weiterbildung nach fachlich-wissenschaftlichen Kriterien.

Zugleich benannte sie bestehende Herausforderungen: Unter- und Fehlversorgung sowie strukturelle Defizite, insbesondere die ungeklärte Finanzierung der Weiterbildung. Hier brauche es dringend politische Lösungen, um die Fachkräftezukunft zu sichern. Auch eine stärkere Rolle von Psychotherapeut*innen in Kliniken sei notwendig. Zu den wichtigen Projekten zählen neben der Weiterbildung das geplante Versorgungswerk und die Einbindung in die psychosoziale Notfallversorgung.

Zukunftsthemen Prävention und Digitalisierung

Mit Blick nach vorn betonte Schweitzer-Köhn die Bedeutung von Prävention und der therapeutischen Beziehung bei der fortschreitenden Digitalisierung. Angesichts gesellschaftlicher Krisen rief sie zu Engagement und einer klaren Positionierung für demokratische Werte auf.

Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, würdigte in ihrem Grußwort die wichtige Rolle der Psychotherapie – auch als zentrale Säule resilienter Gesellschaftspolitik. Psychische Gesundheit sei eine Schlüsselressource in der Gesellschaft – und besonders wichtig für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Frau Dr. Czyborra dankte der Kammer für ihre Professionalität, ihre Haltung und ihr Engagement – sowohl in der Versorgung als auch in gesundheitspolitischen Debatten.

Vortrag des Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude: Gesellschaftliche Spannungen im Fokus

Einen analytischen Impuls setzte der Soziologe Prof. Dr. Heinz Bude mit seinem Vortrag „Die gekränkte Gesellschaft“. Er beschrieb Kränkung und wahrgenommene Einflusslosigkeit als zentrale Faktoren gesellschaftlicher Polarisierung.

Debatte mit den gesundheitspolitischen Sprecher*innen der Fraktionen im Abgeordnetenhaus

Den Höhepunkt bildete die Podiumsdiskussion mit den gesundheitspolitischen Sprecher*innen der Fraktionen im Abgeordnetenhaus – Bettina König (SPD), Catherina Pieroth (Bündnis 90/Die Grünen), Tobias Schulze (Die Linke) und Christian Zander (CDU) sowie mit Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn, Kammer-Vizepräsidentin Dr. Lea Gutz und Prof. Dr. Heinz Bude zum Thema „Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung in Berlin“.

Kritik an Honorarkürzungen und Versorgungsdebatte

Einig war man sich in der deutlichen Kritik an den Honorarkürzungen: Bettina König nannte sie „falsch“, Tobias Schulze (Die Linke) sprach von einem „desaströsen Fehler“. Eva Schweitzer-Köhn ergänzte: „Die Honorarabsenkung hat auch den Aspekt der Kränkung, weil weniger Geld geringere Wertschätzung bedeutet.“

Zugleich wiesen alle die Annahme einer Überversorgung in Berlin zurück. „Die behauptete Überversorgung ist nicht die Realität“, betonte König und forderte Reformen sowie stärkere Prävention. Bude hob hervor: „Depressive Krankheitsbilder nehmen zu – und die große Frage ist: Wie kann man darauf reagieren?“ Pieroth verwies zudem auf städtische Belastungen wie Stress, Lärm und Hitze, die präventive Maßnahmen umso nötiger machten.

Psychische Gesundheit und soziale Lebensbedingungen

Im Fokus standen auch Kinder und Jugendliche, niedrigschwellige Zugänge und bessere Vernetzung. Zander forderte hier mehr Aufklärung und frühe Unterstützung, da viele Erkrankungen im Jugendalter beginnen.

Dr. Lea Gutz machte den Zusammenhang zwischen Lebensbedingungen und psychischer Gesundheit deutlich: „In meiner Praxis erlebe ich Menschen, die zum Beispiel in der Pflege arbeiten, bei denen ich denke: Wenn eine derart belastete Person eine Depression entwickelt, dann ist das quasi nur eine normale Reaktion auf abnormale Lebensumstände.“ Zugleich kritisierte Gutz die fehlende Weiterbildungsfinanzierung als Zeichen mangelnder Wertschätzung und Kurzsichtigkeit. „Das, genauso wie die Honorarkürzungen, bedeutet eine Abwertung unseres Berufsstandes und eine Gefährdung der Versorgung. Dabei ist Psychotherapie ein unersetzlicher Teil unseres Gesundheitssystems.“

Zum Abschluss betonte Schweitzer-Köhn einen klaren Wunsch: Psychische Gesundheit müsse gesellschaftlich stärker gewichtet werden.

So wurde der Fachtag nicht nur zur Bilanz eines Erfolgs, sondern setzte ein klares Signal: Psychotherapie ist unverzichtbar – und ihre Zukunft ist und bleibt eine gemeinsame Aufgabe.

Unsere Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum finden Sie hier: www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/media/2866

Nicole Sagener

V. l. n. r.: Prof. Dr. Heinz Bude, Catherina Pieroth, Eva Schweitzer-Köhn, Dr. Lea Gutz, Tobias Schulze, Christian Zander und Bettina König. (Foto: Konstantin Gastmann)

V. l. n. r.: Prof. Dr. Heinz Bude, Catherina Pieroth, Eva Schweitzer-Köhn, Dr. Lea Gutz, Tobias Schulze, Christian Zander und Bettina König. (Foto: Konstantin Gastmann)


Psychotherapie unter Druck: Berliner Kammer macht mobil gegen Kürzungspläne

Die Psychotherapeutenkammer Berlin feierte ihr 25-jähriges Jubiläum in der Alten Turnhalle Berlin. (Foto: Konstantin Gastmann)

Die Psychotherapeutenkammer Berlin feierte ihr 25-jähriges Jubiläum in der Alten Turnhalle Berlin. (Foto: Konstantin Gastmann)

Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, unterstützte die Anliegen der Kammer in ihrem Grußwort. (Foto: Konstantin Gastmann)

Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, unterstützte die Anliegen der Kammer in ihrem Grußwort. (Foto: Konstantin Gastmann)

Honorarkürzungen und neue Sparpläne gefährden die psychotherapeutische Versorgung – auch in der Hauptstadt. Die Psychotherapeutenkammer Berlin (PtK Berlin) stellt sich entschieden dagegen – mit klaren Worten, politischem Druck und sichtbarem Protest auf der Straße.

Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zu Honorarkürzungen für ambulante psychotherapeutische Leistungen sowie die Ende März vorgelegten Sparvorschläge der Finanzkommission Gesundheit haben bundesweit Proteste ausgelöst. Auch die PtK Berlin widerspricht diesen Entwicklungen seit Beginn entschieden.

Für die Kammer ist klar: Hier geht es nicht nur um Vergütung, sondern um die Abwertung der Arbeit einer gesamten Berufsgruppe – und um das Ignorieren realer Behandlungsbedarfe von Menschen mit psychischen Erkrankungen. In Zeiten multipler Krisen und steigender Fallzahlen ist dieser Kurs fachlich nicht nachvollziehbar und politisch hoch problematisch. Ob in Gesprächen mit politischen Entscheidungsträger*innen oder in den Medien: Die Kammer betont immer wieder, dass Einschnitte bei der Psychotherapie die verlässliche Versorgung gefährden.

Delegierte, Präsidium und Psychotherapeut*innen bei der Kundgebung in Berlin am 26. März 2026

Delegierte, Präsidium und Psychotherapeut*innen bei der Kundgebung in Berlin am 26. März 2026

Resolution und weitere Aktionen gegen die Honorarkürzungen

Ende März verabschiedete die Delegiertenversammlung eine Resolution gegen die Abwertung psychotherapeutischer Leistungen. Parallel dazu suchte der Vorstand aktiv die Öffentlichkeit, um die Kritik zu verdeutlichen. Unseren Widerstand machen wir auch auf der Straße sichtbar:

Am 26. März demonstrierten in Berlin mehr als 1.000 Psychotherapeut*innen vor dem Bundesgesundheitsministerium. Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn sprach dort am Rednerpult von einem „massiven Affront“ gegenüber der ambulanten Psychotherapie. Die Kürzungen träfen unmittelbar Patient*innen, die auf kontinuierliche Hilfe angewiesen sind, und verursachten langfristig hohe gesellschaftliche Folgekosten – etwa durch Arbeitsausfälle oder Frühverrentungen. Besonders alarmierend sei die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen, deren psychische Belastungen weiter steigen. Einsparungen in diesem Bereich ignorierten die Bedarfe einer ganzen Generation.

Auch beim bundesweiten Aktionstag Mitte April beteiligte sich die Kammer gemeinsam mit tausenden Demonstrierenden in Berlin. Der Protest richtete sich nicht nur gegen die aktuellen Honorarkürzungen, sondern gegen weitere drohende Einschnitte in der psychotherapeutischen Versorgung.

Die Botschaft der PtK Berlin bleibt eindeutig: Wir werden den politischen Druck aufrechterhalten, solange nötig. Unser Ziel bleibt es, die Versorgung langfristig zu sichern und für angemessene Arbeitsbedingungen einzutreten. Denn Psychotherapie ist kostbar – und eine stabile psychotherapeutische Versorgung unverzichtbar!

Die Resolution gegen die Abwertung psychotherapeutischer Leistungen finden Sie unter www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/nachrichten/resolution-zur-abwertung-der-verguetung-psychotherapeutischer-leistungen

Nicole Sagener


Honorarkürzungen, Weiterbildung, Versorgung: Zentrale Themen der Delegiertenversammlung im März

Von der Vergütung ambulanter Psychotherapie über die Weiterbildung bis zum Versorgungswerk: Die Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer Berlin (PtK Berlin) diskutierte zentrale aktuelle Themen für den Berufsstand und die Patient*innenversorgung.

Die Delegiertenversammlung (DV) der PtK Berlin am 24. März 2026 stand im Zeichen zentraler berufspolitischer Herausforderungen. Im Mittelpunkt standen gesundheitspolitische Reformvorhaben wie das Primärversorgungsmodell, aktuelle Entwicklungen zum Versorgungswerk sowie die Honorarkürzungen für ambulante psychotherapeutische Leistungen.

„Die Honorarkürzungen sind falsch“

Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn informierte über den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Grundlage des Beschlusses ist ein Vergleich des Ertrags maximal ausgelasteter psychotherapeutischer Praxen mit dem durchschnittlichen Ertrag eines fachärztlichen Referenzmix aufgrund eines BSG-Urteils aus dem Jahr 1999, in dem erstmals die Mindestvergütung für zeitgebundene und genehmigungspflichtige psychotherapeutische Leistungen festgelegt wurde. Nach dieser Vergleichsberechnung seien die Honorare der Psychotherapeut*innen in den vergangenen Jahren regelmäßig gestiegen, nach Meinung des erweiterten Bewertungsausschusses überproportional. Dieser beschloss darum in diesem Jahr eine Absenkung um 4,5 Prozent. Gleichzeitig wurde der Strukturzuschlag, der für die Finanzierung von Praxispersonal bei voll ausgelasteten Praxen gedacht ist, rückwirkend ab 1. Januar 2026 um 14,5 Prozent erhöht. Unter dem Strich ergibt sich eine reale Minderung von etwa 2,8 Prozent bei voller Auslastung.

Schweitzer-Köhn kritisierte diese Entscheidung deutlich: „Die Kürzungen sind falsch! Psychotherapeut*innen gehören weiterhin zu den am schlechtesten vergüteten Gruppen der ambulanten Versorgung und sind aufgrund des hohen Anteils gesetzlich Versicherter besonders betroffen. Rund 90 Prozent ihrer Einnahmen stammen aus der GKV. Gleichzeitig steigt der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung, besonders bei Kindern und Jugendlichen.“ Die Einsparungen für die Krankenkassen seien dagegen marginal. Zugleich verursachten psychische Erkrankungen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste.

Kammer-Resolution gegen die Honorarkürzungen

Die Kammer unterstützt Aktivitäten wie Kundgebungen, Petitionen und juristische Schritte gegen die Kürzungen, führt im Hintergrund Gespräche mit den politisch Verantwortlichen, äußert in Medienbeiträgen ihre Kritik, nimmt an Protesten teil.

Die Delegiertenversammlung hat zudem eine Resolution gegen die geplanten Honorarkürzungen verabschiedet, in der sie das Bundesministerium für Gesundheit auffordert, diesen Beschluss zu beanstanden.

Alle aktuellen Informationen rund um das Thema, Termine zu Protestaktionen sowie weiterführende Links finden Interessierte auf der Website der PtK Berlin unter dem Themenschwerpunkt „Honorarkürzungen“.

Aktionen zur Finanzierung der Weiterbildung

Ein weiterer Schwerpunkt war die Finanzierung der Weiterbildung. Vorgestellt wurden die geplanten Aktivitäten der Task Force der Bundespsychotherapeutenkammer, darunter ein Aktionsmonat im Mai mit zentralen und regionalen Demonstrationen sowie politischen Gesprächen, um den Reformbedarf zu verdeutlichen.

Zudem berichtete Schweitzer-Köhn über ihre Anhörung im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin, bei der insbesondere die Versorgungssituation und Ausbildungskapazitäten thematisiert wurden. Dort sprach sie unter anderem über erhebliche Wartezeiten für Menschen, die eine psychotherapeutische Behandlung benötigen. Die Annahme, in Berlin gebe es eine Überversorgung, resultiere aus einer unzulänglich umgesetzten, mehr als 25 Jahre alten Berechnung der Bedarfsplanung (Berechnungsgrundlage zur Bedarfsplanung aus dem Jahr 1999), auf der die aktuelle Bedarfsplanung noch immer aufsetzt.

Zum Versorgungswerk informierte der Vorstand über den Stand des angestrebten Anschlusses an die Bayerische Versorgungskammer. Die notwendigen Prüfprozesse in der Senatsverwaltung laufen, begleitet von Gesprächen und einer fortlaufenden Bewertung aktueller Entwicklungen.

Auch stellte der Vorstand wichtige Informationen zur bevorstehenden Kammerwahl vor, über die wir fortlaufend Informationen auf der Website bereitstellen.

Geschlossenes Engagement für die Interessen der Psychotherapeut*innen

Insgesamt verdeutlichte die Sitzung die Vielzahl der Herausforderungen, denen sich der Berufsstand der Psychotherapeut*innen aktuell gegenübersieht. Zugleich unterstrich die Delegiertenversammlung den gemeinsamen Willen, die Interessen der Psychotherapeut*innen geschlossen zu vertreten und die Versorgung der Patient*innen nachhaltig zu sichern.

Nicole Sagener


author image
author.title.default author.firstname.default author.lastname.default
author.position.default
author.address.default
author.city.default
mail icon author.email.default

author.biography.default

Alle Artikel