Mitteilungen der Psychotherapeutenkammer Bayern
Kürzungen und geplante Neuregelungen in der Psychotherapie – Große Beteiligung an Informationsveranstaltungen für Mitglieder, Ausbildungsteilnehmende und Studierende
Die aktuellen politischen Entwicklungen und Beschlüsse haben erhebliche Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung. Bei vielen Kammermitgliedern herrscht daher vermehrter Informationsbedarf und es gibt berechtigte Verunsicherung darüber, wie sich die politischen Entscheidungen auf die Versorgung und die konkrete Berufstätigkeit auswirken.
Der Vorstand hat daher sowohl im Mai als auch im Juli jeweils kurzfristig anberaumte Sonder-Informationsveranstaltungen für Mitglieder, Ausbildungsteilnehmende und Studierende in Bayern angeboten. Am ersten Sonder-Mitgliederforum am 18. Mai 2026 nahmen rund 700 Personen teil, am zweiten Sonder-Mitgliederforum am 21. Juli 2026 – kurz nach der endgültigen Verabschiedung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) im Bundestag – nahmen 1.900 Personen teil. Die hohe Teilnehmendenzahl verdeutlicht die Brisanz des Themas.
Bei beiden Veranstaltungen wurde der jeweils aktuelle Stand zu den Auswirkungen des Beschlusses des Erweiterten Bewertungsausschusses berichtet. Nachdem im März durch den sog. Erweiterten Bewertungsausschuss eine Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um circa 4,5 Prozent beschlossen worden war, gab es viele Proteste und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Klage eingereicht. Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg hat mittlerweile dem Eilantrag der KBV stattgegeben. Damit ist die Honorarkürzung in der Psychotherapie vorerst gestoppt, bis über die Klage rechtskräftig entschieden ist.
Mit dem im Juli 2026 beschlossenen BStabG hat der Bundestag tiefgreifende Einschnitte beschlossen, die die psychotherapeutische Versorgung massiv gefährden. Das Gesetz führt zu einer erneuten Budgetierung ambulanter Behandlungsleistungen und streicht Regelungen zur Sicherung einer angemessenen Vergütung. Hierzu informierte der Vorstand über Auswirkungen und zentrale Regelungen im ambulanten sowie im stationären Bereich. Melcop berichtete über den zeitgleich beschlossenen sog. Entschließungsantrag der Regierungskoalition, der weitere Regelungen für die ambulante psychotherapeutische Versorgung zeitnah in Aussicht stellt und grundsätzlich zeige, dass durch die vielen politischen Kontakte und Aktionen der letzten Wochen der gesellschaftliche Wert der psychotherapeutischen Versorgung auch vor dem Hintergrund der von der Regierung gesehenen Sparzwänge im Gesundheitswesen weiterhin deutlich gemacht werden konnte. Dennoch werden negative Auswirkungen mit den geplanten Maßnahmen nur gelindert und nicht gelöst.
Die Informationsveranstaltungen wurden jeweils auch genutzt, um den Teilnehmenden genügend Raum für Fragen, Diskussion und Rückmeldungen zu geben und den Austausch mit dem Vorstand zu ermöglichen. Die Mitglieder meldeten sich zu erheblicher Planungsunsicherheit, existenziellen Sorgen und drohenden negativen Konsequenzen für die Versorgung gesetzlich versicherter Personen zu Wort. Der Vorstand wird die Kammermitglieder über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Der Vorstand der PTK Bayern informierte über die aktuellen politischen Entwicklungen und stellte sich den Fragen der Teilnehmenden. (Foto: PTK Bayern)
Geschlossen gegen die Kürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung – Bericht zur 49. Delegiertenversammlung
Am 20. Mai 2026 fand die 49. Delegiertenversammlung der PTK Bayern statt. Ein besonderer Fokus lag auch hier auf den Honorarkürzungen durch den Erweiterten Bewertungsausschuss und den aktuellen Entwürfen zu einer Spargesetzgebung mit gravierenden Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung. Die Delegierten stellten sich geschlossen gegen die bereits sicheren und die zu diesem Zeitpunkt geplanten Kürzungen und hinter die Aktivitäten des Vorstandes. Darüber hinaus beschloss die Versammlung Änderungen der Berufs-, der Weiterbildungs- und der Fortbildungsordnung sowie der Melde- und Wahlordnung. Die Versammlung wurde vom Versammlungsleiter Klemens Funk und seiner Stellvertreterin Agnes Mehl geleitet.
Bericht des Vorstands
Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop informierte über die aktuellen Entwicklungen der Gesundheitspolitik und erläuterte insbesondere die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026. Dabei wies er auf die unzutreffenden Bestandteile des zugrunde gelegten Bewertungsmodells hin. Ausführlich schilderte Melcop die intensiven berufspolitischen Aktivitäten des Vorstandes als Reaktion auf die Honorarkürzungen. Im Zusammenspiel mit den Aktivitäten der BPtK auf Bundesebene und weiteren Akteur*innen wie Berufsverbänden, KBV und dem Aktionsbündnis Psychotherapie formierte sich in den Wochen vor der Versammlung der deutlich sichtbare, bundesweite Protest der Psychotherapeutenschaft.
Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop (alle Fotos zu diesem Artikel: PTK Bayern)
Darüber hinaus skizzierte Nikolaus Melcop das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) und erläuterte die in der Konsequenz zu erwartenden drastischen Auswirkungen auf die ambulante psychotherapeutische Versorgung. Nicht zuletzt würde das geplante Gesetz die Schaffung ausreichender und angemessen finanzierter Weiterbildungsplätze für die Psychotherapeut*innen zusätzlich erschweren. Der Vorstand hat sich deshalb bereits auf Landes- und Bundesebene für eine Rücknahme des Gesetzesentwurfs eingesetzt.
Vorstandsmitglied Birgit Gorgas berichtete über das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG). Im Zuge der gesellschaftlichen Debatte anlässlich von Gewalttaten durch psychisch erkrankte Personen sollen die im BayPsychKHG bereits verankerten Instrumente besser ausgeschöpft werden. Prävention durch Angebote wie Krisendienste und längerfristige sozialpsychiatrische Begleitung gilt es auszubauen. Gorgas wandte sich darüber hinaus deutlich gegen die geplante Kürzung der Eingliederungshilfe, die Menschen mit einer Behinderung oder von Behinderung bedrohte Menschen eine individuelle Lebensführung ermöglicht bzw. erleichtert.
Birgit Gorgas
Schließlich erläuterte Birgit Gorgas die Möglichkeiten zur psychotherapeutischen Behandlung vulnerabler Gruppen, die durch die bereits am 20. Februar 2025 erfolgte Änderung der Ärzte-Zulassungsverordnung eröffnet wurden. Voraussetzung hierfür ist die Eintragung in das Arztregister für Psychologische Psychotherapeut*innen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen oder Fachpsychotherapeut*innen sowie der Nachweis eines Kooperationsvertrages mit einer Einrichtung, die entsprechende Personen begleitet. Die Kammer unterstützt dies u. a. durch eine Online-Informationsveranstaltung am 9. Juli 2026 und mithilfe des Anzeigenportals auf der Homepage, auf der Kooperationen angeboten werden können. Die BPtK bietet hierzu eine Online-Fortbildungsreihe an.
Vorstandsmitglied Prof. Dr. Monika Sommer erläuterte die Auswirkungen des BStabG auf den stationären Bereich und skizzierte die drohende Verschlechterung in der Versorgung in diesem Sektor. Besonders kritisch ist dabei die ungenügende Finanzierung von Personal und das Fehlen zusätzlicher Weiterbildungsstellen in der Übergangsphase zwischen der Ausbildung und der Weiterbildung zu sehen. Darüber hinaus informierte Monika Sommer über die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe in verschiedenen Veranstaltungen und stellte den vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) organisierten Runden Tisch Autismus vor, der u. a. eine Expert*innenkommission zur Entwicklung von Mindeststandards für Betroffene eingesetzt hat.
Prof. Dr. Monika Sommer
In Wortbeiträgen tauschten sich die Delegierten zum Bericht des Vorstandes aus und dankten dem Vorstand für seinen Einsatz.
Vizepräsidentin Nicole Nagel stellte ein gerade fertiggestelltes Video zum Thema „Kinder und Jugendliche in der Klimakrise – Wie die psychische Gesundheit junger Menschen gestärkt werden kann“ vor, das die Delegiertenversammlung mit großem Applaus bedachte. Anhand des Videos soll die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gelenkt werden.
Vizepräsidentin Nicole Nagel
Weiterbildung der Psychotherapeut*innen
Vorstandsmitglied Dr. Anke Pielsticker gab den Delegierten einen Überblick zum Stand der Umsetzung der neuen psychotherapeutischen Weiterbildung in Bayern. Dabei berichtete sie über die Veranstaltungen zur Weiterbildung und legte konkrete Zahlen der anerkannten Weiterbildungsstätten und der entsprechenden Anerkennungsanträge vor. Mittels Karten von Bayern veranschaulichte Anke Pielsticker den Stand der Umsetzung. Abschließend berichtete Pielsticker von den Aktivitäten der AG Weiterbildung, bestehend aus Mitgliedern des Vorstands und Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle.
Dr. Anke Pielsticker
Hieran schloss Monika Sommer den Überblick über den Stand der Umsetzung der Weiterbildung im stationären Bereich an.
Änderung von Satzungen und Ordnungen der PTK Bayern
Benedikt Wolf aus der Rechtsabteilung erläuterte Änderungen der Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen. Dies betraf insbesondere die Anpassung der Voraussetzung für die Erteilung der Weiterbildungsbefugnis im Rahmen der Bereichsweiterbildung sowie die Einführung einer Meldepflicht für die Etablierung eines Registers der Weiterbildungsteilnehmenden. Zudem wurde mit der Einführung der neuen Bereichsweiterbildung „Klinische Hypnose/Hypnotherapie“ in die Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen sowie die Weiterbildungsordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen der entsprechende Beschluss des 48. Deutschen Psychotherapeutentags auch in Bayern umgesetzt.
Finanzen
Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel stellte den Jahresabschluss 2025 vor. Nach ergänzenden Ausführungen von Rudi Bittner als Vorsitzendem des Finanzausschusses wurden der Jahresabschluss 2025 von der Delegiertenversammlung einstimmig angenommen sowie Vorstand und Geschäftsführung entlastet.
Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel
Weitere Änderungen von Satzungen und Ordnungen der PTK Bayern
Vizepräsident Bruno Waldvogel erläuterte anschließend die vom Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) zuletzt beschlossenen Änderungen in der Berufsordnung und bat die Delegierten um Übernahme in die Berufsordnung der PTK Bayern. Anlass war insbesondere eine Neuregelung des Einsatzes von Kommunikationsmedien in der Psychotherapie, die sowohl eine Flexibilisierung als auch eine Erhaltung der fachlichen Standards der Psychotherapie im unmittelbaren Patient*innenkontakt vorsehen. Psychotherapeutische Behandlungen sollen „aus einer Hand“ erfolgen.
Anschließend stellte Waldvogel ebenfalls vom DPT beschlossene Änderungen zur Fortbildungsordnung vor, die die Anforderungskriterien an Referierende sowie an Supervisor*innen und Selbsterfahrungsleiter*innen konkretisieren. Die vorgeschlagenen Änderungen zur Berufs- und zur Fortbildungsordnung wurden mit großer Mehrheit beschlossen.
Zudem wurden Änderungen der Meldeordnung vorgenommen, um insbesondere den Ablauf der Anmeldung bei der Kammer weitmöglichst zu digitalisieren. Hierfür wurde die Option der Anmeldung in Papierform aufgehoben, sodass nur noch die Möglichkeit der Online-Anmeldung besteht. Die Einreichung einer amtlich beglaubigten Kopie der Approbationsurkunde ist fortan nur noch auf Verlangen der Kammer notwendig.
Zuletzt wurde auch die Wahlordnung geändert, um den Ablauf der bevorstehenden Kammerwahl 2027 zu optimieren. Hierzu wurde u. a. der Personenkreis, der sich für die Online-Wahl entscheiden kann, konkretisiert, die der Kammer gegenüber angegebene Postanschrift als Inhalt der Liste der Wahlberechtigten festgelegt, die Möglichkeit der virtuellen Einsichtnahme in die Liste der Wahlberechtigten vereinfacht und die Informationsmöglichkeiten der Kammer über das zulässige Stimmabgabeverfahren erweitert.
Nominierung der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Verwaltungsrats der BIngPPV für die neue Amtsperiode 2027/2030
Die Delegiertenversammlung stimmte über die Nominierung der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Verwaltungsrats der Bayerischen Ingenieurversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung (BIngPPV) für die neue Amtsperiode 2027/2030 ab.
Weitere Berichte
Abschließend informierten die Ausschüsse und Kommissionen über ihre Sitzungen und die Arbeit seit der letzten Delegiertenversammlung. Zudem berichteten die satzungsgemäßen Gäste der Delegiertenversammlung über aktuelle Entwicklungen in ihren Bereichen: die Vertreterin der Ausbildungsteilnehmer*innen Psychotherapie (PiA) Hannah Streit, der Vertreter der bayerischen Ausbildungsinstitute Dr. Ulrich Goldmann, die Vertreterin der bayerischen Universitäten, die einen Studiengang nach Abschnitt 2 des Psychotherapeutengesetzes in Bayern anbieten, Dr. Theresa Wechsler sowie Lilli Herbelßheimer als Vertreterin der Studierenden der Studiengänge, die gemäß der Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Bayern akkreditiert sind. Weiterhin berichteten Melina Mangstl und Christoph Zadow für die sich in Weiterbildung befindlichen Psychotherapeut*innen über deren gegenwärtige Situation.
Kinder und Jugendliche in der Klimakrise – PTK Bayern gibt Orientierung, wie die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gestärkt werden kann
Die Klimakrise wirkt sich auch auf die psychische Gesundheit aus. Kinder und Jugendliche stellen dabei eine besonders stark betroffene und zugleich vulnerable Gruppe dar. In einer aktuellen Kampagne hat die PTK Bayern Materialien für Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sowie Forderungen an die Politik zusammengestellt. Ziel ist es, die psychische Gesundheit junger Menschen zu stärken und auf Möglichkeiten der Prävention hinzuweisen. Die Folgen der Klimakrise sind im Alltag zunehmend spürbar. Umweltkatastrophen und Extremwetterereignisse, wie Überflutungen oder Hitzewellen, treten häufiger auf und beeinträchtigen nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung. Kinder und Jugendliche trifft die Klimakrise dabei besonders ausgeprägt. So bedrohen die Auswirkungen des Klimawandels die Lebensgrundlagen junger Menschen, können intensive Gefühle wie Angst oder Verzweiflung auslösen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Verschiedene Studien zeigen, dass die Klimakrise eines der gesellschaftlichen Themen ist, um das sich junge Menschen am meisten Sorgen machen, und dass ihr Blick in die Zukunft eher pessimistisch ist. Auch die WHO warnt, dass die Klimakrise die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährdet und diese in besonderem Maße unterstützt werden müssen.
Die PTK Bayern spricht daher mit einer Informationsbroschüre gezielt jene Fachkräfte unterschiedlicher Institutionen an, die mit Kindern und Jugendlichen in ihren verschiedenen Lebenswelten arbeiten, z. B. in Kindertagesstätten, in der Schule, in Beratungs- oder Freizeiteinrichtungen. Die wichtigsten Inhalte dieser Broschüre werden außerdem in einem kurzen Video anschaulich dargestellt. Zudem stellt die PTK Bayern Forderungen an die Politik auf. In einem sog. One-Pager werden der Schutzbedarf der psychischen Gesundheit junger Menschen verdeutlicht und klare Maßnahmen gefordert, mit denen die psychische Gesundheit junger Menschen gestärkt und die Prävention vorangetrieben werden kann.
Informationen, Materialien und weiterführende Links finden Sie unter www.ptk-bayern.de/klima-und-psyche.
Vizepräsidentin Nicole Nagel hatte das Projekt beim diesjährigen Hitzeaktionstag des Bündnisses Hitzeschutz Bayern am 9. Juni 2026 vorgestellt. Das Bündnis Hitzeschutz Bayern wurde im Frühjahr 2023 gegründet und besteht aus zahlreichen Akteur*innen des Gesundheitssektors im Freistaat; die PTK Bayern ist ebenfalls Mitglied. Ziel der Allianz ist es, Wissen über die gesundheitlichen Folgen von Hitze und mögliche Präventionsmaßnahmen in der Bevölkerung sowie in Gesundheitseinrichtungen zu verbreiten und diese zu motivieren, Schutzmaßnahmen in ihren jeweiligen Strukturen und folglich auch in der Patient*innenversorgung konsequent umzusetzen.
Diversität im Fokus: Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderungen in der Psychotherapie – Veranstaltung am 24. Juni 2026
Die Kommission Diversität und Antidiskriminierung der PTK Bayern hat die Fortbildungsreihe „Diversität im Fokus“ konzipiert, die sich mit der Psychotherapie mit Patient*innen aus vulnerablen und diskriminierten Bevölkerungsgruppen befasst. Mit den Fortbildungen sollen die Kompetenzen und die Sensibilität von Psychotherapeut*innen im Umgang mit Patient*innen mit besonderen Lebenserfahrungen oder Beeinträchtigungen gefördert und die Teilnehmenden ermutigt werden, verstärkt mit ihnen in der therapeutischen Praxis zu arbeiten. Durch Vermittlung von Wissen sowie einen praxisnahen Austausch mit erfahrenen Kolleg*innen sollen Unsicherheiten abgebaut und die Versorgung dieser Patient*innen verbessert werden. Zudem werden praktische Hinweise gegeben, welche Hilfen für die jeweilige Patient*innengruppe ergänzend zur Psychotherapie zur Verfügung stehen. Am 24. Juni 2026 fand eine Veranstaltung zum Thema „Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderungen in der Psychotherapie“ statt. Über 280 Interessierte bekamen so einen Überblick zu den großen Hürden in die Psychotherapie, die Menschen mit einer Geh-, Seh- oder Hörbehinderung häufig erleben. Die Referentin Christina Heil ist Psychologische Psychotherapeutin und seit ihrem 13. Lebensjahr selbst blind. Einer ihrer Behandlungsschwerpunkte ist die Arbeit mit Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderungen. Sie vermittelte zunächst Sachkenntnisse über verschiedene Behinderungsarten und über Möglichkeiten zum Abbau äußerer Barrieren. Darüber hinaus gab sie Therapeut*innen Anregungen zum Umgang mit emotionalen Herausforderungen im Kontakt mit Menschen mit einer Behinderung. Aufbauend hierauf wurden behinderungsbezogene therapierelevante Themen erörtert sowie geeignete Therapiemethoden vorgestellt.
Ein weiterer Termin der Reihe „Diversität im Fokus“ ist für den 14. Oktober 2026 zum Thema armutsbetroffene Menschen geplant.
Vorstandsmitglied Birgit Gorgas, Teresa Enzinger von der Kommission Diversität und Antidiskriminierung und die Referentin Christina Heil (Foto: PTK Bayern)
Kooperationsmöglichkeiten für Einrichtungen und Psychotherapeut*innen zur Versorgung vulnerabler Gruppen – Informationsveranstaltung am 9. Juli 2026
Bereits im Februar 2025 hat der Bundesrat einer Änderung der Ärzte-Zulassungsverordnung (Ärzte-ZV) zugestimmt, die die Versorgung besonders vulnerabler Patient*innengruppen nachhaltig verbessern kann. Dies betrifft Personen, die aufgrund intellektueller Beeinträchtigungen, Suchterkrankungen oder erheblich eingeschränkter Funktionsniveaus sozial benachteiligt sind. Psychotherapeut*innen können durch Kooperation mit auf diese Personen spezialisierten Einrichtungen eine Ermächtigung für die ambulante psychotherapeutische Versorgung erhalten und die Behandlungen über die GKV abrechnen. Die PTK Bayern hat zu diesem Thema am 9. Juli 2026 eine Online-Veranstaltung angeboten, an der rund 260 Personen teilnahmen. Vizepräsidentin Nicole Nagel stellte die Neuerungen vor und berichtete über Kooperationsmöglichkeiten für Einrichtungen der Sozialpsychiatrie, Suchthilfe, Jugendhilfe, Sozialpädiatrische Zentren, Behindertenhilfe etc. mit Psychotherapeut*innen. Stephan Haniffa, Fachleiter Beratung Praxisführung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), gab einen Überblick über die zulassungsrechtlichen Möglichkeiten der KVB. Marco Schneider, PP und seit April 2026 ermächtigt zur Behandlung vulnerabler Gruppen in Kooperation mit einem Sozialpsychiatrischen Dienst, gab aus eigener Erfahrung ein Praxisbeispiel. Vorstandsmitglied Birgit Gorgas moderierte die Veranstaltung und koordinierte die Diskussion der Teilnehmenden. Zusätzlich hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in verschiedenen Unterräumen/Kleingruppen der Videokonferenz zu den speziellen Bereichen auszutauschen: Sozialpädiatrische Zentren, Sozialpädiatrischer Dienst, Suchthilfe, Jugendhilfe oder Behindertenhilfe. Entsprechende Kooperationsanfragen können Sie über das Anzeigenportal unter www.ptk-bayern.de > Presse & Fachinfos > Anzeigenportal in der Rubrik „Kooperationen (zur Ermächtigung nach Ärzte-ZV) für Versorgung besonders vulnerabler Patient*innengruppen“ finden.
Referent*innen und Vorstandsmitglieder informierten über Kooperationen und Ermächtigungen. (Foto: PTK Bayern)
Medienmündigkeit in einer digitalisierten Welt: Kinder und Jugendliche sicher begleiten – Veranstaltung am 1. Juli 2026
Die PTK Bayern veranstaltete am 1. Juli 2026 eine Online-Veranstaltung zum Thema „Medienmündigkeit in einer digitalisierten Welt“. Über 400 Teilnehmende informierten sich, wie Kinder und Jugendliche in einer digitalen Welt zu selbstbestimmtem und verantwortungsvollem Medienumgang befähigt werden können. Gleichzeitig wurden wirksame Ansätze im Umgang mit bereits problematischer Mediennutzung beleuchtet. Den Teilnehmenden wurden konkrete Methoden, therapeutische Impulse und alltagstaugliche Strategien für ihre Arbeit vermittelt. Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer von neon – Prävention und Suchthilfe, informierte dabei ausführlich zu den Themen Medienerziehung und Mediensucht. Peter Niederhuber, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, gab Einblicke in exzessive Mediennutzung und digitale Gewalt und vermittelte dabei Möglichkeiten psychotherapeutischer Interventionen in der KJP-Praxis. Ein anschließender Workshop verband aktuelle Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung aus der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und bot Raum für Austausch und Reflexion.
Die Referenten Peter Niederhuber und Benjamin Grünbichler mit Vizepräsidentin Nicole Nagel und Vorstandsmitglied Birgit Gorgas (Foto: PTK Bayern)
Berufsrechtliche Rahmenbedingungen der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen – Veranstaltung am 17. Juli 2026
Am 17. Juli 2026 veranstaltete die PTK Bayern eine Online-Fortbildung zum Thema „Berufsrechtliche Rahmenbedingungen der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen“, an der 240 Personen teilnahmen. Inhalt der Veranstaltung war die Darstellung und die Diskussion berufsrechtlicher Fragestellungen, die sich bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen typischerweise ergeben können und daher auch immer wieder in Anfragen an die Kammer thematisiert werden.
Psychotherapeut*innen, die Kinder und Jugendliche behandeln, kennen die Besonderheiten bei der Behandlung dieser Altersgruppen: In entwicklungspsychologischer bzw. entwicklungspsychopathologischer Hinsicht ergeben sich Besonderheiten im Aufbau einer psychotherapeutischen Beziehung, aber auch die Komplexität durch den Einbezug des Systems Familie und anderer Lebenswelten der Kinder bzw. der Jugendlichen ist regelmäßig bedeutsam. Eingebettet ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einen rechtlichen Rahmen, der sich auf unterschiedliche Rechtsbereiche erstreckt. Auch die Berufsordnung der Kammer enthält ausdrückliche Regelungen zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die in den rechtlichen Gesamtkontext eingeordnet werden müssen. Aufgrund der komplexen rechtlichen Vorgaben ergeben sich zahlreiche Fragestellungen vor allem zu den Bereichen Aufklärung und Einwilligung, Schweigepflicht und Dokumentation sowie Einsichtnahme in die Patient*innenakte. Dies nahm die PTK Bayern erneut zum Anlass, zu einer Veranstaltung speziell zu den rechtlichen Aspekten bei der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen einzuladen.
Nach einer Einführung durch Nicole Nagel, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Vizepräsidentin der PTK Bayern, wurden wesentliche Problemkreise aus juristischer Sicht von den Kammerjuristen Mark Janik und Benedikt Wolf vorgestellt und Hinweise für die Handhabung in der Praxis gegeben. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch einen praxisnahen Exkurs im Bereich Kinderschutz zur Beratung durch eine sog. insoweit erfahrene Fachkraft (gemäß SGB VIII).
Christoph Treubel und Agnes Mehl aus dem KJP-Ausschuss informierten gemeinsam mit Vizepräsidentin Nicole Nagel und den Mitarbeitern der Rechtsabteilung. (Foto: PTK Bayern)
Kurz und knapp – Aktivitäten der Kammer
+++ Am 22. Juni 2026 hat die PTK Bay-ern eine Info-Veranstaltung zur Weiterbildung der Psychotherapeut*innen durchgeführt. Die Veranstaltung richtete sich konkret an Studierende und Lehrende. +++
+++ Am 24. Juni 2026 fand die Veranstaltung „Selbsthilfe und Psychotherapie – Round-Table-Gespräch für Schwaben: Gruppentherapie – Therapiegruppe – Selbsthilfegruppe“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, das Wissen voneinander zu verbessern und über Vernetzung und Kooperation nachzudenken. Vorstandsmitglied Monika Sommer sprach die einleitenden Grußworte, Vizepräsidentin Nicole Nagel gab einen inhaltlichen Input zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Gruppentherapie, Therapiegruppe und Selbsthilfegruppe. +++
+++ Am 25. Juni 2026 fand ein Vernetzungs- und Austauschtreffen der PTK Bayern mit den in den GesundheitsregionenPlus mitwirkenden Psychotherapeut*innen statt. Kammerpräsident Nikolaus Melcop und Vorstandsmitglied Heiner Vogel nahmen vom Vorstand daran teil. Die Referent*innen informierten zu regionalen Projekten zu psychischer Gesundheit sowie zur begleitenden Öffentlichkeitsarbeit. Im Anschluss wurden aktuelle Entwicklungen und Projekte in den GesundheitsregionenPlus besprochen. +++
+++ Zum Thema Psychosoziale Notfallversorgung fanden zwei Termine statt: Vizepräsident Bruno Waldvogel nahm an der Sitzung des Zentralstellenrates PSNV Bayern am 30. Juni 2026 teil sowie zusammen mit Vorstandsmitglied Monika Sommer auch am PSNV-Netzwerk-Treffen der BPtK am 7. Juli 2026. +++
+++ Am 10. Juli 2026 fand der 15. Bayerische Selbsthilfekongress statt. Vorstandsmitglied Monika Sommer diskutierte im Gesundheits-Forum zum Thema „Sprechen und Zuhören auf Augenhöhe“ mit. +++
+++ Das Sommergespräch der Bayerischen Landesärztekammer am 17. Juli 2026 wurde von Vertreter*innen der Kammer zum Austausch und Netzwerken im bayerischen Gesundheitswesen genutzt. +++
Veranstaltungshinweis
11. Bayerischer Landespsychotherapeut*innentag: Angst und Angststörungen in Zeiten globaler Bedrohungen am 17. Oktober 2026 in Nürnberg.
Programm und Anmeldung unter www.ptk-bayern.de.
Hinweis auf amtliche Verlautbarungen der Kammer
Amtliche Verlautbarungen der PTK Bayern werden seit dem Jahr 2020 ausschließlich auf der Internetseite der Kammer veröffentlicht (§ 1 Satz 4 der Satzung, Art. 17 Abs. 3 BayDiG). In der jeweiligen Verlautbarung ist auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens der verlautbarten Regelung festgelegt. Die amtlichen Verlautbarungen der Jahre bis einschließlich 2019 wurden im Bayerischen Staatsanzeiger veröffentlicht. Als zusätzlichen Service machen wir hier auf die zuletzt auf der Kammerhomepage veröffentlichten amtlichen Verlautbarungen aufmerksam.
Am 19.06.2026 wurden folgende Verlautbarungen veröffentlicht:
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Änderung der Weiterbildungsordnung für die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Bayerns,
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Änderung der Weiterbildungsordnung für die Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychologischen Psychotherapeuten sowie für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Bayerns,
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Änderung der Berufsordnung,
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Änderung der Meldeordnung,
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Änderung der Wahlordnung,
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Änderung der Fortbildungsordnung.
Die vollständigen Verlautbarungen finden Sie unter www.ptk-bayern.de > Die Kammer > Amtliche Verlautbarungen.